#80 – Kindergarten of Joy – Mein Fazit

Ein Fazit über die Zeit im Kindergarden of Joy zu schreiben ist gar nicht so einfach. Meine Eindrücke sind irgendwie ziemlich divers…

Management Summary 😉

Zusammengefasst habe ich mich trotz des sehr einfachen Lebens im Kindergarten extrem wohl und sofort zu Hause gefühlt. Oder gerade deshalb…?! Einen großen Beitrag haben jedenfalls ganz sicher auch Esther, die dankbaren Kinder und die anderen Volunteers geleistet.

Schwierig war, dass ich keine konkreten Aufgaben hatte und mich manchmal nicht wirklich gebraucht gefühlt habe. Ein sehr fahler Beigeschmack ist entstanden durch die Unzuverlässigkeit von Albert (die lt. ihm auf die „afrikanische Zeit“ zurückzuführen ist) und den Eindruck, dass nicht unsere Man- & Womanpower gebraucht wird, sondern lediglich unser Geld.

Aber eins nach dem anderen…

Good to know…

Wer in den Kindergarden of Joy reist, sollte sich einiger Dinge bewusst sein – vor allem all jene, die noch nie in Ostafrika oder einem ähnlichen Teil der Welt unterwegs waren:

-) Schlafmöglichkeiten gibt es verschiedene. Je nachdem wieviele Volunteers gerade da sind schläft man direkt im Kindergarten, in einem anderen Kindergarten oder bei Lehrerinnen/Lehrern zu Hause. Da ich im Kindergarten geschlafen habe, richten sich meine Eindrücke danach.

Ab Dezember werden die Volunteers meines Wissens aber auf dem Gelände der neuen Schule schlafen. Dort wird gerade gebaut!

-) Man schläft auf einer Art Palette am Boden mit dünner sehr mitgenommener Matratze.

-) Der Boden ist nicht gefliest o.Ä. und daher schmutzig/sandig/staubig. Es bleibt also nichts sauber.

-) Es gibt kein fließendes Wasser im Haus. Wenn man Glück hat, funktioniert der Brunnen im Hof. Andernfalls muss täglich für 10 Kübel Wasser á 20 Liter zum Nachbarn gegangen werden.

-) Geduscht wird über dem WC (Abfluss ist verstopft) aus dem Kübel. Wasser kann gewärmt werden.

-) In der Nacht ist es ziemlich kalt (ca. 10 Grad) und durch die nicht verschließbaren Fenster zieht es manchmal. Also ausreichend warmes Gewand und einen Schlafsack mitbringen!

-) Die Kosten für die Lebensmittel haben hauptsächlich wir Volunteers übernommen. Denn wir haben Dinge auf unseren Wunsch gekocht und waren daher einkaufen.

-) Wenn man sich besondere Lebensmittel kauft (z.B. Erdnussbutter, Früchte etc.) und man sie nicht teilen möchte bzw. am nächsten Tag noch vorfinden möchte: Besser im Zimmer lagern. In der Küche lösen sie sich wie von Geisterhand in Luft auf. 😉

-) Die Uhren ticken in Afrika anders. Aus 10 Minuten können rasch mal zwei Stunden werden. Viel Geduld mitbringen!

-) Das Thema Geld und Spenden spielt eine sehr große Rolle. Dazu weiter unten…

-) Eigeninitiative ist gefragt! Bleibt man den ganzen Tag im Zimmer oder verschwindet dazwischen stundenweise, fällt es nicht wirklich auf und ich hatte das Gefühl weder vermisst noch wirklich gebraucht zu werden.

Nur nochmal zur Erinnerung: Das soll keine „i-Tupferl-Reiterei“ sein. Ich habe es dort geliebt! Ich möchte nur, dass klar ist auf was man sich einstellen sollte.

Bilder sagen mehr als tausend Worte

Eingang und Spielplatz

Klassenräume middle- und upperclass

Klassenraum daycare / babyclass

Schlafraum babies = Zugang zum badezimmer

Hof/Garten

Schlafzimmer I + II

badezimmer

Küche

baustelle neue schulgebäude & Volunteer-Unterkunft

All about money?

