#49 – Amma’s Ashram (Teil 4) / Mein Darshan – Umarmt und gesegnet von Amma

Eins gleich vorweg: Um von Amma Darshan zu empfangen bleibe ich extra bis 15. Mai 2019 im Ashram. Alleine schon deshalb, weil ich schon Tage zuvor merke welch eine besondere Sache es ist und ich natürlich extrem neugierig bin. Abgesehen davon, dass ich schon echt Glück habe im Ashram zu sein, wenn Amma gerade höchstpersönlich anwesend ist (da sie mehr als die Hälfte des Jahres international unterwegs ist) – Darshan zu empfangen scheint das höchste Gut zu sein, mit dem man das Ashram verlassen kann. Also – let’s do it!

Zu allererst: Was ist Darshan?

Darshan (Sanskrit) bedeutet „innere Version“, z.B. in der Erkenntnis tiefster Wahrheit. Es umschreibt auch das Sehen eines Satgurus oder einer Gottheit im Tempel, wordurch man gesegnet ist. In der Tradition konnte ein Suchender einen Satguru sehen, aber auf keinen Fall berühren. Ammas Darshan kehrt die indische Tradition um, denn sie berührt alle, die zu ihr kommen. Amma sagt, diese Umarmung entspräche ihrer Natur – einer Mutter, die ihren Kindern ihre Liebe zeigt. Dies ist sicherlich eine einzigartige Ausdrucksweise universeller Liebe (Wieder aus dem Informations-Ordner geklaut… 🙂
Hier gibt’s ein kurzes Video von Ammas Darshan auf YouTube

Erstmal einen Token besorgen

Weil ich erwarte, dass Massen internationaler Besucher Darshan empfangen werden, hirsche ich am großen Tag gleich nach meinem Seva-Dienst (Wäsche aufhängen) in die große Halle, um mir einen Token (ein Ticket) zu holen. Ihr müsst euch vorstellen… Es kommen die Menschen aus aller Herren (und Frauen) Länder ins Ashram an diesen Tagen. Und vor allem: aus ganz Indien. Und dann kommt natürlich nicht nur eine Person, sondern ganze Familien. Die Menschen kommen, weil sie Krankheiten haben, schwere Schicksale in der Familie, vor besonderen Herausforderungen stehen oder aus jeglichem anderen erdenkbaren Grund eine Segnung von Amma erhalten wollen. Sprich: Das Ashram ist viel voller als die Tage zuvor und überall wimmelt es nur so von Menschen.

Bei der Token-Ausgabe komme ich sofort dran und erhalte ein kleines foliertes Zettelchen mit der Aufschrift: C1. Was auch immer es bedeutet, ich muss es gut aufheben. Es wird erwartet, dass die internationalen Besucher „so ab 15 Uhr“ drankommen werden. Das kann auch später sein. Man weiß das nie so genau – je nachdem wieviel Zeit sich Amma für jede und jeden einzelnen nimmt…

Nach Frühstück, ein paar Stunden lesen, Yoga und einer Dusche (wenn Amma mich umarmt, möchte ich schließlich dufte sein…) mache ich mich gegen 15 Uhr auf zurück in die Halle. Noch sind indische Besucher dran… Gegen 18 Uhr soll es soweit sein.

Ich gehe inzwischen Mittagessen, buche neues Guthaben auf meine SIM-Karte und erledige ein paar Dinge. Dann setze ich mich in die Halle und beobachte die Umarmungen, die Amma vergibt. Alles läuft sehr geregelt ab. Einer nach dem anderen. Zack – zack – zack. Obwohl es recht flott dahingeht und einer nach dem anderen seinen Kopf auf Ammas Brust legt, sieht es so aus, als redet sie auch mit den Menschen… Plötzlich werde ich nervös: Muss ich da etwas was sagen?! Muss ich eigentlich irgendetwas wissen? Oder bestimmtes tun? Himmel… Ich bin gar nicht vorbereitet! Wie wird es mir gehen? Menschen, die auch sonst nichts empfunden haben, brechen teilweise in Tränen aus. Und ich? Zur Sicherheit frage ich bei der Token-Ausgabe nochmal nach. „Nein, du musst weder etwas wissen noch etwas sagen. Sei einfach du selbst.“, sagt die junge Frau zu mir. Nicht viel sicherer als vorher setze ich mich auf einen Stuhl und lese…

Wer möchte Prasad geben?

