#50 – Vom Stress mit dem Alter – Aber warum hab‘ ich den eigentlich?

Neulich auf WhatsApp…

Es gibt Menschen, die mich bei Themen zum Lachen bringen, die ich eigentlich gar nicht lustig finde. Zum Beispiel mein Alter. Aber offenbar bin ich nicht die einzige, die irgendwie ein Thema mit der neuen Zahl hat. Der drei statt der gewohnten zwei vorne dran. Andere wiederum juckt das nicht im Geringsten. Die sind total entspannt. „Ist ja nur eine Zahl.“, sagen die und zucken mit den Schultern. Zu denen gehöre ich definitiv nicht. Und die Person in meinem WhatsApp-Gespräch offenbar auch nicht. Für mich ist der 30er mit Stress verbunden. Aber warum hab‘ ich den eigentlich?

Rückblick: Ende März

Das Tüpfelchen auf dem i und die blanke Konfrontation mit der Realität noch bevor es überhaupt soweit ist, ist der Check-In in Varkala. Ich checke mich aus Übungszwecken (ich sollte ja an der Rezeption arbeiten) selbst ein. Spukt der Computer doch tatsächlich nach Eingabe meines Geburtsdatums als Alter „30“ aus. Kurz bleibt mir echt so richtig die Luft weg und die Augen kleben gefühlt am Bildschirm. „Ich bin ja noch gar keine 30!!!“, sprudelte es empört heraus. Meine 21-jährige Kollegin ist amüsiert: „Du siehst auch nicht aus wie 30. Ich hätte dich auf 24 oder so geschätzt.“ Da weiß ich sofort: Wir werden uns gut verstehen.

Der Trost hält aber nicht lange an. Jetzt gibt’s kein Leugnen mehr – in ein paar Tagen bin ich keine 29 mehr. … Und inzwischen ist es sogar schon mehr als einen Monat her. Eigentlich Zeit genug mich dran gewöhnt zu haben. Und irgendwie offenbar auch nicht. Nachdem ich jetzt hin und wieder in einem Hostel schlafe und man sich da so über sein Leben und die Reise austauscht, wird man auch hin und wieder nach dem Alter gefragt. So auch heute, als ich mit zwei jungen Mädels auf dem Weg zum Trekking war. Die beiden: 21 und 23. Eine kann gar nicht fassen, dass ich 30 bin (ich schließe sie sofort in mein Herz…). Ich auch nicht. Ich fühle mich definitiv unwohl mein Alter zu nennen. Wäre ich 29 wäre das halb so schlimm. Aber jetzt habe ich Stress. Und frage mich erneut: Warum hab‘ ich den eigentlich?

Je mehr es mich beschäftigt, desto mehr beschäftigt mich warum es mich denn eigentlich beschäftigt. Klingt kompliziert. Ist es irgendwie auch. Ich weiß – die Antwort wird euch nicht befriedigen: Denn ich habe keinen Plan ehrlich gesagt… Deshalb stelle ich verschiedenste Theorien auf.

Ein paar Theorien

(1) Vielleicht, weil ich mich vor 10 Jahren an ganz anderer Stelle gesehen hätte als ich jetzt bin? (Ich wollte immer superjung Mama werden und 30 zähle ich definitiv nicht zu superjung. Aber warum ich das wollte weiß ich jetzt nicht mehr und bin auch – by the way – froh, dass es anders gekommen ist.)

(2) Vielleicht, weil man mit 20 denkt, dass die 30-jährigen uralt und voll erwachsen sind? (Ich fühle mich kaum erwachsener als mit 20…)

(3) Vielleicht, weil der Druck des Erwachsenseins und Verantwortungübernehmens steigt? (Gibt’s da echt einen Unterschied zwischen 29 und 30 – mir fiele da jetzt keiner ein…)

(4) Vielleicht, weil die biologische Uhr zu ticken beginnt? (Wann beginnt die eigentlich genau zu ticken und wer sagt das überhaupt?)

(5) Vielleicht, weil andere in meinem Alter schon Kinder haben und verheiratet sind? (Und was ist mit denen, die das nicht sind…?)

(6) Vielleicht, weil andere 30-jährige schon die mega Karriere gemacht haben, superviel Geld verdienen, Menschen führen, Abteilungen leiten,… (Habe ich überhaupt dieselben Ziele? Und was hat die Karriere anderer Menschen mit mir zu tun? Jedem das Seine. Und jeder in seinem Tempo.)

(7) Vielleicht, weil ich beruflich noch nicht da angekommen bin wo ich gerne sein möchte und auch nicht mal sicher bin wo das genau ist? (Berufliche Veränderung ist mittlerweile in so gut wie jedem Alter noch möglich, wenn man es wirklich will. Also habe ich mit meinen 30 Jahren Zeit genug sich auszuprobieren und es herauszufinden.)

(8) Vielleicht, weil ich mich gerade allgemein so im Umbruch befinde und nicht das Gefühl habe angekommen zu sein? (Wie auch, wenn man sich entschließt ein Jahr herumzureisen…? Und gibt es Umbrüche, Veränderung und Entwicklung nicht ganz unabhängig vom Lebensalter..?)

(9) Vielleicht, weil ich es nicht glauben kann privat so rasch und unerwartet doch am Angekommen zu sein? (Surprise, surprise. Life happens. Und das hält auch schöne Dinge bereit, also besser einfach mal annehmen und genießen…?)

Ihr seht: es gibt viele Theorien. Und ich kann diese eigens aufgestellten Theorien sogar (seitens Verstand) auch eigens entkräften. Möglicherweise ist es (seitens Herz) von allem ein bisschen was. Was auch immer es ist. Der Runde macht mich ein wenig unrund. Und nein – davon darf’s nicht ein bisserl mehr sein.

