#48 – Amma’s Ashram (Teil 3) / (M)Ein Tag im Ashram

Nachdem ich auf der Orientierungstour das Gelände kennengelernt und mich vor dem Informationsbüro eingelesen habe, bin ich bereit das Leben in Amma’s Ashram zu entdecken!

Ich hoffe nach dem letzten Beitrag #47 – Amma’s Ashram (Teil 2) / Was ist eigentlich ein Ashram?! seid auch ihr startklar…?

Grundsätzlich gibt es einen Zeitplan, den man auch als Besucher im Ashram folgen kann/darf/soll, der da ist:

04:50 Uhr Homa (rituelle Gottesverehrung mit Feuer) oder Archana (1.000 Namen der göttlichen Mutter)
06:00 Uhr Gratis-Chai (man muss seine eigene Tasse mitbringen)
07:15 Uhr Yoga (Drei Tage die Woche gibt es 90 Minuten Yoga-Unterricht in der Früh)
09:00 Uhr Frühstück
10:00 Uhr Puja (rituelle Gottesverehrung mit Blumen) oder Archana
13:00 Uhr Mittagessen
16:00 Uhr Gratis-Chai (man muss seine eigene Tasse mitbringen)
17:00 Uhr Meditation am Strand (individuell)
18:00 Uhr Homa im Kalari (Geburtshaus von Amma): rituelle Gottesverehrung mit Feuer
18:30 Uhr Bhajans in der großen Meditationshalle: Hingebungsvolle Gesänge
20:00 Uhr Abendessen
21:15 Uhr Schriftenklassen: Bhagavad Gita (eine der zentralen Schriften des Hinduismus) auf Englisch

Und was davon hab ich nun gemacht?

No worries… Es klingt viel stressiger als es ist. Zumal ja auch alles freiwillig ist und sich Dinge am Tag wiederholen.

Mein Tag sah meistens in etwa so aus:
07:30 Uhr Aufstehen
08:00 Uhr Seva
Vormittag Yoga, Lesen, in die Luft schauen, strandeln
13:00 Uhr Mittagessen
Nachmittag Seva, Lesen, in die Luft schauen, strandeln, schlafen
17:00 Uhr Meditation am Strand inkl. laaaaaaangem „einfach-nur-auf’s-Meer-schauen“
18:30 Bhajans (oder etwas später, wenn ich mich nicht vom Strand losreißen konnte)
20:00 Uhr Abendessen

Chillig, ne?

Dazwischen gebe ich mein bestes ganz spontan zu entscheiden auf was ich gerade Lust habe, schlafe viel und versuche in mich hineinzuhören. Ich mache auch einen 3-stündigen Meditationskurs, besuche eine Yogastunde, gehe zum Astrologen und versuche alles zumindest einmal auszuprobieren. Das Handy habe ich für Notizen etc. zwar dabei, nutze aber Social Media (fast) nur abends. Das ist echt entschleunigend, sag ich euch!

Und was bedeutet das alles?! Und wie war’s?!

Homa/Puja

Puja bedeutet „Verehrung“. Zwei Arten von Pujas werden hier durchgeführt: eine Art beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Planeten und die andere Art verehrt Gottheiten, d.h. verschiedene Aspekte Gottes. Während einer Puja werden Gesänge und Gesten mit größter Genauigkeit entsprechend den vedischen Vorgaben ausgeführt. Planetenpujas werden zur Minderung negativer Einflüsse durchgeführt, in der Regel nach einer astrologischen Beratung. Vor vielen Jahren berief Amma auch Frauen als Pujaris zum Dienst in ihren Tempeln, zu dieser Zeit stand die Gesellschaft dem noch sehr skeptisch gegenüber.

