#65 – Mein Weg auf den Kilimanjaro / Tag 1-3

Andere bereiten sich ewig auf die Besteigung des Kilimanjaro vor. Planen weit im Voraus. Informieren sich bis ins kleinste Detail. Trainieren. Durchforsten Packlisten. Ich mache diesem Blog wiedermal alle Ehre und weiß am Hinflug nichtmal genau wie hoch er ist. Die komplett geplante und organisierte Anja ist wohl irgendwo im Süden Indiens geblieben. Zu meinem 30er als Geschenk von meine Eltern bekommen, buche ich Ende Juni ziemlich kurzfristig eine 8-Tages-Tour und sitze am 30.07.2019 im Flieger nach Afrika.

Nach laaanger Anreise lande ich Mittags am Kilimanjaro-Airport. Wir gehen direkt vom Flieger über die Flugparkplätze in die Empfangshalle in der es auch kein Gepäckband gibt und alle Koffer und Rucksäcke einfach in den Raum gestellt werden. Ein witziger Kontrast zu meinem Umstieg in Frankfurt! 🙂

Eine Mitarbeiterin von Zara Tours nimmt mich am Kilimanjaro-Airport sehr nett in Empfang und organisiert mir ein Business Visum (nachdem ich ja plane später auch in Tansania zu arbeiten). Danach fahren wir eine Stunde mit dem Taxi nach Moshi ins Springsland Hotel. Bei der Besprechung am Abend lernen wir unseren Guide kennen: Omari ist schon seit 16 Jahren Guide am Kilimanjaro und hat ihn hunderte (!!!) Male bestiegen. Ich denke wir sind in erfahrenen Händen… In der Gruppe werden wir zu viert sein: Nadja, Ulli und Dominik sind Freunde und kommen aus Deutschland. Wir werden also die nächste Woche miteinander verbringen. Omari checkt unsere Packlisten, wir stellen ein paar Fragen und verzupfen uns bald nach dem Abendessen ins Bett – denn morgen Früh geht’s los.

Tag 1 – In the jungle the mighty jungle…

Um 08:30 Uhr fahren wir mit dem Taxi rund drei Stunden zum Londorsi Gate. Unterwegs besorgen wir in einer Apotheke Medikamente gegen die Höhenkrankheit (Von denen ich noch ausgehe sie nicht zu nehmen… Das Schicksal lacht sich inzwischen ins Fäustchen.). Am Londorsi Gate verputzen wir unser überdimensionales Lunchpaket während alles Organisatorische abgewickelt wird. Die Porter warten schon, die Reservierung wird geprüft und das Equipment gewogen. Unsere Rucksäcke dürfen maximal 15 kg haben. Zusätzlich dazu tragen die Porter aber noch ihr eigenes Gepäck und natürlich alles andere – von Zelten über Stühle und einen Tisch bis hin zu allen Koch-Utensilien und Lebensmitteln. Unsere gesamte Crew besteht aus 17 Menschen. 17! 1 Guide, 2 Assistant Guides, 1 Koch, 1 Kellner und 3 Porter pro Person. Verrückt…

Nach mehreren Stunden Wartezeit geht es nochmal ca. eine Stunde per Taxi zum Lemosho Gate, von dem wir auch gleich wegstarten. Die Wanderschuhe festgeschnürt und Stecken ausgefahren geht es ca. drei Stunden durch den Dschungel mit Waldboden und ganz viel grün zum Mkubwa Camp auf 2.650m und somit unserer ersten Schlafstelle. Wir sehen unterwegs – hingegen jeder Erwartungen leider nur ein paar Affen. Von jeglichen anderen Tierarten keine Spur… Grundsätzlich sollten es 7km und drei Stunden sein. Meine Uhr zeigt 4km und knapp unter zwei Stunden an. Jedenfalls ist es ein gemütlicher erster Tag.

