#59 – Von einer Nachtwanderung am Schneeberg und der Änderung meines Beziehungsstatus

Nach meiner Wanderung zum Sonnenaufgang in Indien beschließen Stefan und ich, dass wir das unbedingt auch zusammen in Österreich machen müssen. Gesagt – getan. Gerade ein paar Tage zurück in der Heimat. Am Pfingstsamstag läutet unser Wecker um zehn Uhr. Abends. Ja, genau: Zweiundzwanzig Uhr. Den Rucksack haben wir glücklicherweise schon vor dem Powernap gepackt. Die Verlockung einfach liegen zu bleiben wäre vermutlich zu groß gewesen. Zumindest für mich. Stefan ist voller Tatendrang. Ich schlecht gelaunt. Wir rasen mit dem Auto durch die Nacht während ich mich frage was uns da eigentlich wieder eingefallen ist. Mein Bett ist viel zu weit weg, ich habe mangels Training weder Kraft noch Kondition und was sagt eigentlich meine offene Wunde am Fuß aus Indien dazu? Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr. Um Mitternacht schnüren wir am Parkplatz unsere Wanderschuhe und schnallen uns die Stirnlampen auf den Kopf.

Durch die Weichtalklamm geht es von Beginn an steil bergauf. 1.600 Höhenmeter auf 10 km wollen bewältigt werden. Zum Glück weiß ich das vorher nicht. Und zum Glück ist es so dunkel, dass man nicht sieht wie weit der Gipfel entfernt ist. Aufgrund meines schmerzenden Fußes und meiner begrenzt guten Laune rede ich nicht viel. Ich ärgere mich, dass ich tatsächlich keine Kondition habe und nach den ersten zwei Stunden sind meine Beine schon mehr Wackelpudding, als Unterstützung den Berg zu erklimmen. Stefan versucht mir gut zuzureden. Er kann wirklich geduldig und liebervoll sein. Bewundernswert. Ich rechne mit fünf Stunden für den Aufstieg. Als Stefan nach ca. drei Stunden berichtet, dass wir uns auf den letzten 200 Höhenmetern befinden entspannt sich mein Gemüt. Wir haben es bald geschafft.

We did it!

Um 03:35 Uhr – viel früher als gedacht (Tschakka!) stehen wir vorm Gipfelkreuz und einer gigantischen Aussicht.

Inzwischen bin ich besser gelaunt und sogar etwas stolz, dass wir trotz mangelnder Bewegung in den letzten Wochen und Wackelpudding-Knien so flott waren (noch nicht ahnend, dass meine Laune heute von großer Bedeutung ist). Oben angekommen pfeift uns der Wind um die Ohren. Bis zum Sonnenaufgang dauerts noch… Wer mich kennt, weiß wie erfroren ich bin. Wie soll ich das so lange aushalten? Schnell das Shirt gewechselt und in die Rettungsdecke gewickelt verzupfen wir uns erstmal in eine halbwegs Windstille Ecke um uns mit Broten zu stärken. Spätestens danach ist auch die Laune wieder gerade gerückt.

Danach – der Sommerzeit sei Dank – können wir schon sehen, dass die Sonne langsam aufgeht und gehen zurück zum Gipfelkreuz. Stefan trägt uns ins Gipfelbuch ein und sucht im Rucksack nach dem gravierten Schloss, das er mir geschenkt hat und wir hier befestigen wollen. Ich stehe wie angewurzelt am windstillsten (aber definitiv nicht windstillen) Quadratzentimeter und bitte die Sonne in Gedanken sich zu beeilen.

