#64 – 10 Tage Vipassana / Handyfasten, Schweigen und zehn Stunden täglich meditieren / Tag 10-11 + Fazit

Kaum zu fassen. Tag für Tag vergeht. Täglich rechne ich nach. Erst ist ein Viertel um. Dann ein Drittel. Die Hälfte. Und plötzlich ist Tag 10 gekommen. Die Handys bekommen wir zwar erst am Abreisetag, aber heute dürfen wir ab 10 Uhr miteinander reden. Meine Begeisterung darüber hält sich allerdings in Grenzen. Ich glaube ich würde lieber gerne meine Ruhe behalten. Nach wie vor möchte ich einfach nur nach Hause. Ich zähle die Stunden. … Auch wenn ich möglicherweise ein klitzekleines bisschen stolz bin bis jetzt durchgehalten zu haben.

Tag 10 – Wo ist die selige Ruhe hin?

An Tag 10 um 10 Uhr Ich verlasse die Meditationshalle und höre eine Gruppe junger Frauen miteinander lauthals kichern und reden. Von so viel Lautstärke und guter Laune fühle ich mich so überfordert, dass ich am Absatz kehrt mache, gleich zurück in die Halle gehe und noch 40 Minuten Meditation dranhänge. Ich bin nicht sicher, ob ich für Kommunikation (schon) bereit bin? Und warum sind die eigentlich alle so gut drauf? Ich bin immer noch in meiner „Zähme-den-Geist-bin-ich-eigentlich-schizophren-ist-mein-Leben-so-schlimm-oder-fühlt-es-sich-grad-nur-so-an-Blase“.

Beim anschließenden Mittagessen schwirrt mir der Kopf. Männer und Frauen sind jetzt gemischt und 140 Menschen tummeln sich zwischen Speisesaal und Terrasse. Alle lachen, reden, fragen, antworten. Meine Ohren sind so viel Lärm nicht gewohnt und ich fühle mich wie im Club neben der Musikbox. Wo ist nur die selige Ruhe hin? Am liebsten würde ich meinen gewohnten Platz mit Blick auf die Felder und das „Noble Silence“-Schild einnehmen. Ich springe über meinen Schatten und setze mich zu zwei Mädls. Als mich eine fragt wie es mir geht kullern die Tränen. Falsche Frage. Schnell lenkt sie ab und wir sprechen über unsere Tattoos. Ups. Danach schaue ich mich kurz in der Ausstellung (Infos zu den Zentren, Buchempfehlungen, Spendenmöglichkeit etc.) um und starte dann rasch wieder zur Wiese neben der Meditationshalle. Denn hier ist nach wie vor Stille geboten.

Ich lerne auch zu verstehen, dass das Schweigen und die Reduktion aller Ablenkungen durchaus Sinn gemacht haben. Die Meditation funktioniert – man glaubt es kaum – seit den Gesprächen gar nicht mehr so gut. Die Gedanken an die Gespräche, die Stimmen in den Ohren und die Vorfreude auf den morgigen Kontakt mit Zuhause sind schon zu groß.

Aber auch dieser Tag geht vorbei. Und da ich die letzten Tage ausreichend Zeit hatte zu planen, habe ich innerhalb von Sekunden alles gepackt und in meinem Kopf bereits einen minutengenauen Plan für den Abreisetag erstellt.

Tag 11 – Endspurt

Auch am Abreisetag wird morgens noch gemeinsam meditiert und gefrühstückt bevor wir die Handys wieder an uns nehmen dürfen. Man kann sich vorstellen wie gut die Konzentration des Geistes in diesen Stunden funktioniert hat. Nämlich gar nicht.

Als ich mein Handy aufdrehe trudeln einige Nachrichten ein. Stefan hat mir täglich Sprachnachrichten und Fotos geschickt, um mich auf dem Laufenden zu halten. Auch meine Eltern haben an mich gedacht und mir Fotos vom Familienausflug geschickt. Ich bin so gerührt, dass schon wieder Tränen kullern. Langsam frage ich mich, ob die eigentlich irgendwann aufgebraucht sind?

