#47 – Amma’s Ashram (Teil 2) / Was ist eigentlich ein Ashram?!

Nachdem ich mich also nach drei Tagen im Bett wieder langsam ans Tageslicht und in die Zivilisation traue, muss ich erst einmal ankommen und mich langsam einfinden. Abgesehen davon, dass ich noch unglaublich schwach, müde und langsam bin – hier ist alles so fremd. Die meisten tragen komplett weißes Gewand (1. Warum?! 2. Wie halten sie es hier so weiß…?) und laufen geschäftig mit Metall-Dosen über das Gelände (Was ist da drinnen?). Vielen tragen diesen Punkt auf der Stirn – manche schwarz, andere weiß und fast alle haben eine große Nuss als Kette um den Hals gebunden. Niemand sagt „Hallo“, „Bye“ oder „Sorry“, sondern ausschließlich „Namah Shivaya“. Einige chanten unaufhörlich Manten beim Gehen oder Sitzen, andere sind mit einem Polster im Beutel über der Schulter offenbar auf dem Weg zum Meditieren (wohin?). … Und was mache ich hier eigentlich?!

Erste Orientierung

Eine erste Abhilfe schafft die Orientierungstour um 17 Uhr. Wir sehen einen Film über das Ashram und Ammas Tätigkeiten. Danach werden wir übers Gelände geführt, das einer kleinen Stadt gleicht. Es gibt ein Krankenhaus (haben wir ja schon kennengelernt), eine Yogaschule, eine Meditationsschule, Astrologen, Massagen, einen kleinen Supermarkt (hier gibt es so gut wie alles), einen Öko-Laden, einen Bankomaten, eine Stelle für alles mögliche SIM-Karten und Handys betreffend. Auch kulinarisch hat man viele Möglichkeiten: Von einem Kokosnuss-Stand über einen Obst- und Gemüsehändler bis hin zu einer indischen und einer westlichen Kantine – da bleibt kein Gusto ungestillt… Im ersten Stock des Tempels findet man dann auch ein Informationsbüro, einen Geschenkeshop, einen Secondhand-Laden und eine Bücherei gibt es ebenfalls. Ich sage ja: eine kleine Stadt…

Jetzt weiß ich zwar was es alles gibt, aber frage mich dennoch was ich denn nun den ganzen Tag hier machen werde und was es mit den Menschen hier auf sich hat… Vor dem Informationsbüro kann ich das meiste in diversen Ordnern und Broschüren nachlesen. Und da sich einige von euch vielleicht auch schon seit dem letzten Beitrag fragen: „Was ist eigentlich ein Ashram?!“ gibt’s hier ein paar Basic-Infos aus den Ordnern abgetippt.

Das Ashram-1×1

Ashram

Ein Ashram ist ein Ort, an dem spirituell suchende Menschen mit einem Guru leben. Ashram bedeutet „Anstregung“ und dies bezieht sich auf das Streben nach der Einheit mit Gott. Guru bedeutet „der die Dunkelheit vertreibt“. Gemeint ist damit die Dunkelheit der Unwissenheit und negative Charakterzüge, die den Suchenden von der Erkenntnis des wahren Selbst abhalten.

Mata Amritanandamayi Math

Das Ashram, in dem ich derzeit bin, heißt Mata Amritanandamayi Math. Math bedeutet Kloster und stellt die legale Institution dar, das Management des Ashrams.

Mata Amritanandamayi bedeutet „Mutter unsterblicher Wonne“. Dieser wonnevolle Bewusstseinszustand erwacht, wenn ein Suchender das wahre Selbst erkannt hat. Der Sanskrit-Name wurde Amma von ihren ersten Schülern gegeben. „Amma“ bedeutet „Mutter“.

Und Mata Amritanandamayi bzw. Amma ist der Guru dieses Ashrams. Sie lebt grundsätzlich hier, ist aber mehr als die Hälfte des Jahres auf Reisen um die ganze Welt.

Mönchstum / Sannyasis und Swamis

Sannyasi und Sannyasini sind die Bezeichnung für Mönch und Nonne. In Indien bedeutet das Mönchstum, allen persönlichen Wünschen zu entsagen und der Menschheit im Wissen um das wahre Selbst zu dienen.

(…)

Der Satguru ist eine Verkörperung der Wahrheit und seine Füße sind das symbolische Fundament dieser Wahrheit. Deshalb werden die Füße, Sandalen oder Imitate der Füße des Gurus verehrt. Wir verneigen uns (machen Pranam) vor einem Heiligen indem wir die Füße berühren. Auch als Gruß im Alltag neigen wir unseren Kopf mit vor dem Herz gefalteten oder zur Stirn gehobenen Händen.