Im Camp angekommen bekommen wir Wasser zum Waschen und im Essenszelt warten bereits Popcorn und Tee auf uns. Was ich zuerst für einen schlechten Scherz halte (die haben echt Popcorn für uns hier heraufgetragen….?!), ist nur der Anfang einer kulinarischen Luxusverpflegung der folgenden Woche. Auch die Sache mit dem Essenszelt finden wir zu dem Zeitpunkt noch etwas „dekantent“ und fühlen uns echt eigenartig darin zu sitzen und zu dinieren, während der Rest der Crew draußen herumwuselt. Spätestens am nächsten Tag werden wir aber schon dankbar dafür sein..

Da wir am nächsten Morgen um 7 Uhr geweckt werden und ich echt starke Kopfschmerzen habe (jetzt schon…?!?!), husche ich bald in mein Zelt und kuschle mich mit Thermopulli, -leggings und Stirnband in meinen Schlafsack. Es ist ziemlich kalt und ich kann mir noch nicht vorstellen wie ich das jemals alles überleben soll. Zumal wir ja noch nicht einmal 3.000 Meter erreicht haben und ich inzwischen weiß, dass der Gipfel auf 5.895m liegt…

Tag 2 – Raindrops keep fallin’ on my head

Beim Weckruf um 07:00 Uhr bin ich schon umgezogen und habe fast alles zusammengepackt. Das Ibuprofen hat leider nur mäßig Wirkung gezeigt – meine Kopfschmerzen sind zurück. Davon werde ich aber beim Frühstück um 07:30 Uhr abgelenkt. Es wird tatsächlich Omelette, Toast, Würstchen, Marmelade, Peanut Butter, … aufgetischt. Ich glaub’s nicht… Jetzt weiß ich auch wozu wir so viele Porter brauchen. Gestärkt geht’s also um 08:30 Uhr weiter durch den Dschungel langsam aber sicher bergauf.

Nach ca. zwei Stunden und der ersten großen Pause macht sich plötzlich Nebel breit und es beginnt es zu regnen. Und es regnet. Und regnet. Und regnet. Mit jedem Tropfen wird meine Hose nasser und meine Laune mieser. Nicht weil ich Regen nicht mag. Sondern weil ich in meinem Kopf nach Möglichkeiten suche meine Wäsche zu trocknen. Ohne Erfolg. Außerdem wird es mit dem Regen kälter. Und kälter. Und kälter. Für mich der ultimative Alptraum.

Nach weiteren drei Stunden kommen wir im Shira I Camp auf 3.610m an. Es regnet noch immer. Inzwischen bereue ich es keine Regenhose, Gamaschen und wasserdichten Socken mitgenommen zu haben. Dieser Menge an Regen halten nichtmal meine Goretex-Schuhe stand… Auch meine Gortex-Jacke beugt sich unter dem WASCHELNASSEN Rucksack. Dementsprechend bin ich bis auf meine Unterwäsche durchnässt. Auch meine Kopfschmerzen haben den absoluten Höhepunkt erreicht. Als ich merke, dass auch im Rucksack alles durchnässt ist – inklusive meines heiligen Buchs von Stefan – darf ich bereits an Tag 2 meinen ersten Heulkrampf verzeichnen. Dieser verträgt sich leider so gar nicht mit meinen Kopfschmerzen und mein Schädel droht jede Sekunde in ein Millionen Einzelteile zu zerbersten.

Ich entscheide mich daher statt dem Mittagessen einen Mittagsschlaf zu machen und breite meine komplett durchnässten Sachen im Zelt auf (als würde das tatsächlich trocknen…). Zum Abendessen krabble ich aus meinem Schlafsack und fühle mich etwas besser. Omari tröstet mich: „Morgen ist ein neuer Tag. Der kann schon ganz anders sein als heute. Hakuna Matata.“ Na hoffen wir’s mal…

Tag 3 – Kilimanjaro is not for everyone

Kaum zu fassen: Omari behält Recht. Am Morgen des Tag 3 finde ich zwar meinen Rucksack halbgefroren vor, aber die Sonne scheint und zum ersten Mal sehe ich vom Camp aus den Gipfel. Eine Mischung aus Motivation und unendlicher Angst machen sich breit. Das sieht ziemlich weit weg, ziemlich hoch und ziemlich weiß aus. Bis wir dahin kommen, fließt aber noch viel Wasser die Donau… bzw. Schnee den Gletscher runter.

