#87 – Egalitarian School – Von Bleistiften, Linealen, Radiergummis und leuchtenden Kinderaugen

Am 16. Oktober ist es soweit: Mein letzter Tag in der Egalitarian School und zugleich mein letzter Tag in Tansania ist angebrochen. Mit einem schweren Sack mache ich mich ein letztes Mal auf den Fußweg in die Schule. Ich bin aufgeregt! Heute werde ich den Kindern ihre kleinen Geschenke übergeben. Ich bin gespannt wie sie reagieren. … Da weiß ich noch nicht, dass ich es nur einem Teil übergeben werde. Aber diese Augen strahlen dafür umso heller.

In meiner Woche in der Klasse bei den 6-8-Jährigen fällt mir auf, dass zusammengerechnet Stunden draufgehen müssen, weil die Kinder ihre Schulkollegen alle paar Sekunden nach Linealen, Spitzern und Radiergummis fragen (ihr erinnert euch: Ruuuuubbeeeeer!“). Nur ein paar wenige Kinder besitzen alles davon. Daher beschließe ich: Zu meinem Abschied besorge ich für jedes Kind in der Schule ein Schreibset.

Als ich Dani, einer lieben Freundin daheim, davon per Sprachnachricht erzähle, ist sie sofort mit von der Partie: „So eine tolle Idee! Ich möchte mich beteiligen!“ Ich wäre nie auf die Idee gekommen jemanden um Beteiligung zu bitten – umso mehr freue ich mich über ihre Idee und mache mich auf Shoppingtour. In der Stadt besorge ich – mit Hilfe einer total lieben Einheimischen, die mich auf Kariakoo Market zwischen hunderten Menschen aufsammelt – alles um nur EUR 55 für 110 Kinder. Da gehen sich sogar noch drei Bälle für den Schulhof aus. Ich kann gar nicht erwarten es zu übergeben! Auch für die Lehrerinnen und Lehrer habe ich etwas vorbereitet.

Kein Schulgeld, kein Unterricht

Am Morgen des 16. Oktober bei Essembly bricht meine Idee allerdings kurzfristig in sich zusammen. Der Cashier der Schule kommt vorbei und ruft alle Kinder auf, deren Eltern nach mehrmaliger Aufforderung noch immer kein Schulgeld bezahlt haben. Und schickt sie nach Hause. Das sind sicher 75% aller Kinder. In meiner Klasse sitzen wir also für diesen Tag erstmal vier Schülerinnen und Schüler. Oha!

Nach ein paar Stunden kommen vier weitere zurück – ihre Eltern haben inzwischen bezahlt. Auch in den anderen Klassen füllen sich die Stühle wieder langsam, aber ein großer Teil der Kinder bleibt trotzdem heute weg.

Erst bin ich echt traurig, dass ich nicht allen Kindern ihre Geschenke geben und mich von ihnen verabschieden kann. Als ich dann aber in Klasse für Klasse gehe und die strahlenden Augen sehe ist das vergessen. Für die fehlenden Kinder hinterlege ich das Set bei den Lehrerinnen und Lehrern.

Die kleinen Dinge im Leben

Ich kann nicht fassen wie die Kinder aus dem Häuschen sind, jetzt ihre eigenen Schreibsachen zu haben und nicht ständig ihre Schulkollegen danach fragen zu müssen. Sie bedanken sich hunderte Male, halten alles ganz fest in der Hand und strahlen übers ganze Gesicht. Für Dani nehmen wir auch alle zusammen ein (leider unscharfes) Foto und Video auf, in dem sie sich bedanken. Dani ist gerührt.

Dieses Erlebnis bleibt mir bis jetzt stark im Gedächtnis. In Europa gehen die Kinder unter in Spiel- und Schreibsachen. Können nicht genug bekommen. Beschweren sich, wenn sie nicht alles vom Christkind bekommen, das auf ihrer Wunschliste stand. Ehrliche Dankbarkeit für und Realisieren dessen was man hat bleibt hier oftmals auf der Strecke.

… Und dann hier in einem kleinen Dorf in Tansania diese Freude über – für in unserem Alltag – so banale Dinge wie einem kleinen Stück Radiergummi, eigenen Spitzer, Lineal und Reservebleistift. Das kann schonmal zum Denken anregen.

2 Kommentare zu „#87 – Egalitarian School – Von Bleistiften, Linealen, Radiergummis und leuchtenden Kinderaugen

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