Beim anschließenden Gemeinschaftsputz bin ich überrascht über die exakte und perfekte Organisation. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind auf die Häuser, Gemeinschaftsräume, Gärten etc. aufgeteilt und werken. Da auch meine Zimmergenossin so schnell als möglich das Feld räumen will, sind wir besonders flott und tragen uns zusammen für’s WC-Putzen ein. Uns kann nach dieser Woche nichts mehr erschüttern. 😉

Bevor es nach Hause geht: Ein Besuch der gelben Engel

Endlich alles erledigt und noch ein paar Fotos gemacht beeile ich mich zum Auto. Taschen rein, Headset angesteckt, Motor gestartet, Handbremse gelöst, Retourgang eingelegt, aufs Gas gestiegen. Nichts. Wie jetzt? Nochmal: Motor aus. Motor an. Gang rein. Gas. Ein Rad blockiert. Ich komme nicht vom Fleck. Darf nicht wahr sein. – Weil ich es nicht glauben kann spiele ich das Spiel einige Male bevor ich Stefan und meinen Papa anrufe. Da mir aus der Ferne natürlich niemand helfen kann, eilen die gelben Engel herbei. Mit einem kleinen Hammerschlag auf die verrostete Bremse löst der ADAC-Mitarbeiter das Problem innerhalb von Sekunden, womit ich mich nun auf den Heimweg begebe.

Das waren also 10 Tage Vipassana. Bei der Anmeldung im März so weit weggewesen. Immer näher gekommen. Da gewesen. Scheinbar nicht vergangen. Und nun vorbei. … Soviel zum Gesetz der Veränderung. Alles kommt und geht. Entsteht und vergeht.

Fazit: Ich werde es wieder tun

Auch, wenn ich zwischendurch WIRKLICH am Rande des Wahnsinns war und mir sicher war, dass das zu den Schlimmsten Dingen zählt, die ich je gemacht habe: ich werde es wieder tun.

Aber warum eigentlich?!

Ich habe wieder einmal gelernt durchzuhalten.Auszuharren. Stark zu bleiben. Aus meiner Komfortzone rauszugehen. An meine Grenzen zu gehen, sie zu erweitern. Und diesmal sogar mit mir ganz alleine.

Ich habe erfahren geduldig zu sein. Das kann ich nämlich eigentlich ÜBERHAUPT nicht. Dort blieb mir einfach nichts anderes übrig. Denn während der Gruppensitzungen darf man den Raum nicht verlassen. Also wartet man (geduldig) auf den Gong. Und auch wartet man (geduldig) auf Tag 11.

Ich habe gelernt im Hier und Jetzt zu leben.Mir nicht ständig Gedanken zu machen was in der Vergangenheit passiert ist und mich darüber aufzuregen, kränken, … und mir auch nicht ständig Sorgen zu machen was möglicherweise eventuell unter Umständen in der Zukunft passieren könnte. Und hey – das ist sowas von erleichternd…!!! 

Ich habe gelernt auf das Gesetz der Natur / Veränderung zu vertrauen.Alles kommt und geht. Alles entsteht und vergeht. Nicht auf die guten Dinge fixieren und von ihnen abhängig sein. Nicht von den schlechten Dingen herunterziehen und alles Gute überdecken lassen. Nicht zu überschwänglich sein, aber auch nicht komplett verzweifeln. Alles hat seinen Grund. Alles findet seinen Weg. Alles geht vorbei.

Ich habe Stolz empfunden. Das ist ein noch selteneres Vorkommen als Geduld in Verbindung mit meiner Person. Aber jede Einheit, die ich regungslos auf meinen vier Buchstaben ausgeharrt habe, jede Stunde, die ich gemeistert habe, jeder Tag den ich überstanden habe – ich fand, dass ich das ziemlich gut mache.

Ich habe das Gefühl mein Geist hat sich ausgesponnen. Seitdem ich mich in so viele Themen so arg reingesteigert habe und zu Hause bemerkt habe, dass es maximal halb so schlimm ist, habe ich das Gefühl mein Geist ist etwas ruhiger geworden. Nicht ständig quälen mich irgendwelche Gedanken und Sorgen. Nach und nach fällt mir erst auf, dass ich entspannter geworden bin (oder liegt es am weißen Sand und türkisen Meer in Sansibar, auf das ich gerade blicke???).

