#71 – Kitesurfen in Paje – Von meinem Stolzmoment und einem neuen Lieblingssport im Sortiment

Dieses Gefühl, wenn du etwas noch nicht kannst. Wenn da so viele sind, die extrem gut sind. Es voll raus haben. Und du als Newbie fällst, aufstehst, fällst, aufstehst. Ich mag das gar nicht. In Paje drücke ich mich daher etwas davor mich dem Kitesurfen zu widmen. Irgendwann wage ich es doch. Und hey: Es läuft! Macht extrem viel Spaß. … Und entwickelt sich zu einer meiner neuen Lieblingssportarten. Ich fahre schon meinen ersten Downwinder. Und es passiert sogar das beinah Unmögliche: Ich bin auf mich selbst stolz.

Tomorrow is another day

An Tag vier in Paje raffe ich mich also auf und will mich mal informieren wie das mit dem Kiten hier ist. In Indien habe ich es ja aufgrund Windmangels nicht aufs Board geschafft. Meine Motivation lässt zu wünschen übrig, weil ich es hasse etwas nicht zu können und mich als Newbie zwischen lauter kule Kite-Profis zu mischen.

In der Hakuna Matata Kiteschool treffe ich auf Brownie und schildere meinen Stand der Dinge. „Ok. Geh dich umziehen. Du kannst gleich anfangen.“ – „Äääähhm… Eigentlich wollte ich mich nur mal informieren und morgen oder übermorgen beginnen?!“, druckse ich herum. – „Tomorrow is another day…“ Morgen ist ein anderer Tag und niemand weiß was morgen ist. Also beginne heute!

Der Spruch kommt mir doch irgendwie bekannt vor (Stichwort: Verzweiflung am Kilimanjaro). So schnell bin ich daher auch schon überredet und stehe 15 Minuten später in Boardshorts am Strand. Yassir wird mein Lehrer für die kommende Zeit sein. Er wiederholt mit mir alles was ich in Indien gelernt habe und dann darf ich auch schon probieren hin und herzufahren. Das klappt richtig gut! Yassir ist zufrieden.

Ein paar Tage später

Drei Tage vergehen und Yassir findet ich bin bereit Material auszuleihen und alleine zu üben. Vor dem ersten Mal bin ich irgendwie mega nervös. Aber zu meiner eigenen Überraschung auch irgendwie nicht. Schließlich ist Yassir den Tag zuvor nur noch im Wasser gestanden, hat mich beobachtet und hin und wieder ein „Woooohoooo!“ ausgestoßen, um mir seine Begeisterung mitzuteilen. Ich kenne die Technik und jetzt geht’s an Üben. Hinfallen. Aufstehen. Nochmal probieren.

An Tag vier geht es also alleine raus. Und es klappt hervorragend! Ich zische über das Wasser. Übe. Übe. Übe. Falle. Stehe auf. Falle. Stehe auf. Verliere mal das Board. Aber kein Problem – die Profis sind schon unterwegs um es mir wieder zu bringen. Verliere eine Sonnenbrille bei einem Sturz (um die ich heute noch weine…). Aber auch kein Problem – wird eine neue gekauft. Ich bin elektrisiert.

Da kann man schonmal stolz sein

So kommt es, dass ich täglich am Wasser bin. Jeden Tag klappt es besser, ich fühle mich sicherer, bin entspannter. Kann besser umdrehen. Kann inzwischen mein Board selbst wieder holen, wenn ich es verliere. Kann die Höhe halten und exakt zur Kiteschule zurückkommen. Kann anderen ausweichen. So viele, so schnelle Fortschritte. Auch die Kitelehrer sind begeistert und Yassir ist stolz auf mich.

Normalerweise – das wisst ihr ja inzwischen – kann ich damit nicht viel anfangen und es schon gar nicht annehmen. Diesmal ist es aber irgendwie anders… Ich strahle, springe in die Luft, freue mich, und bedanke mich für das Lob. Und wie ich dann da abends so vor meinem frisch gegrillten Fisch sitze und ein Glas Wein trinke, da denke ich doch glatt: „Hab ich echt gut gemacht heute! Da kann ich schonmal stolz sein.“ und überrasche mich damit selbst.

Neuer Tag, neues Glück
… Wem es bisher noch nicht aufgefallen ist: Mit Sonnenbrille Nr. 3 unterwegs. Nachdem Nr. 1 (ich weine immer noch) und Nr. 2 versenkt wurden.

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Eines Tages ist auch Brownie auf dem Wasser unterwegs und deutet mir, dass ich ihm folgen soll. Und ich folge ihm. Wir fahren auf den großen Ozean zu. Und fahren. Und fahren. In Gedanken sehe ich mich selbst vom Strand aus immer kleiner werden. Langsam frage ich mich wo er hinwill? Mir geht der Reis. Ich brülle ihm irgendwas hinterher. Wir drehen um.

Etwas später ruft er mir nochmal zu ihm zu folgen. Ein dritter Kiter kommt mit. Zusammen gleiten wir über das Wasser, immer und immer weiter hinaus. Was für ein Gefühl. So über das Wasser zu schießen. Zu entspannen. Und doch etwas nervös zu sein. Meine längste Fahrt in eine Richtung bisher. Je weiter wir rauskommen, desto unruhiger wird das Meer. Später erklärt mir Brown: Das war das Riff. Alleine sollte ich da nicht hinfahren, aber er wollte mich mal aus der Komfortzone bringen und mir etwas Neues zeigen. Wie kul war das denn?!