„Wir sind nicht nur wegen dem Sonnenaufgang hier.“

Das Schloss befestigt. Check. Den Schlüssel (nicht besonders weit) den Berg hinuntergeworfen. Check. Eintrag im Gipfelbuch. Check. Stefan steht auf der anderen Seite des Gipfelkreuzes und kramt wieder in seinem Rucksack. Als er um die Ecke kommt mache ich einen ersten Versuch den Rückweg anzutreten: „Alles klar! Dann können wir ja jetzt wieder gehen…?!“ „Noch nicht. Wir sind ja nicht nur wegen dem Sonnenaufgang da.“, sagt er. „Nein eh. Auch wegen dem Schloss.“, stelle ich fest. „Auch nicht nur deshalb.“ … Und plötzlich kniet er sich hin und öffnet eine kleine Schatulle (mit LED-Beleuchtung wohlgemerkt!). Weil ich in meinem ganzen Leben vermutlich noch nie so perplex war, kann ich leider nicht mehr rekonstruieren was genau seine Worte waren, aber vermutlich sowas wie: „Willst du mich heiraten?“

Gefühlt sage ich fünf Minuten gar nichts. Ich habe mit vielem gerechnet heuer. Und Stefans Aussage „Wenn wir dieses Jahr zusammen überstehen, mache ich dir am Ende des Jahres einen Antrag.“, habe ich sogar teilweise ernst genommen. Aber es ist gerade mal Jahresmitte. In DIESEM Jahr. Bevor ich mich nochmal ein paar Monate aus dem Staub mache. Das war das allerletzte mit dem ich JEMALS gerechnet hätte. Vermutlich bin ich noch nie in meinem Leben so überrascht worden. Nachdem ich realisiere, dass ich tatsächlich hellwach am Schneeberg stehe, reagiere ich irgendwann und sage: „JA!“. Stefan steckt mir den Ring auf meinen Eiszapfen-Finger und wir zücken das Handy, um den Moment nicht nur in unserem Gedächtnis festzuhalten.

Vermutlich gefühlte 10 kg leichter (man bedenke, dass ich extrem schlecht gelaunt diesen Berg bestiegen habe und Stefan schon befürchtet hat, dass das bestimmt nicht der richtige Tag sein wird…), holt Stefan nochmal das Gipfelbuch heraus und macht eine Ergänzung. Wir schlürfen einen Babysekt (Das muss sofort gefeiert werden! Und vielleicht wärmt der auch von innen…?) und machen uns danach dennoch rasch auf den Weg bergab.

Es muss Liebe sein…

Schritt für Schritt geht es bergab. Meine Gedanken kreisen. Ich kann nicht ganz realisieren was da gerade passiert ist. Ich stelle mir vor wie unsere Freunde und Familie nach der Reihe aus den Latschen kippen. Und bin dabei selbst nicht sicher, ob ich in meinen Wanderschuhen festen halt habe. Wir kennen uns gerade mal ein Jahr. Ein turbulentes Jahr. Von dem ich einige Monate außer Landes war. Wir haben noch keinen Urlaub zusammen gemacht. Wohnen nicht – zumindest nicht so richtig – zusammen. Manchmal bin ich nicht sicher wie gut wir uns wirklich kennen. Und zugleich fühlt es sich so richtig an. So vertraut. So sehr nach Verbundenheit. So sehr nach Zusammengehören. So sehr nach Liebe.

Mit jeder Person, der wir es gesagt haben wurde es ein wenig realer. Und nach der Änderung des Beziehungsstatus auf Facebook ist es jetzt wohl endgültig offiziell. 😉

Das Tüpfelchen auf dem i

Wie viele von euch wissen bin ich ja schon wieder auf Reisen. Und wie ebenso viele von euch wissen ist Ost-Afrika nicht der sicherste Fleck der Erde. Vor allem was Schmuck etc. betrifft. Damit ich nicht ohne Ring oder gar ohne linkem Ringfinger nach Hause komme, hat Stefan mir einen Ersatz gebastelt. Aus einer Schraubenmutter. Mit Diamantersatz. 😉 Überraschen kann er…

21 Kommentare zu „#59 – Von einer Nachtwanderung am Schneeberg und der Änderung meines Beziehungsstatus

  1. Anja , wir freuen uns das durch dich unsere Familie größer wird:) Es ist so schön euch zweien zuzuschauen wie ihr das Leben meistert. Ich wünsche dir eine besondere Zeit und lebe alles was du dir vorgenommen hast. Unser Segen soll euch begleiten.:)

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  2. Liebe Anja,

    mit rieselt noch immer die Gänsehaut runter, wenn ich das lese. Obwohl ich die Geschichte (wäre wieder mal genug Stoff für ein paar Folgen deiner Serie ;-)) schon gekannt hab.

