#51 – Reisebericht Munnar / Indien von einer ganz neuen Seite

Als ich unschlüssig bin wie ich meine letzten Wochen in Indien verbringen soll, ist sich meine Mama sicher: „Munnar solltest du besuchen! Das ist bestimmt toll!“ Es soll da viele Teeplantagen geben und wundervolle Natur. Ich höre zwar, dass die Straßen derzeit komplett renoviert werden und es verkehrstechnisch ein Horror ist, entscheide mich aber dennoch „in die Berge“ zu fahren. Und wisst ihr was? Es war die beste Entscheidung dieser Reise. (Ein riesiger Dank an meine recherchierfreudige Mama!) Ich konnte Indien von einer ganz neuen Seite kennenlernen.

Wo übernachten?

Die Auswahl der Unterkunft ist – wie immer – eine langwieriges Unterfangen. Schlussendlich entscheide ich mich dafür fünf Nächte im The Lost Hostel in Anachal (mit dem Bus ca. 20 Minuten von Munnar) zu verbringen. Die perfekte Wahl!

Der Aufstieg zum Hostel ist zwar der blanke Horror, weil gefühlt 500 Höhenmeter auf 500 Meter Strecke, aber es zahlt sich sowas von aus! Außerdem haben wir Glück und auf halber Strecke nimmt uns ein Jeep mit. (Wie ich das mit den 30kg Gepäck geschafft hätte frage ich mich. Und wie ich jemals einen Hurrican Heat machen will frag ich mich auch…) 

Die Aussicht von der Dachterrasse ist genial (Yoga with a view…), es ist unglaublich ruhig, es gibt eine Küche um sich selbst zu kochen, es wird aber auch total lecker indisch gekocht (Abendessen für 150 Rs = 2 EUR) und das Haus ist super sauber – vor allem für indische Verhältnisse. Auch Raju, der Leiter des Hostels, ist total hilfsbereit, versucht alles möglich zu machen und ist offen für Feedback. Wenn der Koch sich ans Werk macht darf ich ihm über die Schulter schauen und notiere ein paar neue Rezepte in meinem Handy. Am Abreisetag darf ich sogar mein Bett bis 15 Uhr kostenfrei belegen.

Das Einzige in den ersten Nächten fürchte ich mich etwas vor den folgenden, weil eine Runde sehr junger Leute (und bei 18-jährigen fühle ich mich tatsächlich alt…) bis in die Nacht feiern. Warum auch immer – mich lüstet es gar nicht und eigentlich hätte ich gerne meine Ruhe (#grannyvibes). In den kommenden Nächten bessert sich das aber und immerhin habe ich noch Rainymood (danke Michi!), mit dem ich perfekt schlafe.

Abschiedsfoto-Spaß mit Raju

Meine Tage in Munnar

Den ersten Tag verbringe ich damit zu schreiben und im Aufenthaltsraum zu chillen.

Am zweiten und dritten Tag besuche ich die zweithöchste Teeplantage der Welt in Kolukkumalai und erlebe das bisherige mit Abstand highlightigste Highlight meiner Reise (das hat einen eigenen Blogbeitrag verdient!).

Am vierten Tag gehe ich nochmal Wandern und entdecke erneut ungeplant tolle Dinge.

Und den fünften und letzten Tag verbringe ich wieder im Hostel mit Yoga, leckerem Frühstück (selfmade Mango-Ananas-Papaya-Joghurt), Wäschewaschen, Packen und schlafen.

Was unternehmen?

Grundsätzlich ist Munnar Town jetzt nichts Besonderes. Es gibt viele Möglichkeiten Tee, Gewürze und Schokolade zu kaufen. Ansonsten ist es „nur“ Dreh- und Angelpunkt in alle möglichen anderen Orte und Ausflugsziele.

Es gibt aber unzählige Möglichkeiten rund um Munnar Town: Seen, Wasserfälle, Tiere, Teeplantagen und Berge. Trekking oder Jeepsafari. Es gibt auch Adenture-Parks (Hochseilklettergarten, Zipline, etc.) und viele andere Attraktionen. Langweilig wird einem hier garantiert nicht!

