Adventkalender 2019 / Türchen Nr. 8… oder auch: Die Gedanken einer Mutter (Gastbeitrag Ingrid)

Ich habe Anjas Blog natürlich fleißig gelesen, mich schon auf den Nächsten gefreut und habe so wie ihr wahrscheinlich auch, ihre Reise gespannt mitverfolgt und begleitet. Nie dachte ich daran einen Gastbeitrag zu schreiben, bis Anja mich, nachdem sie meine Rehabberichte gelesen hat, gefragt hat, ob ich nicht auch einmal etwas zu ihrem Blog beitragen will. Sofort sind mir ein paar Themen eingefallen wie die Gefühle einer Mutter, die sich freut, dass ihr Kind das machen kann, was es sich wünscht, Sorgen die auftauchen, abgelöst von Stolz, wie sie alles plant und bewältigt, mein eigenes Fernweh, dass genährt wird und die Meinung anderer, die mich oft durcheinander bringen.

Zurück zum Start

Als Anja das Sabbaticaljahr bewilligt bekommen hat, habe ich mich riesig gefreut. Nach diesen harten 5 Jahren mit Arbeit, Studium und kaum Privatleben hat sie sich diese Auszeit mehr als verdient. Die Familie war stolz auf ihren Abschluss und gespannt, wie es weiter geht. Der Plan nach Afrika zu gehen war ja so gut wie fix. Ich war begeistert, weil ich das Land kurz bei einer Keniareise mit einer Safari kennengelernt habe und die Weite und Stimmung bis heute nicht vergessen habe. Eifrig habe ich schon vor Anja begonnen, über Volunteeringplätze zu recherchieren. Sorry Anja hier an dieser Stelle. Aber du weißt ja, Pensionisten haben oft übrige Zeit. Außerdem wollte ich ja ein wenig Einfluss darauf nehmen (mehr oder weniger heimlich), damit die ins Auge gefassten Länder auch nicht zu unsicher sind. Bei meiner Recherche habe ich im Angebot auch Volunteeringplätze für 50+ gefunden. Ohhhhh… ganz neue Perspektiven für mich. Anjas Planung ging nur sehr langsam voran (mein Gefühl oder Wirklichkeit? ) und die vielen Fragen: „Wohin fährt denn die Anja“ „Wann geht’s los“ „Wie lange bleibt sie weg“ musste ich immer mit „Ich weiß nicht“ beantworten.

Jetzt ist es raus

In der Zwischenzeit hat sich nach längerem Singeldasein eine Beziehung mit Stefan entwickelt. Ich erwähne es deshalb hier, weil diese Verbindung mir die Angst genommen hat, dass mein Kind in Afrika bleibt, was ich ihr leicht zugetraut hätte. (Danke Stefan!) Begeistert von dem Land, den Menschen, aber vor allen den Kindern und ihrer Tätigkeit dort. —- Nun hat das Geheimnis meiner Seele den Weg nach draußen gefunden.

Test für eine Mutter

Dann kam Indien als weiteres Wunschziel auf, was mich zuerst sehr erschreckt hat. Gerade hatte ich in der Zeitung einen Artikel über die erste Massenvergewaltigung und Tötung einer jungen Touristin gelesen. Wer schon Kinder von euch hat, kann mich vielleicht verstehen. Wie wird sie sich schützen können? Und wie kann ich sie über 7000 km Entfernung beschützen, was ein Urtrieb einer Mutter ist. Aber mit den Tagen und Wochen habe ich mich auch mit diesem Land angefreundet und Anja eine große Portion Vertrauensvorschuss  gegeben, dass sie die Reise vernünftig plant und startet. Zu guter Letzt hat sie dann noch die Reihenfolge der zu bereisenden Länder umgedreht. Indien voran…. Hurra, ein Test für mich.