Ich habe gelernt ohne mein Handy leben zu können. Nach diesen zehn Tagen hatte ich sogar eine Zeit lang gar keine Lust es zu benutzen, geschweige denn Stories auf Instagram zu machen. Ich bin auch viel allergischer, wenn jemand anderer ständig am Handy ist.

Ich habe gelernt einfach mal die Klappe zu halten. Ich rede gerne. Sehr gerne. Und viel (besonders, wenn der Stefan schlafen will und ich noch putzmunter bin =P). Man muss aber nicht dauernd quatschen. Und viele Dinge, die wir sagen sagen wir nur damit wir etwas sagen. Die Hälfte maximal davon reicht meistens…

Zugegebenermaßen – das alles klappt mal besser und mal schlechter. Nach 10 Tagen kann man nicht erwarten als komplett veränderter Mensch aus so einem Kurs zu gehen (auch wenn man das zu Beginn tatsächlich ein wenig glauben mag). Aber auch das habe ich gelernt: Zur Zeit klappt es von 10 Mal nur 2 Mal. Wenn ich weiter daran arbeite schon bald 3 Mal, dann 4 Mal usw. Arbeit. Geduld. Gleichmütigkeit.

Alleine für diese Learnings haben sich die zehn Tage mehr als ausgezahlt.


Hier geht’s zu den anderen Teilen der Serie:
#61 – 10 Tage Vipassana: Handyfasten, Schweigen und zehn Stunden täglich meditieren / Tag 0
#62 – 10 Tage Vipassana / Handyfasten, Schweigen und zehn Stunden täglich meditieren / Tag 1
#63 – 10 Tage Vipassana / Handyfasten, Schweigen und zehn Stunden täglich meditieren / Tag 2-9

#63 – 10 Tage Vipassana / Handyfasten, Schweigen und zehn Stunden täglich meditieren / Tag 2-9

Da ich ja kein Tagebuch führen darf, kann ich heute nur noch schwer nachvollziehen was genau ich an jedem einzelnen Tag gedacht und gefühlt habe. Aber eines vergesse ich nicht: Die Tage sind lang. Die Verzweiflung ist groß. Und die Überlegungen das ganze einfach sein zu lassen durchaus sehr präsent. Das Handyfasten und Schweigen stellen sich dabei als quasi nichtige Probleme heraus.

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#62 – 10 Tage Vipassana / Handyfasten, Schweigen und zehn Stunden täglich meditieren / Tag 1

Um 04:00 Uhr läuten mein Wecker und der offizielle Gong. Um 04:30 Uhr soll ich in der Meditationshalle sitzen und meditieren. Draußen ist es – mit Verlaub – arschkalt. Aus irgendeiner Intuition habe ich in Wien bei 30 Grad Wollsocken und eine Wollweste eingepackt. In diese eingemummelt, auf meinem eigenen Meditationskissen, weiteren Pölstern und einer Decke vom Zentrum sitze ich jetzt also in dieser großen Halle mit 129 anderen Menschen und versuche mit auf meine Atmung zu konzentrieren. Zwei Stunden können wirklich lange sein sag ich euch. Und das sind erst die ersten zwei. Von mindestens zehn heute.

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#61 – 10 Tage Vipassana: Handyfasten, Schweigen und zehn Stunden täglich meditieren / Tag 0

Gleich nach dem Ankommen und Registrieren muss ich mein Handy abgeben. Für die kommenden 10 Tage ist keinerlei Kommunikation erlaubt. Nicht nur nach außen. Auch zwischen den Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern. Nicht nur verbal. Auch Augenkontakt und jegliche andere Form der Kommunikation sollen vermieden werden. Es sind keine Bücher, Schreibutensilien und elektronischen Geräte erlaubt. Man kann nicht Fernsehen, nicht Musik hören, nichts aufschreiben. Man darf keinen Sport machen, nicht laufen, kein Yoga. Zwischen 04:30 Uhr und 21:00 Uhr wird täglich mindestens 10 Stunden meditiert. Ob ich dabei verrückt geworden bin? Beinahe…