Die gute Nachricht

Die gute Nachricht ist: Ich befinde ich mich jetzt nicht in einer Krise oder so – also bitte nicht falsch verstehen! Und das Ding ist: Ich kann es eh nicht ändern. Heißt: Ich gewöhne mich daran. Zwar fühlt es sich nicht so an, aber da ich ein nach Möglichkeiten positiv denkender Mensch bin bemühe ich mich. „Wie alt bist du?“, fragt mich eine imaginäre Person. – „Dreißig.“, antworte ich in Gedanken. – „Tatsächlich? Na das hätte ich dir nicht gegeben…“, erwidert die Person. Diese Gespräche führe ich jetzt täglich mehrmals. … Noch zucke ich dabei zusammen. Aber das wird schon noch.

Denn: Wer legt die Parameter der biologischen Uhr, des Altwerdens und des Druckerzeugens denn auf? … Würde ich nach einem Schuldigen suchen würde ich sagen die Gesellschaft. Aber die eigentliche Frage ist: Wie sehr lassen wir dieses Bild der Gesellschaft an uns heran?! Wie sehr lassen wir es unser Glücklichsein im Hier und Jetzt beeinflussen? Und das liegt – korrekt – ausschließlich an uns selbst. Oder… An mir selbst in diesem Fall. Demnach kann auch nur ich dafür sorgen es nicht an mich heranzulassen oder zumindest nicht meine Stimmung zu beeinflussen.

Alternativen?

Denn wenn wir es strukturiert angehen: Was sind meine Möglichkeiten? Die Zeit kann ich nicht anhalten. Das hätte ich schon das eine oder andere Mal versucht. Ich kann mich also weiterhin sorgen und mir Gedanken machen wie schlimm es ist 30 zu sein und was alles gerade nicht ist oder ich nicht bin. Wer das blöd oder schlimm oder bedenklich finden könnte und vielleicht sogar darüber redet (obwohl es wahrscheinlich eh jedem Wurscht ist…). Was andere in meinem Alter sind oder auch nicht sind. Und was andere sind oder nicht sind, die erst zehn Jahre jünger sind als ich.

Oder ich freue mich meines Lebens, meiner bisherigen Lebenserfahrung und darauf was noch so alles kommen wird. Alles zu seiner Zeit. Zeit genug Mama zu werden. Zeit genug davor noch zu reisen. Zeit genug davor noch die frische Zweisamkeit zu genießen. Zeit genug im Beruf anzukommen. Ich finde das klingt eindeutig erstrebenswerter.

Jetzt gilt es „nur“ noch dieses theoretische Wissen auch in der Praxis umzusetzen… 😉

Und ihr?

Wie geht oder ging es euch mit runden Geburtstagen? 30? 40? 50? 60? 70? War einer der Geburtstage unangenehm für euch? Habt ihr eine Ahnung woran es gelegen hat? Wann wie wo und wodurch hat sich das Gefühl wieder gelegt? … Wer seine Erfahrungen teilen möchte: Ich freue mich von euch – auf welchem Weg auch immer – zu lesen.

5 Kommentare zu „#50 – Vom Stress mit dem Alter – Aber warum hab‘ ich den eigentlich?

  1. Ach Anja,
    ich seh mich selbst immer so in deinen Beiträgen 🙂
    Ich muss zugeben mit der 30 hatte ich auch so meine Probleme. Die hielten aber nicht lange an, war nur die Woche vor den Geburtstag, aber da war mir nach heulen 😉

    Mittlerweile bin ich 39. Ich kanns selbst nicht glauben, wo ist denn die Zeit hin?
    Ich fühle mich jung und ich fühle mich besser als mit 20, um vieles!
    Deswegen wieso sollte ich mich aufregen?
    Und doch gibt es die Zeiten, da nerven die Falten und diese komische Zahl, einfach weils nicht zu mir passt.
    Ja die Gesellschaft ist einer der Beschuldigten, natürlich! Weiblich, schön und jung bekommt alles und ist glücklich – wird hier suggeriert. Na toll – also ists bei mir bald vorbei? Oder dürft ich demnach schon gar nicht mehr glücklich sein?
    Hihi, mir egal, jetzt grad.
    In anderen Ländern, wie du weißt, werden die Alten hochverehrt, die Frauen sowie die Herren, sie sind die Weisen.

    Ausserdem altern wir alle und nichts ist beständig. Natürlich bringt es nichts sich aufzuregen. Aber besser mal kurz aufregen und dann weiterleben und das Leben feiern, egal wie alt!
    Drück dich!

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deine lieben, aufbauenden Worte! Schön zu wissen, dass man mit seinen absurden (?) Gedanken nicht alleine ist. Tatsächlich ist mir mit jedem Kommentar ein wenig leichter. Vor allem wenn, wie bei dir, die Leichtigkeit und Lebensfreude so schön rauskommt. 🙂
      Du hast so recht mit: „Mir egal.“ Und „Das Leben feiern.“!!!
      Mir gefällt auch der Gedanke an die alten Weisen sehr gut – so habe ich das noch gar nicht betrachtet… 😉
      Also ab jetzt keine Aufregung mehr und das Leben genießen. Ich geb mein bestes. 🙂
      Drück dich zurück, alles Liebe aus Bangalore

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo Mädchen !
    Auch deine Mama hatte mit dem dreissigsten Geburtstag große Probleme. Immer war in meinem Kopf: jetzt gehst du auf die 40 zu. Und 40 war uralt. Dabei mußte ich dann feststellen, daß die besten Jahre zwischen 30 und 50 waren.
    Genieße deine Zeit, welche auch immer ist. 30 ist wirklich nur eine Zahl.

    Liken

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