Meine Erfahrung:
Als der Wecker um 04:30 Uhr läutet, hoffe ich noch zu träumen… Trotz unendlicher Müdigkeit in der Dunkelheit aus dem Bett gequält und zur Puja um 05:00 Uhr gewackelt. Und ich sage euch: Die Stimmung war einmalig! Gerade noch dunkel, das Feuer, die Gebete und Gesten. Zuvor habe ich mich glücklicherweise kurz zur Zeremonie eingelesen. Andernfalls fragt man sich was da alles passiert mit so viel Wasser, Reis, Blumen, Feuer,… Aber auch wenn man nicht ganz mitkommt: Wunderschön einfach nur zu beobachten und zuzuhören. Da zahlt sich der Wecker um 04:30 Uhr sowas von aus! … Und das sage ich, Morgenmuffel vom Dienst.

Für mich selbst habe ich keine Puja in Anspruch genommen. Der Astrologe, bei dem ich war hätte mir zwar eine empfohlen, aber habe dann aufgrund echt hoher Kosten und Zeitmangels darauf verzichtet.

Mehr Infos:
https://wiki.yoga-vidya.de/Homa
https://wiki.yoga-vidya.de/Puja

Archana

Archana bedeutet „verehren“. Das Archana fördert die Liebe für den Schöpfer durch die Lobpreisung der mannigfaltigen göttlichen Erscheinungen, die alle als ein Name Gottes rezidiert werden. Die Zeit vor Tagesanbruch ist am besten für spirituelle Praktiken, da dann die Schwingungen in der Natur ruhiger sind. In Amritapuri wird das Archana ab 04:50 Uhr gechantet.

Meine Erfahrung:
Der Weckruf zu Archana war nicht erfreulicher um 04:20 Uhr… Aber man will sich ja schließlich nichts entgehen lassen. Habe mir sogar das Buch mit den 1.000 Namen und der deutschen Übersetzung zugelegt. Mitreden konnte ich in dem hohen Tempo unter keinen Umständen. Manchmal habe ich auch die Zeile verloren und ein paar Minuten gebraucht die richtige wieder zu finden (und das um 5 Uhr morgens wohlbemerkt…). Bei 90 Minuten darf das aber auch mal vorkommen… 😉 Da mir der persönlich Zugang zu Amma fehlte, habe ich am nächsten Morgen bei einer Homa teilgenommen. … Und die restlichen Tage um diese Uhrzeit – um es gerade raus zu sagen – noch geschlafen.
Trotz allem bin ich froh es miterlebt zu haben und beobachten konnte (daher auch die Zeile verloren…) wie sich die Bewohnerinnen (im Kali-Tempel nur Frauen erlaubt für Archana in der Früh) der Verehrung hingeben.

Seva

Seva ist selbstloser Dienst. Manchmal wird es auch Karma Yoga genannt. Im Ashram werden alle Arbeiten (den Haushalt betreffend) von den Bewohnern durchgeführt. Darunter fallen alle Dienste in den Shops, Kantinen, Küchen, Wäscherei, … Jeder Bewohner ist angehalten zumindest 1-2 Stunden Seva pro Tag zu leisten. Es ist allerdings keine Verpflichtung. Grundsätzlich geht es darum Dienste zu leisten ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Meine Erfahrung:
Ich wurde an einem meiner ersten Tage zurück in der Zivilisation abends angesprochen, ob ich am nächsten Tag ein „One-Time-Seva“ (wenn kurzfristig wo Unterstützung benötigt wird, geht jemand mit kleinem Whiteboard durch das Ashram und sucht nach Freiwilligen) leisten kann. Also einmal aushelfen. Habe mich da für’s Wäscheaufhängen (was zu Hause für viel Schmunzeln und sogar Gelächter gesorgt hat… =P) entschieden. Das habe ich dann bis zum Schluss fast täglich gemacht. Auf der Dachterrasse im 11. Stock – hab das echt genossen. Außerdem habe ich einmal in der Bibliothek geholfen Bücher zu putzen, da sie nach der Renovierung komplett eingestaubt sind. Ich habe in 1,5 Stunden 1,5 Regalfächer geschafft. Muss ich noch etwas sagen? 😉

Mehr Infos:
https://wiki.yoga-vidya.de/Seva

Bhajans

Bhajans sind hingebungsvolle, poetische Lieder; das Bhajan-Singen beginnt um 18:30 Uhr. Es wird gemeinsam gesungen, in den Liedern drückt sich die Liebe und Sehnsucht nach Gott aus. Amma sagt, in dieser Zeit, in der nur wenige Menschen meditieren können, ist das Bhajan-Singen die effektivste spirituelle Praxis. Das Singen fördert die Konzentration sowie die Liebe zu Gott. Bhajans führen die Suchenden direkt zur inneren Präsenz Gottes.

