#83 – Egalitarian School – Eine tansanische Schule mal anders

Nach der weniger erfolgreichen Woche bei Samaritan Volunteers entscheide ich mich also noch einmal die Schule zu wechseln und lande bei Peter und Astrida in einem kleinen Dorf irgendwo im Nirgendwo, ca. 45 Minuten vom Flughafen Dar es Salaam entfernt. … Und finde dort ein herzliches Paar, einen Ort, an dem ich mich sofort Zuhause fühle und eine echt toll organisierte Schule. Siehe da!

Am Samstag, 05. Oktober 2019, erreiche ich nach einer knapp zweistündigen Uber-Fahrt durch den Stehverkehr in Dar es Salaam Viwege. Ein tansanisches Dorf, weit weg von geteerten Hauptstraßen und Stadtzentren. So mag ich das! Je uriger desto besser.

Ein neues Zuhause

Ein Mann holt mich vom Markt ab – es ist nicht Peter. Den treffe ich erst in meinem neuen Zuhause. Peter ist der Gründer und Eigentümer der Eglitarian School. Mit seiner Frau Astrida – alle nennen sie „Mama“ – besitzt er ein großes Grundstück mit unzähligen Kokos- und Guavebäumen, zwei Kühen, Enten und Hühnern. Inmitten dieser steht ein Haus mit kleinem Innenhof, Gästezimmern, einfachem Bad, Küche und sogar einem Wohnzimmer mit Couch. Es erinnert mich sofort an einen Mini-Bauernhof, ist super heimelig und gemütlich. Das ist also mein neues Zuhause für die nächsten 17 Tage. Sollte nicht wieder etwas dazwischen kommen…

Peter konnte mich nicht selbst abholen, da er erst im August einen Schlaganfall hatte und körperlich noch etwas beeinträchtigt ist. „Ich übe aber richtig viel und habe schon große Fortschritte gemacht! Im August konnte ich noch gar nicht gehen, das geht schon wieder ganz gut.“, berichtet er mir gleich total motiviert und stolz.

Ich darf gleich mein Zimmer beziehen und nachdem ich mein Gepäck abgestellt habe beschleicht mich ein wirklich gutes Bauchgefühl. Woher auch immer es kommt – es scheint ein toller Abschluss meiner Zeit in Tansania zu werden…

Besuch in der Highmount School

Zurück im Wohnzimmer wird mir angeboten mit in die Stadt zu fahren. Es findet gerade eine Sportveranstaltung verschiedener Schulen in Dar es Salaam statt und ich könnte zuschauen. Da ich mir ja weiterhin nichts entgehen lassen will, bin ich natürlich dabei. Mit dem Bus geht es ca. 1,5 Stunden ins Stadtzentrum. Das Basketball-Spiel ist zwar schon so gut wie vorbei, aber ich darf noch miterleben wie unser Team das Match gewinnt. Alle sind happy!

Danach geht es mit einem großen Schulbus und der Basketballmannschaft zurück zur Schule, die ich mir noch ansehen darf. Sie ist riesig! Es gibt einen Sportplatz, ein Schwimmbad und sogar Zimmer für die Kinder, die eine Internatlösung wählen. Die Mädels sind zwar schüchtern, aber nach einiger Zeit plaudern wir ein bisschen und ein Foto gab’s sogar auch noch. 😉

Den Sonntag verbringe ich gemütlich auf Couch und Bett, mache eine kurze Runde durch’s Dorf und freue mich auf Montag. Ich werde in der Babyclass bei den Kleinsten unterstützen. Das beruhigt mich ungemein, da ich ja keine Erfahrung habe zu unterrichten – Buchstaben, Zahlen und Formen bekomme ich aber bestimmt hin. 😉 Ich erinnere mich an die süßen Zwerge im Kindergarten of Joy und dass ich ja einen sehr guten Draht zu ihnen hatte. Da bedenke ich noch nicht, dass das ja nicht heißt, dass das in jeder anderen Schule auch so ist… Dazu aber später.

Willkommen in der Egalitarian School

Am Montag werde ich also vom Headteacher, Mr. Chacha, abgeholt und zu Fuß zur Schule begleitet. Ich frage mich wie ich mir JEMALS diesen 12-minütigen Weg über Sandstraßen merken soll. Mein Orientierungssinn hat sich spätestens an der fünften Ecke des schon wieder gleich aussehenden Hauses, vorbei am zehnten Huhn, der sechsten Ziege und der dreissigsten Palme ausgeschalten. Naja… Zumindest der Sonne entgehen! 🙂

In der Schule angekommen bin ich gleich mal überrascht: Im Gegensatz zu den letzten beiden Schulen ist das nicht nur eine „Nursery School“ (also für die Kleinsten), sondern auch eine Primary School. Es gibt derzeit acht Klassen. Drei Nursery (Baby-, Middle- , Topclass) und fünf Primary. Diese werden von 10 Lehrerinnen und Lehrern abgedeckt. Die Kinder sind zwischen vier und zwölf Jahren alt. Noch mehr überrascht mich die sehr offensichtlich umfangreiche Organisation und Struktur. Es gibt ein Buch in dem sich die Lehrer ein- und austragen. Es gibt Stundenpläne. Die Kinder haben Diaries, in denen alle Fächer mit behandelten Themen des Tages aufgeführt werden und das die Eltern täglich unterschreiben müssen. Und beim morgendlichen Essembly staune ich auch nicht schlecht: Die Kinder müssen zu einer kurzen Rede antreten: „Good morning my fellow people.“ – Alle antworten: „Good Morning! How are you?“ – „I’m fine. My morningspeech of today is about…“ Manche halten sich sehr kurz. Aber immerhin! Es soll gelernt werden die Scheu vor dem öffentlichen Reden zu verlieren. Eine tansanische Schule mal anders als jene, die ich bisher kennengelernt habe. Während die Kinder nach den Morgenreden singen, bin ich schon gespannt wie es anschließend in der Babyclass wird…

2 Kommentare zu „#83 – Egalitarian School – Eine tansanische Schule mal anders

  1. Schön das du auch gesehen hast wie organisiert Schulen in Tansania sein können:) Bin schon neugierig auf deinen nächsten Bericht:)

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