Was mit viel Sonnenschein, guter Laune und hoher Motivation beginnt, schlägt bald in leichte Höhenkrankheit um… Auf dem Weg zum nächsten Camp werden die Kopfschmerzen immer stärker, ich fühle mich ein bisschen schwindlig und bin total außer Atem. Mein Ego kommt damit nicht besonders gut zurecht. Da laufe ich Zuhause stundenlang im Gelände umher mit etlichen Hindernissen dazwischen und dann kann ich nichtmal 3,5 Stunden wandern bewältigen?!

Gegen Mittag landen wir jedenfalls im Shira II Camp. Dem Himmel sei Dank, dass es bisher nicht geregnet hat.

Da uns aber die Wolken eingeholt haben, muss ich meine Wäsche versuchen im Zelt zu trocknen. Sieht witzig aus, riecht unangenehm und funktioniert nur mittelmäßig… Dafür sind die WC’s hier totschick! Bisher waren es eher von oben bis unten vollgemachte Holzhütten. Diesmal finden wir sie sauber und verfliest vor. Luxus pur!

Den restlichen Tag verbringe ich mit Essen (Mittags: Teigtaschen mit Gemüse und Huhn gefüllt – OMG…!!! Abends: Pasta mit Gemüse und Rindfleisch), Schlafen, Tagebuch schreiben, Akklimatisieren und habe Abends auch keine Kopfschmerzen mehr. Ich bin echt erleichtert! Immerhin wurden von hier heute schon Menschen abgeholt und aufgrund der Höhenkrankheit zurück ins Tal gebracht… Das macht uns bewusst was uns Omari seit Beginn der Anzeichen unserer Höhenkrankheit sagt: „Kilimanjaro is not for everyone.“


Hier geht’s zu den anderen Teilen der Serie:
#66 – Mein Weg auf den Kilimanjaro / Tag 4-6
#67 – Mein Weg auf den Kilimanjaro / Tag 7-8 Summit Day / inkl. Routenbeschreibung und Packliste

18 Kommentare zu „#65 – Mein Weg auf den Kilimanjaro / Tag 1-3

  1. Liebe Socke!
    Deine Beschreibung der ersten Tage ist so lebhaft, dass man wirklich mit dir mitgehen kann. Aber genau an dem Punkt zweifel ich, ob das das richtige Geschenk war. Nässe, Kälte und Kopfschmerzen in dem Ausmaß waren nicht geplant. Durchhalten ist hier die Devise und so stark wie du bist, schaffst du das auch.
    Ich schicke viel Kraft, Ausdauer und Mutterliebe.

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    1. Liebe Mama!
      Jaaaa – es war ganz sicher das richtige Geschenk! Etwas, das ich mir vermutlich selbst nicht geleistet hätte, das eine einmalige, unvergessliche Erfahrung war. Etwas das meine Grenzen erweitert hat, das mich mich selbst besser kennenlernen hat lassen.
      Tausend Bussis Socke

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  2. Liebe Anja – ich kanns kaum erwarten – bis du die Berichte der nächsten Tage online stellst! Deine Erlebnisse sind so faszinierend und so autentisch erzählt!!! Glg – bis hoffentlich bald!!! Elfi

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  3. Liebe Anja,

    spannende Lektüre vorm schlafen gehen.
    Ich kuschle ich mich grad tiefer in das trockene, warme Bett und stelle wieder einmal fest: das mit der echten Abenteurerin wird in diesem Leben wohl nix mehr werden.

    Hut ab, meine Liebe – was du alles schaffst! Wahnsinn.

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      1. Ja. Es gibt die und die Abenteuer, da hast du total recht!
        Aber deine Abenteuer verfolge ich lieber vom Bildschirm aus. 😀

        Großes Bussi nach Sansibar!

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