Während ich mich versuche zum Thema Yoga auf meinem e-Reader weiterzubilden, steht plötzlich eine Frau mit einem Schild vor mir und fragt, ob ich Prasad geben möchte. Ich habe KEINE Ahnung was sie damit meint, aber sie beruhigt mich mit: „Die erklären dir alles, keine Sorge. Wir suchen dringend Leute.“ Ich haste ihr hinterher und mein Blutdruck steigt. Bis ich wirklich verstehe um was es hier geht, bin ich auch schon auf der Bühne… Nicht, dass man da einen Auftritt hat. Man ist da mit vielen anderen Menschen. Aber immerhin ist man bei einem für so viele Menschen so wichtigen Ereignis so nahe an allem dran.

Das sieht dann so aus: Man geht von der Seite auf die Bühne und stellt sich an. Wenn nur zwei Personen vor einem sind, setzt man sich auf den Boden – ganz nah bei Amma in der Mitte der Bühne und rückt immer weiter vor. Wenn man dann tatsächlich dran ist, reicht einem eine Person daneben ein kleines Papiersäckchen, das man unauffällig an Amma weitergibt und ihr sachte (!) in die Hand legt. Zwei Minuten darf man das machen – dann kommt der oder die Nächste dran. Amma gibt das Päckchen als Prasad weiter an den oder die weiter, der sie gerade Darshan gegeben hat. Nachdem tatsächlich jeder Schritt begleitet wird, ist es halb so schlimm und immerhin habe ich jetzt mal gesehen was da beim Darshan passiert und fühle mich bereit endlich selbst dran zu kommen.

Mein Darshan

Das Warten hat tatsächlich irgendwann ein Ende. Statt 15 Uhr dürfen wir uns ab etwa 21 Uhr anstellen. Eine Engländerin (ich habe sie bereits in Varkala getroffen – so klein ist Südindien…) und ich sind gespannt was uns erwartet. Stuhl für Stuhl rücken wir erst in der Meditationshalle und, nachdem wir unsere Taschen abgegeben haben, auf der Bühne weiter. Ich muss noch zwei Mal zurückgehen, weil ich erst meinen Token und dann meine Garderoben-Nummer vergesse. Es hat sich in den letzten vier Monaten dahingehend nichts verändert…

Kurz bevor ich drankomme muss ich meine Sprache nennen und rücke gekniet vor Amma hinter den anderen auf. Als ich an der Reihe bin, lehne ich mich an Ammas Brust, sie umarmt mich für einen Moment und sagt auf Deutsch: „Meine Liebe, meine Liebe, meine Liebe.“ Dann lässt sie mich los, gibt mir Prasad und ich muss abrücken um für den Nächsten Platz zu machen. Kurz und knackig. Ich setze mich noch einen Moment zu den anderen Personen, die bereits dran waren auf die Bühne und lasse das Erlebnis nachwirken.

Fazit zu Amma’s Ashram

Als ich die Bewohner und Bewohnerinnen im Ashram gesehen habe und die ersten Tage deren Leben beobachten konnte, wünschte ich für einen langen Zeitraum bleiben oder wiederkommen zu können. Nach zwei Wochen im Ashram, in denen ich Amma einige Male gesehen und auch Darshan empfangen habe, habe ich das Gefühl, dass es nicht der richtige Platz für mich ist. Ich habe alle bewundert, die jeden Tag dort mit so viel Emotion und Leidenschaft leben und sich ganz als Ammas Schülerinnen und Schüler hingeben. Und zugleich habe ich keinerlei dieser oder ähnlicher Emotionen empfunden. Weder beim Darshan noch zu sonst einem Zeitpunkt.

Es war eine unglaublich spannende Erfahrung und ich bin wirklich dankbar für die Zeit dort, da ich einige Tage wirklich zur Ruhe gekommen bin und auch einfach einmal nichts getan oder noch besser: auf mein Bauchgefühl gehört habe (ja… ich… tatsächlich!). Abgesehen davon bin ich dankbar, dass ich mit meinem Fieber ausgerechnet dort und bei so hilfsbereiten, netten Menschen gelandet bin. Ein Wink des Schicksals…

Was WIRKLICH schade ist, ist dass ich keine Fotos für euch machen durfte… Aber das ist die beste Gelegenheit eurer Fantasie freien Lauf zu lassen – oder mir jede erdenkliche Fragen zu stellen, die hier dazu habt. 🙂

2 Kommentare zu „#49 – Amma’s Ashram (Teil 4) / Mein Darshan – Umarmt und gesegnet von Amma

  1. Dankeschön liebe anja für einen neuerlichen ausflug in ein so anderes land, andere kultur….andere bräuche…..war jetzt kurz bei dir….danke für den abstecher aus dem kalten, verregneten wien…in eine deiner indien-erfahrungs- geschichten…lg niki

    Gefällt 1 Person

    1. Mah… Danke liebe Niki! 🙂
      Wenn ich die Wärme schon nicht schicken kann, kann ich sie hoffentlich in 11 Tagen bei meinem Rückflug mitnehmen…

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