    Ich beglückwünsche euch beide! Ihr seid ein schönes und sehr liebes Paar!

    Großes Bussi an euch beide und alles Gute dir jetzt mal für den Aufstieg!
    Belli.

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  3. …und dann dachte ich mir: warum sind die Bilder so verschwommen. Dann habe ich gemerkt, dass sie scharf sind und es an meinen Augen lag. Brigitte war auch ganz gerührt. Sind in Irland und genießen wunderschöne Tage – Anja und Stefan: alles gute und ein wunderschönes gemeinsames Leben!

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    1. Da musste ich jetzt lachen! Erster Gedanke: Hab ich die falschen Bilder hochgeladen??? 😉

      Vielen Dank, lieber Herbert und eine tolle Zeit in Irland! Geniesst es!

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  4. Liebe Anja!
    Auch ich war total überrascht und begeistert von diesem romantischen Bericht. Es ist schön, wenn zwei Menschen zusammenfinden (noch dazu auf solche Art)! Da hat sich dein nunmehr Verlobter ja wirklich was einfallen lassen.
    Ich wünsche euch viel, viel Glück und Freude auf eurem gemeinsamen Lebensweg!!🥂🍾
    Brigitte

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  5. Liebe Ana, lieber Stefan!
    WOW … perfekter, liebevoller könnte dieser wunderbare, wichtige Moment nicht inszeniert werden! Wir wünschen euch ein genauso liebevolles restliches gemeinsames Leben!!!! Mögen alle eure Wünsche in Erfüllung gehen!!!

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  6. Liebe Anja und lieber Stefan,

    ich freue mich sehr für Euch und wünsche alles, alles Gute!

    Liebe Grüße aus Frankfurt und ich hoffe Euch mal in Wien zu treffen!

    Helmuth

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    1. Lieber Helmuth!
      Vielen, vielen Dank!
      Habe gestern fest an dich gedacht, da ich in Frankfurt am Flughafen umgestiegen bin. Der ist ja riiiiiiiesig!!!
      Ganz liebe Grüße
      Anja

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  7. Liebe Anja, lieber Stefan,

    auch von uns alles Liebe und Gute für Euch und Eure weitere Zukunft. Wir haben uns zwar erst kurz bei der Geburtstagsfeier von Tante Erika kennengelernt aber wir haben gleich gesehen wie schön Ihr zusammenpasst und wie gut Du in die Familie passt.
    Christian und ich kannten uns auch erst im März ein Jahr als wir beschlossen zu Heiraten – und am 05.07.2019 haben wir dann auch geheiratet.
    Alles Liebe noch für Deine weiteren Reisen und für Deine/Eure Zukunft.

    Ganz liebe Grüße

    Marianne & Christian

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    1. Liebe beide!
      Vielen Dank für eure lieben Worte!
      Alles Liebe zu eurer Hochzeit und für euren gemeinsamen Lebensweg.
      Freue mich auf ein Wiedersehen.
      Ganz liebe Grüße
      Anja

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  8. Ihr lieben Zwei !
    Was für eine schön ausgesuchte Situation, für so einen besonderen Moment. Für uns fühlt sich eure Verbindung richtig und liebevoll an. Wir freuen uns , Stefan als neues Familienmitglied zu bekommen .
    Ihr meistert dieses Jahr deiner Auszeit Anja, perfekt und wir wünschen euch eine wunderbare Zukunft. 

    Die Beziehungen die uns Halt geben können, wurzeln in der Freiheit, einander loslassen zu könne . ( Ferstl)

    MAPA

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