Stark wie eine Eiche

Reisevorbereitungen, Listen, …. Das wisst ihr ja schon aus ihrem Blog. Nur über die Wahl des Rucksackes will ich hier schreiben. „Mama begleitest du mich?“ Klar, mach ich gerne. Ich liebe es mit meiner Tochter einkaufen zu gehen. Wir starten im Treksport Outdoor Shop in der Stumpergasse und kaufen letztendlich bei Steppenwolf. Dazwischen liegen einige Stunden und oftmaliges Probieren der verschiedenen Modelle. Er soll ja gut sitzen und nicht drücken, wenn er voll bepackt ist. Und wie groß soll er eigentlich sein? In einem Geschäft wird dies mit Sandsäcken simuliert, im anderen durch Füllen des Rucksackes mit alter Kleidung. Irgendwie warte ich auf die Szene wie im Film mit Julia Roberts, als das Gewicht des vollbepackten Stückes sie nach hinten umreißt. Aber NEIN meine Anja ist stark wie eine Eiche. (War das nicht der Spitzname von Arnold Schwarzenegger? „Die steirische Eiche“) Zweite nicht unwesentliche Frage ist die der Farbe. Naja, das muss man einer Frau zugestehen. Ein Jahr mit einem „Riesenwimmerl“ am Rücken und die Farbe ist grässlich? Das geht gar nicht. Sie wird fündig in lila, oder ist es dunkelpink ? Und der Rucksack passt zu den Schuhen, hihihihi, UND zu dem kleinen Rucksack, den die Wiener Eiche auf der Brust vor sich hertragen wird. Als ich aber in unserem Gästezimmer all die Dinge sehe, die da hinein sollen, bin ich ratlos. Trotzdem: in Teamarbeit schaffen wir es.

Abschied nehmen

Schöne Stunden vor der Abreise waren das Abschiedsfest. Ich habe mich so gefreut, dass trotz der Kälte so viele Freunde und Kollegen gekommen sind. Ich war glücklich und stolz und gar nicht mehr ängstlich und fast gar nicht traurig. Ich habe diese Chance für sie gesehen und habe ihr zu ihren Wurzeln Flügel gegeben.

Der Abschied am Flughafen war natürlich emotional und hat mich an den Abschied von Anjas Bruder Matthias erinnert, als er mit 17 Jahren 3 Monate als Animateur nach Griechenland ging.

Nachdem Anja aber gemeldet hat, sie ist gut in ihrem Hotel in Delhi angekommen, war ich entspannt. Die heutigen Kommunikationsmittel sind für so einen Fall ein Segen. Die ständige Verbindung verringert die Entfernung um ein Vielfaches. 

Sorgenfrei?

Viele haben gefragt, ob ich mir keine Sorgen mache. „Nein“…. Und schon hat sich ein wenig das schlechte Gewissen gemeldet. Aber ich weiß, dass Anja stark ist und in diesem Jahr an Selbstvertrauen und Stärke dazugewonnen hat. Passieren kann auch in den Straßen von Wien etwas. Nur ein einziges Mal hatte ich eine unruhige Nacht, als sie in Sansibar vom Strand mit dem Taxi nach Stonetown gefahren ist und ich nicht gewusst habe, ob sie angekommen ist.

(Bald) Wieder vereint

Auf die Frage: „Jetzt bist aber froh, wenn sie endlich heim kommt“ muss ich schon sagen „Ja, natürlich freu ich mich, wenn die Tochter heim kommt.“ Aber ich hätte ihr auch genauso gegönnt, noch ein paar Monte wegzubleiben. Es ist ihr Leben und ihre Erfahrungen, die ihr niemand mehr nehmen kann.

Hier muss ich auch Stefan nochmals erwähnen und Danke sagen, dass du diese Zeit der Trennung mit Anja so gut gemeistert hast. Ich weiß sehr wohl, dass das nicht selbstverständlich ist.

Da ich nach einem Sturz im Oktober ein neues Hüftgelenk bekommen habe und am 10.11. auf Rehabilitation gefahren bin, haben wir uns nur ein paar Stunden nach der Ankunft am Flughafen gesehen. Daher freue ich mich jetzt umso mehr über gemeinsame Zeit, Erzählungen und Gedankenaustausch.

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