#52 – Das Highlight meiner Indienreise: Kolukkumalai, die zweithöchste Teeplantage der Welt

Als ich von der zweithöchsten Teeplantage der Welt höre und dass es DAS Ausflugsziel rund um Munnar ist, beschließe ich es als erstes in Angriff zu nehmen. Angeblich fahren die meisten mit dem Jeep hinauf. Ein Deutscher aus dem Hostel erzählt aber, dass er zu Fuß gegangen ist. Da mir unbedingt danach ist mir die Beine zu vertreten und mich in dieser wundervollen Landschaft zu bewegen, beschließe ich letzteren Aufstieg zu wählen. Phoebe und Ben, ein neuseeländisches Pärchen, fragen mich, ob ich mit ihnen auf dem Gipfel in einem Zeltlager übernachten möchte. „Warum eigentlich nicht? Ja, ich bin dabei.“ … Da ahne ich noch nicht, dass es das Highlight meiner Indienreise werden würde.

Zum Ausgangspunkt nach Suryanelli

Wir starten an meinem zweiten Tag gegen 9 Uhr aus Anachal mit dem Bus nach Munnar (ca. 20 Minuten). Dieser ist so knackevoll, dass ich kaum Luft holen kann und mein Rucksack einem kleinen Jungen bei jeder Kurve gegen den Kopf drückt. Da ich mich keinen Millimeter bewegen kann, kann ich daran aber nichts ändern und lächle entschuldigend… Außerdem bekommen die Serpentinenstraßen einer Inderin nicht gut und sie übergibt sich im Bus. Na das beginnt ja gut…

In Munnar versuchen wir vergeblich einen öffentlichen Jeep zu finden, der uns nach Suryanelli bringt. Schlussendlich müssen wir uns einen privaten leisten, was aber mit 200 Rs pro Person für eine 40-minütige Fahrt halb so schlimm ist. Die Straßen sind in katastrophalem Zustand und auf dem Großteil der Strecke finden Arbeiten statt. In Suryanelli angekommen fühle ich mich gut durchgeschüttelt. Aber das gehört zu einer Jeepfahrt ja irgendwie dazu, oder?! 🙂

Indien und die Bürokratie

Als wir unseren Weg in Suryanelli antreten wollen werden wir ohne einen Schritt getan zu haben schon aufgehalten. Wie im letzten Beitrag schon berichtet: In Indien kann man nicht einfach draufloslatschen. Die Inder wollen ja schließlich auch etwas von unseren Wanderungen haben… Daher braucht man eine Genehmigung – die man eigentlich nicht so leicht bekommt. Es wird also herumtelefoniert, bis der Zuständige versichert ist, dass wir am Gipfel ein Zelt gebucht haben und wir zu Fuß los dürfen (es fahren sonst alle Menschen mit dem Jeep hinauf, weshalb wir auch reichlich erstaunte Blicke ernten…). Die Genehmigung müssen wir uns in der Teefabrik in ca. 2km abholen.

Als wir an der Teefabrik ankommen ist uns nach ein bisschen Rebellion und wir gehen einfach dran vorbei. Dumdidum… Den Mutigen gehört die Welt! … Und die müssen nach einem Kilometer wieder umkehren, weil sie erwischt werden. 😉 Im Office der Teefabrik verbringen wir erneut 30 Minuten (eine der indischen Spezialitäten ist die Bürokratie…). Dann kann es aber tatsächlich losgehen!

Aufi auf’n Berg

Über 11km und 860hm geht es Serpentine für Serpentine durch die Teeplantagen. Zwar sehr bewölkt, aber überall grün, von Bergen umgeben – unmöglich sich satt zu sehen. Wir machen reichlich Fotos, aber stellen fest: „Niemals kann man das auf Bildern festhalten…

Nach fast 3,5 Stunden (ja – wir waren sehr gemütlich unterwegs…) erreichen wir ein Gebäude, das ein bisschen nach Restaurant aussieht. In sehr schlechtem Englisch wird uns versichert, dass wir hier richtig beim Zeltlager sind. Wir sind skeptisch, aber tatsächlich: Wir haben es geschafft! Unsere beiden Zelte stehen auf einer kleinen Aussichtsplattform mit eigenem kleinen Lagerfeuerplatz. Ausgestattet mit einer Matte und einem Schlafsack wird das mein heutiger Schlafplatz sein.