Mein erster Downwinder

Brownie findet: Jetzt wo ich mutig und beim Riff war, kann ich auch einen Downwinder fahren. Gesagt, getan. Der Plan ist während des Sonnenuntergangs die Küste entlang mit dem Wind zu fahren und beim Restaurant The Rock an Land zu gehen. Von dort geht es mit dem Taxi zurück. Angeblich sind es ca. 30 Minuten.

Eines Abends gegen 17 Uhr bricht plötzlich Hektik aus. Heute soll es soweit sein. Ich bin skeptisch. Der Wind ist ziemlich stark und die Sonne geht schon unter. Brownie macht Stress und schickt mich mit Hanna vor – wir sollen schonmal fahren. Mein Herz droht aus der Brust zu springen. Im Downwind-Fahren bin ich echt schlecht. Aber keine Zeit für Skepsis. Hanna und ich machen uns auf den Weg. Wir fahren extrem weit bis zum Riff raus, wieder zurück und so im Zickzack die Küste entlang. Ein weiterer Kiter und drei Kitelehrer folgen uns. Es geht schleppend dahin. Ist extrem anstrengend. Mein Kite ist zu klein – so stark ist der Wind nun doch nicht – und wir müssen zum Strand. Einer der Lehrer tauscht mit mir. Es fällt mir trotzdem extrem schwer mit dem Wind zu fahren, langsam geht mir die Kraft aus. 30 Minuten sind LÄNGST um. Und vom The Rock noch keine Spur… Ich beginne Selbstgespräche zu führen. „Bald sind wir da. Du hast den Kilimanjaro geschafft, also schaffst du auch diesen Downwinder. Du kannst echt stolz auf dich sein. Super machst du das…“ Als wir endlich tatsächlich beim The Rock ankommen verlassen uns die letzten Sonnenstrahlen. Im Dunklen landen wir, packen alles zusammen und machen uns auf den Weg zum Taxi. Was für ein geiler Ausflug. Was für ein geniales Erlebnis!

Das Beste kommt zum Schluss

Zu guter Letzt – bevor ich mich aus dem Staub mache – möchte ich noch einen Trick lernen und das Springen probieren. Yassir, Brownie und Hanna geben mir Tipps. Und siehe da: Toeside („auf den Zehen fahren statt auf den Fersen“ / Board um 180 Grad drehen) ist etwas wackelig, aber klappt.

Und sogar ein paar Babyjumps sind drinnen. Das eine oder andere Mal (ich glaube insgesamt drei Mal =P) schaffe ich es auch zu landen. Nicht mit dem Gesicht voraus im Wasser meine ich… Leider ist an den letzten beiden Tagen vor meiner Abreise zu wenig Wind – aus Sprungfotos wird daher nichts. Aber ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Ride! Wo auch immer das sein wird. Und vielleicht gibt’s dann auch ein Sprungfoto… 🙂

4 Kommentare zu „#71 – Kitesurfen in Paje – Von meinem Stolzmoment und einem neuen Lieblingssport im Sortiment

  1. Anja was du alles kannst! Echt spitze:) Freu mich für dich das es mit dem Wind geklappt hat und du so viel kiten konntest:) Ja, das ist ein Grund auf sich stolz sein zu können:) Wünsche dir noch viele schöne Momente in Afrika:)

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  2. Anjaaaaaa WUUUUUHUUUUUU, wie cool ist das denn???? Das Gefühl da draussen muss ja hammermässig sein!!! Du kannst mega stolz auf dich sein. Also wirklich.

    Dieses Newbie Gefühl kenn ich auch gut, warum ist einem das so unangenehm? Ich war am Samstag ein bisschen klettern, ich war zwar schon mal aber das ist viele Jahre her und damals auch nur einmal, heisst ich kanns gar nicht!
    War nix wildes, so ein Klettergarten mit Felsen. Aber als ich gesehen hab, dass dort schon einige Leute waren, wollt ich sofort umdrehen und am besten in der Nacht wiederkommen, damit mich keiner bei meinen blutigen Anfängen sieht 😉

    Aber natürlich hab ichs durchgezogen und ja ich bin auch raufgekommen, und ja ich hab geschwitzt und ja ich hab Schiss gehabt. Aber an die andren Menschen hab ich fast nicht mehr gedacht.

    Und stolz war ich dann auch 🙂
    Wir tapferen, mutigen Mädls wir!!!!

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    1. Sooooo kul, dass du dich doch überwunden und gegens Nachtklettern entschieden hast! Und sooo kul, dass du am Ende auf dich stolz warst. Tschakka! 🙂

      Keiiine Ahnung woher diese Scheu kommt. Das fehlende Zugehörigkeitsgefühl? Die Angst vor dem Ausgeschlossenwerden, Sichblamieren, …? Vielleicht auch bei jeder und jedem etwas anderes?

      Aber mit jedem Mal Schweinehund überwinden und merken, dass es gar nicht so schlimm ist, denke ich wird die Angst beim nächsten Mal weniger. Haben wir also gut gemacht! 🙂

      Gefällt 1 Person

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