Eine Französin aus dem Hostel und ich wollen an meinem vierten Tag ganz unkompliziert einen der unzähligen Berge rundherum besteigen. In Österreich fährt man einfach ein den Wald, stellt sein Auto ab und maschiert los. Nicht so in Indien. Erstmal gestaltet es sich schwierig herauszufinden, welcher zu besteigen und sehenswert ist. Als wir uns für einen entscheiden, erfahren wir am Weg, dass wir eine Genehmigung brauchen und einen Tourguide, der uns begleitet. Wir sind „not amused“ und eine Diskussion mit den ausführenden Personen kostet uns eine gute Stunde. Erst wird mir am Telefon gesagt, dass wir ohne Tourguide los dürfen, dann bekommen wir doch keine Genehmigung. Mein Puls ist auf 180 und ich ärgere mich maßlos über die Unfreundlichkeit, Inflexibilität und Geldmacherei. Weil wir einfach nicht zahlen wollen, beschließen wir uns einfach irgendwohin auf den Weg zu machen und zumindest ein bisschen spazieren zu gehen. Und siehe da…

Die besten Dinge passieren ungeplant…

Auf dem Weg zu unserem gewünschten Ausgangspunkt kommen wir an einer Schule vorbei, deren Tore offen stehen. Seit ich in Indien bin möchte ich schon eine besuchen, habe es aber irgendwie noch nicht geschafft. Zwar sind Ferien, aber der Direktor ist für Anmeldungen vor Ort und erlaubt uns uns umzuschauen und Fotos zu machen.

Die Kinder starten schon im Alter von 4 Jahren und ca. 60 Kinder sind in drei Klassen in dieser Schule. Es gibt auch einen kleinen Speisesaal und einen Raum für autistische Kinder, was uns sehr überrascht. In Indien werden Behinderungen jeglicher Art eher versteckt gehalten soweit ich das gelesen und gesehen habe. Umso schöner hier das Gegenteil zu erleben!

Nach einem Großeinkauf im Gewürzgeschäft (auch das stand auf meiner „Things-to-do-before-I-leave-India-Liste“) geht es aber dann wirklich in die Teeplantage. Wir stapfen einfach drauf los und gehen und gehen und gehen… Wir quatschen den ganzen Weg über Gott und die Welt und haben ein wirklich tolles Gespräch. Wir treffen keine Menschenseele. Nur wir und das Grün. Als die Teeplantage zu Ende ist, gibt es noch eine steile Abkürzung zum Gipfel. So sieht das jedenfalls aus. „Nagut… Gehen wir da noch rauf.“, beschließen wir schulterzuckend.

Und dann: Was für eine Aussicht! In der Ferne sehen wir, dass es noch weitere und höhere Gipfel gibt und es sieht so aus als könnte man die erreichen, wenn sie auch sehr weit weg erscheinen. Weil wir beide motiviert sind machen wir uns auf den – schlussendlich gar nicht so weiten – Weg.

Bilder sagen mehr als tausend Worte…

Der Weg durch die Teeplantagen

Und auf den Gipfel

Auf dem Rückweg verlaufen wir uns vor lauter Plauderei, gehen aber schlussendlich nur eine Runde und legen gemütliche 8,5 km und 430 Höhenmeter zurück. Auf dem Rückweg bin ich ganz schön erschöpft – vor allem auch nach den vorhergehenden zwei Tagen.

Zurück im Hostel freuen wir uns beide riesig, dass wir trotz der Diskussion und des schwierigen Starts so einen tollen Tag und unverhofft so einen tollen Platz in Indiens Landschaft gefunden haben. Und das ganz ohne Genehmigung und Tourguide…

Fazit

Munnar ist aus meiner Sicht der perfekte Ausgleich zu einem Großteil des Rests von Indien. Perfekt um Abstand von Sightseeing, Stadt, Strand und Hitze zu bekommen. 10 Grad kühler, ganz viel grün, Teeplantagen soweit das Auge reicht und die perfekte Möglichkeit ein paar Tage auszuspannen und/oder zu wandern. Da ich Berge und Natur liebe für mich der perfekte Ort! Und der Ausflug an den Tagen zwei und drei hat dem ganzen die Kirsche auf der Sahne… ähm die Gewürze im Curry ausgemacht. Bericht folgt in Kürze… 🙂

3 Kommentare zu „#51 – Reisebericht Munnar / Indien von einer ganz neuen Seite

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