Die Zeit bis zum Abendessen nutzen wir und gehen zur Teefabrik, wo wir eine kleine Führung bekommen. Alle Gerätschaften werden einmal kurz für uns angeworfen und einen leckeren Schwarztee mit Zitrone dürfen wir auch verkosten. Mmmmhh…

Zurück beim Zeltlager trifft auch eine Gruppe aus Chennai ein, die eine Art Betriebsausflug hier veranstalten. Phoebe und ich beobachten sie beim Kartenspielen und Ben darf an der Rumflasche teilhaben. Das Abendessen ist unglaublich lecker und reichlich. Mit der untergehenden Sonne wird es richtig kalt (meine warme Kleidung ist bereits per Post zurück nach Wien gereist…). Später können wir uns aber noch an unserem eigenen Lagerfeuer wärmen, bevor wir uns die Zähne in der freien Natur putzen und es früh ins Bett geht. Denn…

Morgenmuffelige Frustration

… um 04:30 Uhr werden wir schon wieder geweckt. „Hat es nicht 5 Uhr geheißen?!?!“, ist mein erster Gedanke bevor ich aus dem wohligwarmen Schlafsack schlüpfe. Wie praktisch, wenn man im selben Gewand wandert, schläft und wieder wandert und nur das Shirt wechselt. Das spart Morgens Zeit… 😉

Etwas morgenmuffelig warten wir auf den Aufbruch zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel und um 05:20 Uhr starten wir los. Es ist ziemlich kalt, aber so steil, dass ich langsam Schicht für Schicht ablege und nach Sauerstoff ringe (wo ist bitte meine Kondition hin???). Mein schlechter Zustand verschlechtert auch meine Laune und ich bin frustriert als ich die letzten Meter mit meinen Nikes als vorletzte Person über den erdigen Boden krabble (selten habe ich meine Trailschuhe so vermisst wie in diesen Minuten).

Pipi in den Augen

… Und dann erreiche ich den Gipfel. Und traue meinen Augen nicht. Noch komplett außer Atem bleibt mir gänzlich die Luft weg. Mit Worten kann ich mein Gefühl in diesem Moment nicht beschrieben. Auch die Fotos (kein Filter, die meisten mit der Handykamera) sind nur ein Ausschnitt des Moments. Mir kullern ein paar (Freuden-)Tränen über die Wangen und ich stelle fest: Das ist wohl das Highlight meiner Indienreise.

Nachdem wir ausreichend Fotos geschossen haben, genießen wir den restlichen Sonnenaufgang und halb eingefroren machen wir uns auf den Rückweg. Zurück beim Zeltlager machen wir ein Nickerchen in der Sonne (Phoebe und Ben in der Wiese, ich mit dem Kopf auf dem Tisch…). Nach einem heißersehnten indischen Frühstück treten wir den Rückweg an und lassen beim bergabwandern nochmal unsere Eindrücke Revue passieren und uns von der Sonne küssen…

9 Kommentare zu „#52 – Das Highlight meiner Indienreise: Kolukkumalai, die zweithöchste Teeplantage der Welt

  1. Liebe Anja,

    da ich eine sehr brave und ehrgeizige Schülerin bin, habe ich beide Suchbilder in Originalgröße geöffnet und beide Tests bestanden! Huiiiii. 🙂

    Das sind wahnsinnig gute Fotos und es ist so beeindruckend, was du schon alles gesehen hast und wie unterschiedlich all diese Gegenden waren.

    Ich weiß, dass jeder einzelne Beitrag wahnsinnig viel Arbeit für dich bedeutet. Aber für uns Daheimgebliebenen ist ein natürlich schon ein Luxus, da auf deine Reise mitgenommen zu werden. Danke!

    Großes Bussi. Heute endlich wieder mal Sonnenschein hier in Wien!

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  2. Unglaublich schön! Was für eine Landschaft !!!!
    Danke, dass wir alle aus der Ferne mitreisen dürfen durch deine abwechslungsreichen, so gut geschriebenen Blogs.

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  3. Hey Anja!

    Hab mich ziemlich gehen lassen und hol erst jetzt das Lesen deiner Beiträge nach 😅 in diesem Beitrag sind bestimmt ein paar der besten Bilder deines ganzes Blogs zu sehen, alle komplett leiwand (es gibt nichts schöneres als Bilder beim Sonnenauf- und untergang und das in den Bergen) und das Titelbild ist der Hammer, das musst du dir unbedingt groß drucken lassen und daheim aufhängen, Wahnsinn 😊

    So ich les mal weiter 🙋🏻‍♀️
    LG Bernie

    Gefällt 1 Person

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