Was ich allerdings nicht geliebt habe, ist die scheinbare Wichtigkeit des Geld- und Spendenthemas. Schon vor meiner Ankunft erhalte ich über workaway.info nicht nur eine Nachricht von Albert, dass ich doch bitte Laptops etc. mitbringen soll und auch eine Spendenaktion ins Leben rufen kann. Es wird viel Geld für den Bau der neuen Schule gebraucht.

Meine Antwort war ganz klar: Geräte kann ich keine mitbringen, da ich bereits auf dem Weg bin. Und bevor ich Spenden sammle, möchte ich das Projekt erstmal kennenlernen. Mein Bauchgefühl hat Alarm geschlagen. Und auf das sollte man ja schließlich hören… Abgesehen davon komme ich vor allem, um meine Womanpower anzubieten und einzubringen.

Vor Ort werden wir auf dem Weg zur Baustelle mehrmals gefragt, ob wir „wirklich heute Arbeiten wollen – es scheint die Sonne und wir können auch den Tag genießen“. Genauso oft wie ich gefragt werde, antworte ich, dass ich hier bin um zu unterstützen daher NATÜRLICH arbeiten möchte. Albert erklärt mir, dass ich ja nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Reisen da bin. Lieb gemeint – aber ich frage mich tatsächlich, ob meine Hilfe überhaupt benötigt wird. Wenn ich mich für Volunteering entscheide, WEISS ich, dass ich arbeiten werde. Ich bekomme den Eindruck, ich werde hier nicht wirklich gebraucht.

Von anderen Volunteers erfahre ich, dass Albert mehrmals das Thema Geld anspricht und bittet zu Hause Spenden zu sammeln. Manchmal gleich direkt nach der Ankunft – quasi „mit der Tür ins Haus“. Bei mir spannenderweise nur per WhatsApp-Nachricht mit Link zum Crowdfunding (das im Übrigen schon mehrmals abgelaufen, aber doch wieder verlängert wurde…).

Es gab auch noch die eine oder andere krumme Geschichte Geld betreffend – da möchte ich nicht näher eingehen, weil sie nicht mich direkt betrifft. Ich kenne sie aber aus erster Hand und finde es alles andere als Ordnung.

Wären diese Geschichten nicht gewesen und hätte ich nicht das Gefühl gehabt nur wegen meines Geldes hier zu sein und gedrängt zu werden, wäre ich möglicherweise selbst auf die Idee gekommen und dazu bereit gewesen Spenden zu sammeln. In diesem Fall leider nicht…

Besonders geärgert hat mich außerdem seine Unzuverlässigkeit. Um 11 Uhr bitten wir ihn uns um 12 Uhr von der Baustelle abzuholen und bekommen eine Zusage. Um 13 Uhr ist noch immer niemand da – wir schwitzen, haben Hunger und sind müde. Wäre kein Problem gewesen, hätte er Nein gesagt. Uns einfach stehen zu lassen und danach nicht einmal zu fragen, ob wir gut heimgekommen sind oder sich zu entschuldigen fand ich allerdings nicht ok. Und das war nur eines von mehreren Beispielen.

(Lustige) Sidestory: Mehreren Volunteers erzählt er, dass er sich wundert, dass so viele Menschen Interesse haben hierher zu kommen. … Klingt nach richtiger Überzeugung vom eigenen Projekt.

Was außerdem für mangelndes Interesse seinerseits spricht ist, dass Albert bei unserer Abreise niemanden nach Feedback fragt. Wir sind zu viert – alle frühzeitig (von 1 Woche bis 2 Monate) – abgereist. Keine Fragen, kein Kommentar dazu.

Das Gute kommt zum Schluss…

Ich weiß: Bisher klingt meine Erfahrung nicht besonders positiv… Wie aber ganz zu Beginn erwähnt, gibt es NATÜRLICH auch positive Dinge. Sonst wäre ich wohl kaum 3 Wochen geblieben… 😉

-) Habe mich sofort wohl und zu Hause gefühlt, obwohl ich sehr picky und ordentlich bin. Ist zum Großteil auf meine Erwartungen und innerliche Einstellung zurückzuführen nehme ich an…

-) Hatte die Möglichkeit alles mögliche auszuprobieren: Von afrikanischer Frisur über selbst geschneidertem Kleid bis hin zu Wasser schöpfen aus dem Brunnen beim Nachbarn. Eigeninitiative ist allerdings dafür gefragt.

