Adventkalender 2019 / Türchen Nr. 1… oder auch: „Je genauer wir planen desto härter trifft uns der Zufall.“

Für das erste Türchen des Adventkalenders und zugleich den ersten Advent habe ich mich für ein kurzes aber aussagekräftiges Zitat entschieden. Kaum das Word-Dokument geöffnet und begonnen zu tippen denk ich: „Mah… Ist das nicht zu negativ, zu ernst für den ersten Advent? Sollte da nicht etwas her mit mehr Liebe, Kerzerl und Organgenduft?“ Kurz hin und her überlegt und befunden: Nein das passt ja gerade ziemlich gut. … Wenn man es etwas umformuliert.

Aber erstmal zur wichtigen Hintergrundinfo und für alle, die es noch nicht wissen: I am back. … Und das – oh Wunder – natürlich nicht geplant.

Der Plan

Nach den zwei Wochen Garden Route in Südafrika mit Stefan (I know… Ich bin euch echt viele Artikel schuldig – ist in Arbeit!) mache ich mich auf den Weg zurück nach Plettenberg Bay. Dort warten vier Wochen Volunteering in einem Gästehaus mit Pferden auf mich. Plan (das Schicksal lacht immer noch) ist es, dort die Pferde für die Ausritte fertig zu machen und die Gäste auf denselbigen zu begleiten. Ich kann es kaum erwarten. Dass ich das letzte Mal geritten bin ist lange her. Aber in der Nähe von Pferden fühle ich mich immer so geerdet und oft in den letzten Jahren habe ich darüber nachgedacht wieder anzufangen. Das Gästehaus haben wir bereits auf unserem Stop in Plettenberg Bay besucht und ich weiß, dass die Besitzer, Bettina und Michiel, unglaublich herzlich sind. Die Anlage ist ein Traum. Die Pferde sind riesig und wunderschön. Was soll da noch schief gehen?

Zack! Kaputt…

Am 1. November werde ich am frühen Abend vom Bus geholt und wir haben ein gemütliches Abendessen zusammen. Am ersten Morgen helfe ich die Pferde auf eine Weide zum Grasen zu bringen. Danach habe ich erstmal frei und sitze mit dem Laptop im Bett. Es klopft an der Tür. Ich merke mein linker Fuß ist eingeschlafen. Trotzdem springe ich auf. Ich versuche aufzusteigen. Und zack! Knicke nach außen um. Ich höre ein Knacksen. Mir schießt der Schmerz quer durch den Körper geradewegs in mein Hirn. Gefühlt stehen mir alle Haare zu Berge. Fast geht mir sprichwörtlich „ein Achterl ab“. Mit einem gequälten Lächeln öffne ich die Tür. Bis heute weiß ich nicht was die Person wollte und was sie genau gesagt hat. Die Schmerzen lassen nicht nach und ich kann mich nicht konzentrieren. Als sie das Zimmer wieder verlässt fallen mir mit einem Blick auf meinen Fuß fast die Augen aus dem Kopf. Da ist ein Dippel. Fünf Minuten später schwillt er an. Auftreten? Negativ. In meiner Panik rufe ich meine private Physiotherapeutin alias Mama an. Erstmal Eis draufgeben und hochlagern.

Ende Gelände?

Am nächsten Tag – geritten bin ich inzwischen nanonaned nicht – sieht’s leider nicht besser aus. Inzwischen sind blaue Verfärbungen dazugekommen. Auftreten? Immer noch negativ. Und weil ich bei allen anderen immer so klug daherrede und sie ins Krankenhaus schicke („Wenn nichts ist, weißt du das wenigstens sicher…“) mache auch ich mich auf den Weg.

Dem Himmel sei Dank, dass ich in Südafrika bin. Ich lande in einer hübschen Privatklinik mit – etwas langsamem aber – sehr nettem Personal. Nach langer Warterei und einem Röntgen ist fix: Auf ein Pferd steige ich die nächste Zeit nicht. Der Mittelfuß ist gebrochen. Na zack.

Mit drei neuen Begleitern – einem Moonboot und zwei Krücken – ausgestattet trete ich den Rückweg an. Zugegeben: Als ich aus dem Krankenhaus an die frische Luft trete und meine Mama am Rohr habe breche ich in Tränen aus. Ist meine Reise jetzt vorbei?

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nach dem kurzen Gefühlsausbruch habe ich meine Nerven aber schnell wieder beisammen und bin gefasst. Optimistisch wie ich bin, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass der Bruch in ein paar Tagen geheilt ist. Jetzt gerade – 4 Wochen später zurück zu Hause und immer noch die Begleiter an der Backe – als ich diese Zeilen schreibe bleibt mir lediglich den Kopf zu schütteln…

Aber zurück zum 2. November. Eben diese folgenden Tage nach dem Krankenhaus verbringe ich mit hochgelagertem Bein im Bett. In der Früh humple ich zum Frühstück, sehe den Pferden danach beim Grasen zu und humple wieder zurück ins Zimmer. Am 5. Tag wird mir klar: „Des wird nix mehr…“ Ich möchte auch Bettina und Michiel nicht auf der Tasche liegen und mich hier durchfüttern lassen und entscheide mich meine Reiseversicherung zu kontaktieren und mich langsam auf den Heimweg zu begeben (zur Organisation und der Heimreise gerne ein eigener Beitrag…).

