#58 – Zurück in alte Muster / Neuer Plan: Selbstliebe

So mancher hat mir vor meiner Abreise prophezeit, dass ich ganz bestimmt nicht mehr die Alte sein und total verändert von dieser Indienreise zurückkehren werde. Unsicher, ob ich davor jetzt Bammel haben oder mich darauf freuen sollte, habe ich es einfach geschehen lassen. Vorstellen konnte ich mir das ohnehin irgendwie nicht. Was könnte in diesen vier Monaten passieren, das mich total verändert?! … Und doch hatte ich irgendwie die Hoffnung total entspannt, zufrieden und ungeplant zurück zu kommen.

Was hat sich verändert?

So entspannt ich auch – vor allem in den letzten Wochen meiner Reise – war, so klar wurde recht rasch, dass sich scheinbar nichts verändert hat. Kaum realisiert, dass ich im Grunde nur vier Wochen habe, in denen ich in Wien sein werde, beginne ich noch in Indien meinen Kalender zu füllen. Arzttermine werden vereinbart, Besorgungstage eingetragen, nachträgliche Geburtstagsfeiern mit Familie und Freunden ausgemacht, Treffen mit einzelnen Freundinnen gesucht, ein Termin in der Arbeit organisiert. Genauestens wird geplant wann ich wo bin, wie lange ich wo bleibe, wieviel Zeit für An- und Abreise eingerechnet werden muss und wie und mit was ich „Stehzeiten“ füllen kann. So passiert es, dass ich an einem Tag sogar fünf Verabredungen habe.

Nebenbei werden Einpacklisten für den Campingurlaub in Italien und die nächste Reise nach Afrika geschrieben. Es werden Besorgungen von Dingen gemacht, die auf den Listen stehen, aber nicht im Hausrat verfügbar sind. Es wird recherchiert, geplant, gekauft, telefoniert, organisiert, nachgefragt, beraten.

Aus dem Plan jeden Tag Sport und Yoga zu machen, zu meditieren und zu schreiben wird nichts. Nicht nur aufgrund meiner ewig entzündeten Wunde am Fuß (die finally auf dem Weg der vollständigen Heilung ist…). Sondern auch aus Motivationslosigkeit, Faulheit, Müdigkeit und Zeitmangel.

Kurzum: Ich bin zurück in meinen alten Mustern.

Nichts.

Das mag sich so lesen, als wäre ich auf der Suche nach Mitleid für meinen Freizeitstress. Oh Nein, das bin ich nicht. Ich möchte damit lediglich sagen: NICHTS hat sich verändert. Ich bin immer noch die, die ihre Tage füllt. Die nicht Nein sagen kann. Die glaubt alles schaffen zu müssen. Die niemanden enttäuschen will. Die genauestens plant und organisiert. Der es nicht passt, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Die sich zu müde, faul und gestresst für Yoga und Meditation fühlt. Die frustriert von einem schlechten Lauf zurückkommt. Die, die nicht einsehen will, dass man nach vier Monaten Trainingspause nicht da ansetzen kann wo man aufgehört hat. Und die schlussendlich auch einsehen muss: Ich bin weder mehr entspannt noch weniger verplant als vor meiner Abreise.

Gar nichts?

Und doch gibt es – neben all diesen altern Mustern – etwas, dass ich versuche umzusetzen. Und indem ich gar nicht sooooo schlecht bin (auch das mit dem Eigenlob haut noch nicht so hin…). Ich versuche mehr im Hier und Jetzt zu leben und mir weniger Gedanken um die Vergangenheit und Sorgen um die Zukunft zu machen. Das mit der Vergangenheit klappt ziemlich gut. Das mit der Zukunft ist in Arbeit. Regelmäßiges Zureden zu mir selbst. Eigenes Zurückholen in den Moment. Erinnerungen, dass vieles ohnehin nicht geplant werden kann und in der Situation entscheiden werden muss. Na wenigstens etwas…

Der neue Plan: Selbstliebe.

Und anstatt mich darüber zu sorgen, ärgern oder es zu zerdenken warum ich nun immer noch so bin ich wie ich war und vielleicht immer sein werde, höre ich: „Nimm dich doch so an wie du bist. Ist doch super wie gut du planen kannst und alles unter einen Hut bekommst.“ Stimmt eigentlich. Zerdenken und ärgern hat noch niemandem etwas gebracht. Wenig planen kann ich 2020 üben, wenn ich mich wieder in meinem Alltag einfinde. Und ohne meine Planungsfähigkeit wäre ich vermutlich nicht da wo ich jetzt bin. Daher der neue Plan: Selbstliebe.

5 Kommentare zu „#58 – Zurück in alte Muster / Neuer Plan: Selbstliebe

  1. 🙂 du hast dir viel vorgenommen … eine große und sehr wichtige Aufgabe … da bin ich ganz sicher!!! Selbstliebe ist eine sehr wichtige Herausforderung …. !!!!!! Wünsch dir dafür alles erdenklich Gute!!!!

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo mein Mädchen!
    Ich empfinde dich schon ein wenig „anders“. Entspannter, freier,…genau kann ich es nicht definieren. Es ist eine Empfindung.
    Beim Planen sehe ich mich in dir. Aber so wie du schreibst: Planen (wenn es nicht zu viele Dinge auf einmal sind) hat auch viele Vorteile. Wie hätte ich alles unter einen Hut bekommen: 2 Kinder, den Haushalt, die Arbeit, den Wohnwagen am Wochenende, später dann die Betreuung von Oma und noch ein Privatleben, sprich Vergnügungen nachzugehen, Sport zu betreiben. Der Alltag war und ist voll. Aber man kann auch stolz zurückschauen und sagen:“Ich habe sooo viel geschafft.“
    Du bist unglaublich in den Dingen wie du sie tust und kannst stolz auf dich sein. Ohne Planen hättest du dir dieses Jahr nicht ermöglicht. Ohne Planen wären die Studienjahre nicht gut ausgegangen. Für diese vielen Pläne, die dich an dein Ziel gebracht haben, kannst du dich schon mal lieben !!!!!!!!!
    Deine Mama

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.