Meine Erfahrung:
Bei den Bhajans habe ich fast jeden Abend teilgenommen und sogar das eine oder andere Lied versucht mitzusingen (gaaaaanz leise… eher nur Lippen bewegt…). Auf riesigen Leinwänden wurde die englische Übersetzung angezeigt, damit man auch weiß was man da singt. Auch wenn ich die Text nicht in dem Sinn „gefühlt“ habe, hatte alleine die Musik tatsächlich meditativen Charakter, weshalb ich es mir auch nur selten entgehen habe lassen…

Mehr Infos:
https://wiki.yoga-vidya.de/Bhajan

Prasad

Prasad bedeutet „ein Geschenk Gottes“. Solch ein Geschenk ist geheiligt und damit ein Segen. Das kann beispielsweise das bei einer Puja geopferte Essen und die Blüten sein, das durch die hingebungsvolle Verehrung mit göttlichem Bewusstsein aufgeladen und als Prasad zurückgegeben wird.

Meine Erfahrung:
Dienstag ist im Ashram „Meditationstag“ und es haben nur ganz wenige Geschäfte ab Mittags offen, es findet kein Seva statt und man versucht so wenig wie möglich zu sprechen (von letzterem habe ich weniger gemerkt…). Da ich Glück habe und Amma zur Zeit im Ashram ist, gibt es um die Mittagszeit in der großen Halle gemeinsame Meditation und anschließend Prasad für alle. Vorne werden für Hunderte (oder mehr als Tausend…???) Menschen Metallteller mit Essen beladen und bis ganz nach hinten durchgereicht. Alle Menschen warten bis ALLE bekommen haben (ja, das kann bei mehr als Tausend lange dauern…) und essen dann gemeinsam. Ganz eine besondere Stimmung!

Mehr Infos:
https://wiki.yoga-vidya.de/Prasad

Im letzten und folgenden Beitrag zum Ashram gibt’s dann noch meine Erfahrung des Darshan (Segnung) von Amma, bei der ich teilnehmen konnte – was echt ein wahnsinniges Glück ist, da sie ja selten im Ashram anzutreffen ist… Gespannt?

5 Kommentare zu „#48 – Amma’s Ashram (Teil 3) / (M)Ein Tag im Ashram

  1. Liebe Anja,

    auch ich musste beim Wäsche aufhängen sehr schmunzeln. Und soll ich dir was sagen? Auch ich hätte mich fix dafür entschieden!

    Ich wünsch dir noch eine gute Zeit!
    Bussi.

    Gefällt 1 Person

  2. In diese fremde Welt einzutauchen , muß schon spannend sein und gleichzeitig auch vielleicht entspannend ?
    In all den neuen Wörten und Bezeichnungen so etwas wie Wäsche aufhängen und Bücher abstauben zu finden, beruhigt mich.

    Weiter so eine abwechsungsreiche Reise wünscht dir Mama

    Gefällt 1 Person

  3. Hi Anja, freut uns, dass Dich Deine Reise jetzt doch zu Amma geführt, sind neugierig auf Deine weiteren Erfahrungen.
    Om Namah Shivaya
    Monika und Udo

    Gefällt 1 Person

    1. Oh! Ich freue mich sehr von euch zu lesen! 🙂
      Vielen Dank nochmal für eure Erfahrungsberichte und den Tipp das Ashram zu besuchen. Habe oft an euch gedacht!
      Ganz liebe Grüße nach Deutschland

      Liken

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