It is like it is

Zwei Tage später lande ich im 15 Grad kälteren Wien und bin – vier Wochen früher als geplant – wieder in der Heimat. Nicht überraschend werde ich vorsichtig gefragt: „Na und? Wie geht’s dir jetzt damit? Dass du früher wieder da bist? Und dass deine Reise einen Monat früher geendet hat?“

… Und siehe da! Die Anja, die bei der kleinsten Planänderung hyperventiliert, ist total entspannt. Denn: Es geht mir hervorragend damit. Das heißt… Ich bin weder traurig noch glücklich, dass die Reise vorbei ist. Ich bin nicht wütend, dass es so gelaufen ist. Ich trauere nicht Südafrika nach und auch nicht den Pferden oder der Reiterei. Es ist nunmal wie es ist.

Think positive

So… Und damit sich der Kreis schließt und wir das oben genannte Zitat noch ins positive verkehren: Ich habe den November in gewisser Weise geplant. Und zugleich nicht das Gefühl der Zufall hätte mich „hart getroffen“. Wenn ich eines in diesem Jahr gelernt habe, dann das Leben zu nehmen wie es kommt. Herausforderungen anzunehmen ohne die Panik zu bekommen. Ungeplantes zu akzeptieren ohne dem Geplanten nachzutrauern. Nicht allem, das auf den ersten Blick unangenehm scheint den „Scheiße! Orsch! Was mach ich denn jetzt? Was soll das?-Stempel“ zu verpassen.

Ich habe KEINE Ahnung wie das diesmal wieder so geklappt hat einfach entspannt zu sein, aber auch das hinterfrage ich nicht. Kann mir ja wohl nichts Besseres passieren… Inzwischen bin ich zu Stefan gezogen (er ist so hart im Nehmen und ich kann mir gerade keinen liebevolleren Mann an meiner Seite vorstellen – auch wenn ihm der eine oder andere Spaß auf Kosten meines Fußes entfleucht). Ich konnte meine Nichte bei ihrem Turnwettkampf sehen (Zucker!!!). Konnte viel Zeit mit meinem Papa verbringen (er ist derzeit mein privater Uber-Fahrer und ich bin ihm so unendlich dankbar!!!). Und meine Mama vor der Reha noch sehen (sie hat sich den Oberschenkelhals gebrochen… 2019 ist nicht unser Jahr…). Konnte an einem Raumbeduftungs-Vortrag mit meiner zukünftigen Schwiegermutter und unserer Vereins-Weihnachtsfeier der dirtrun.company teilnehmen. Und noch so viele Dinge mehr. Und da soll noch einer sagen ich würde etwas verpassen.

Ich bin mal gespannt wie oft oder lange es mir gelingt dieses „Annehmen wie es kommt“. Aber hey… Ich finde die letzten Proben (wenn man die Schulen in Tansania dazuzählt) habe ich mit Bravour bestanden und wenn es jetzt einmal von zehn ist, ist es in der nächsten Runde vielleicht schon zwei Mal von zehn.

Eine neue Endung

Also nur weil wir etwas planen, heißt es nicht, dass uns der Zufall „hart treffen“ muss. Etwas Ungeplantes ist nicht gleich hart, negativ oder schlecht. Es kann uns natürlich verwirren, durchwirbeln … und auch hart treffen. Muss es aber nicht. Es kann auch eine Chance sein andere Dinge als die Geplanten zu erleben. Vielleicht sogar einer noch größeren unangenehmeren Ungeplantheit zu entkommen. Alles kommt wie es kommen soll. Und alles ist gut wie es ist. Klingt abgedroschen. Ist aber – und da bin ich mir nach dem Jahr schlussendlich sicher – wahr (Ausnahmen bestätigen die Regel…). Ich finde daher besser passen die folgenden Endungen: 

Je genauer wir planen…
… desto größer die Chance, dass es anders kommt.
… desto anders kann’s kommen.
… desto spannender wird’s.
… desto mehr werden wir vom Leben überrascht.
… desto größer die Überraschung.

Was gefällt euch am besten? Oder habt ihr vielleicht noch weitere Vorschläge? Wie gelingt es euch Planänderungen anzunehmen? Und könnt ihr euch vorstellen beim nächsten Mal einfach mal entspannt zu bleiben und das Treiben des Lebens zu beobachten?

In diesem Sinne wünsche ich euch einen gemütlichen ersten Advent, eine entspannte Vorweihnachtszeit und dass ihr Planänderungen zunehmend als „spannende Überraschungen“ anstatt „harter Treffer“ erleben dürft.

5 Kommentare zu „Adventkalender 2019 / Türchen Nr. 1… oder auch: „Je genauer wir planen desto härter trifft uns der Zufall.“

  1. -desto wahnsinniger werd ich wenn es nicht klappt. Und umso schöner kann es dann werden wenn ich mich drauf einlasse:):):)
    toll das du hier bist und wir manches gemeinsam machen können:):) ich sag nur räuchern:)
    ich wünsche dir ein entspanntes WE
    Erika

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