Wenn Amma bei einer Veranstaltung ihren Platz einnimmt, legt sie die Hände zusammen und hebt sie zu Gruß über den Kopf, dann verneigt sie sich zum Boden vor der göttlichen Präsenz in uns allen, bevor sie sich setzt. Dies drückt Ammas große Demut, ihre Bescheidenheit sowie ihr Selbstverständnis als Diener ihrer Kinder aus.

Der Gruß „Om Namah Shivaya“

„Om Namah Shivaya“ bedeutet „Ich grüße den Glücksverheißenden“. Im spirituellen Leben grüßen wir Gott in jedem Anderen. Amma rät ihren Devotees diesen Ausdruck ständig statt „danke“, „hallo“, „tschüss“, „Entschuldigung“ etc. zu benutzen. Dies hilf ständig an Gott zu denken und auch um Respekt zu empfinden.

Ich denke es ist ähnlich wie bei uns ein „Grüß Gott“.

Zeichen auf der Stirn

Die Zeichen auf der Stirn heißen „Tilak“. Amma sagt, so wie ein Liebender durch ein Kleid an seine geliebte Partnerin erinnert wird, so erinnert uns das Tilak an Gott. Das Tilak ist ein glückverheißendes Zeichen. Es wird zwischen den Augenbrauen angebracht, diese Stelle heißt Bhumadhya, ein Nervenzentrum, das dem sechsten Chakra entspricht, dem Energiezentrum nahe der Zirbeldrüse. Das Tilak kann aus gesegneter Asche bestehen (Vibuti), Sandelholzpaste oder Kumkum (rotes Kurkuma-Pulver). Es ist auch möglich, alle drei Sachen nacheinander aufzutragen.

DAS TRAGEN VON MALAS: RUDRAKSCHA PERLEN

Eine Mala besteht aus 54 oder 108 Perlen, die auf einer Schnur aufgezogen sind. Sie ist ein Symbol für die Verbindung zum göttlichen Bewusstsein. Der Rudrakscha-Baum wird als heilig angesehen, seine Früchte werden von spirituell Suchenden als eine ständige Erinnerung an Gott getragen. Rudrakscha-Früchte werden einzeln getragen oder als Mala. Es heißt sie fördern die Meditation, ihre elektromagnetische Kraft verbessert die Konzentration und vermindert Stress. In Legenden werden die Rudrakscha-Früchte als Rudras (Shivas) Tränen bezeichnet. Es gibt viele verschiedene Geschichten dazu. Die Oberfläche der Rudkrashka-Frucht ist nussartig knotig und kann bis zu 14 Segmente aufweisen. Am häufigsten ist die Rudraksha mit fünf Segmenten.

DAS AUSZIEHEN DER SCHUHE

An Schuhen hält sich der Schmutz, sie sind unrein und ein Symbol für das Ego. Deshalb ziehen wir sie aus, bevor wir einen Ort der Verehrung betreten. Auch das haus oder ein Schlafplatz wird ohne Schuhe betreten.

Das Tragen weißer Kleidung

Weiß ist ein Symbol der Reinheit und des Friedens. Spirituell Suchende tragen weiß zur Erinnerung an das spirituelle Ziel. Viele Leute, die zu Amma kommen, tragen weiß, doch es ist dies keine Pflicht. Nur wenn Amma auf ihren Touren durch Indien mit einer großen Gruppe internationaler Bewohner, Besucher sowie ihren Schülern reist, sollten alle unterwegs und bei den Programmen weiß tragen.

… Ich denke das ist für’s erste genug Information. 😉

Wer noch etwas nachlesen möchte:
Website von Amma
Website vom Ashram

Im nächsten Beitrag gibt’s zu lesen wie ich meine Tage im Ashram verbracht habe.
Also: Dran bleiben!

3 Kommentare zu „#47 – Amma’s Ashram (Teil 2) / Was ist eigentlich ein Ashram?!

  1. Liebe Anja,

    jetzt hab ich aber viel Neues gelernt. Danke!

    Dieser Öko-Laden tät mich interessieren. Sind das so Art Reformhäuser oder wie?

    Bin schon gespannt auf deinen nächsten Artikel! Bussi.

    Gefällt 1 Person

    1. Du wirst lachen… Ich hab soooo an dich gedacht in dem Laden! 🙂 Ja naja… Also viiiiiiiiiiel kleiner. Gibt verschiedene Lebensmittel und Zeugs von bis – also öko eben.

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