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#21 – Karin und ihre Komfortzonen – Kundalini Yoga in Nepal (Gastbeitrag Karin)

Hallo ihr Lieben,

Ich darf diesen Blog erneut dazu nutzen um mir etwas von der Seele zu schreiben. Bereits in meinem ersten Gastbeitrag ging es ja um das Thema Komfortzonen bzw. die Überschreitung der selbigen (Nasenspülung – für den unwahrscheinlichen Fall, dass es jemand vergessen haben sollte…). Und bei näherer Betrachtung dreht sich auch mein zweiter Beitrag (Thema: Gruppenreise von Delhi nach Kathmandu) darum. Nämlich, sich unbekannten Situationen stellen und Erkenntnisse gewinnen. Und so finde ich mich auch heute (14.03.2019) in einer Situation wieder, in der ich meine persönliche Komfortzonen verlassen durfte – ja ich sagte durfte. Denn, so sehe ich das mittlerweile tatsächlich.

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#12 – My first yoga teaching practice

„Ich hoffe das ist wie Autofahren. Da glaubt man auch zu Beginn, dass man sich nie im Leben auf so viele Dinge zugleich konzentrieren kann. Und irgendwann läuft’s einfach…“

So oder so ähnlich meine Gedanken seit Beginn der Ausbildung zur Vorstellung einmal Yoga zu unterrichten.

… Und langsam aber sicher habe ich das Gefühl es ist tatsächlich so.

Konnte ich mir letzte Woche noch nicht vorstellen auch nur einen einzigen Namen einer Yoga-Pose in Sanskrit zu kennen, habe ich gestern doch tatsächlich meine erste 20-minütige Yogaeinheit mit drei Schülerinnen abgehalten. Tschakka!

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#11 – YTTC – Week 01 completed

Heute ist schon Dienstag der zweiten Woche der Yogalehrerausbildung (YTTC = Yogateacher Training Course) in Goa. Die Zeit verfliegt sag ich euch. … Allerdings auch nur jene, die ich nicht habe um meine Gedanken niederzuschreiben. Wenn ich in einer Yogaklasse in der Fisch-Pose (fragt nicht weiter…) auf meiner Matte liege und zugleich versuche zu atmen und zu entspannen („Breathe in. Breath out. Relaaaaax!“) scheinen fünf Atemzüge schier unendlich zu sein.

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#09 – Yoga Teacher Training beyond the scenes (Gastbeitrag Karin)

Mir wurde die große Ehre zuteil einen Gastbeitrag in diesem Blog verfassen zu dürfen. Ich habe mich dazu entschlossen euch einen kleinen Einblick in die Welt eines „Yoga-Lehrlings“ zu geben – abseits der graziösen Posen und fancy Outfits.

Entscheidet man sich dafür eine Yoga Trainer Ausbildung in Indien zu absolvieren, so ist man sich durchaus der Tatsache bewusst, dass man hier weitaus tiefer in diese Welt eintauchen wird, als dies in unserer Heimat (ja, ich bin auch aus Österreich) je möglich wäre.

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#08 – Yoga Nidra: Schlafen bei vollem Bewusstsein… oder für’s Erste: totale Entspannung

Gleich vorweg: Ihr findet in diesem Artikel keine empirisch fundierten Informationen zu Yoga Nidra, ich gebe lediglich weiter, was ich vor ein paar Stunden gelernt und mir gemerkt habe. Ich möchte euch damit einen Eindruck geben was ich hier alles so erlebe und wie vielseitig Yoga eigentlich ist. Wenn jemand aber näher interessiert ist – ich bekomme noch einen Buchtipp von meiner Yogalehrerin, den ich gerne weitergebe. 🙂

Heute stand also zum ersten Mal „Yoga Nidra“ auf dem Stundenplan. Damit wir in etwa wissen was auf uns zukommt, befragen wir an unserem freien Tag noch Dr. Google. Es scheint sich um eine Entspannungstechnik zu handeln – wir sind gespannt.

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