-) So unzuverlässig Albert manchmal war, so hilfsbereit, bemüht und offen Tipps zu geben war er. Er hat uns auf Wunsch per Auto zum ATM gebracht, mir geholfen mein Guthaben wieder aufzuladen und ist dafür mit mir von Shop zu Shop gelaufen, hat uns zu einer Feier in die Stadt mitgenommen, Bustickets reserviert etc.

-) Auch die anderen Lehrerinnen sind super lieb und hilfsbereit! Rosie hat uns geholfen uns ein Kleid schneidern zu lassen und Esther war mit uns am Markt um den richtigen Stoff zu finden, mit mir in einem Salon um eine neue Frisur zu bekommen und hat uns Sonntags in die Kirche mitgenommen und zu ihrer Familie.

-) Man hat zeitlich so gut wie alle Freiheiten. Man hilft, wenn einem danach ist. Wenn nicht, dann wird das auch akzeptiert. Ich war morgens um 7 Uhr laufen, zwischendurch – wenn es mir zu viel wurde – im Zimmer. Wenn sich jemand nicht gut gefühlt hat, blieb er im Zimmer. Usw.

-) Wenn man das Glück hat – so wie ich 😉 – mit wirklich lieben Volunteers zusammengewürfelt zu werden, kann man sich zusammen eine tolle Zeit machen.

-) Die getrockneten Kindertränen, das Lachen, die Spielerein, Umarmungen der Kinder geben einem so viel zurück. Hatte daher das Gefühl den Kindern in irgendeiner Form etwas geben zu können. Und es kommt so viel zurück!

… Derzeit bin ich gerade in einer anderen Schule und werde nach einer Woche wieder in eine neue wechseln. Ich vermisse den Kindergarden of Joy in gewissem Maße. Das ist Aussage genug oder? 🙂

Schlussworte

Verwirrend? Ja – für mich auch. Empfehlung für ja oder nein? – Leider keine Ahnung.

Zuhausgefühl gegen schlechtes Bauchgefühl. Ich muss hier weg gegen ich fühl mich so wohl. Große Hilfsbereitschaft gegen Unzuverlässigkeit. Nichtgebraucht werden gegen liebevolle und dankbare Kinder. Das Gefühl nur hier zu sein, weil ich ja Geld dalassen könnte gegen eine wundervolle Zeit mit herzlichen Lehrerinnen. Einfachstes Leben gegen unglaubliche Erfahrungen, die mich mein Leben lang begleiten werden.


HIER GEHT’S ZU DEN ANDEREN BERICHTEN AUS DEM KINDERGARDEN OF JOY

#73 – Kindergarten of Joy – Vom Leben in einer anderen Welt
#74 – Kindergarten of Joy – Von Abschlusstests, Luftballons und Gesichtsmalerein
#75 – Kindergarten of Joy – Ab auf die Baustelle
#76 – Kindergarten of Joy – Von Farbe, Pinsel und kreativen Meisterwerken
#77 – Kindergarten of Joy – Von einem „ganz normalen“ Schultag
#78 – Kindergarten of Joy – Von A wie das Amen im Gebet bis K wie Kleid schneidern lassen
#79 – Kindergarten of Joy – Von M wie Morgenläufe bis Z wie Zahn ziehen lassen
#81 – Kindergarten of Joy – Meine Lieblingsfotos#80 – Kindergarden of Joy – Mein Fazit

9 Kommentare zu „#80 – Kindergarten of Joy – Mein Fazit

  1. Wunderschön geschrieben und es wird dich immer begleiten wie der kilimanscharo !! Ich kann mir sehr gut vorstellen wie es schwer fällt vor allem die Kinder zu verlassen ! Da fliessen Tränen und bekommt ein Lächeln als Dankeschön!!!
    Weiterhin tolle Erlebnisse und Erfahrungen

    Gefällt 1 Person

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