#46 – Amma’s Ashram (Teil 1) / Vom Check-In ins Krankenhaus

Von Alleppey sollte es am 04. Mai 2019 also endlich in ein Ashram gehen. Nachdem es mit Sivananda nicht sein sollte, nehme ich mir vor Amma’s Ort kennenzulernen. Mit gemischten Gefühlen registriere ich mich ein paar Tage zuvor auf der Website. Warum gemischt? Weil Monika und Udo (in Varkala kennengelernt) uuuuunendlich darüber geschwärmt haben. Und Cristina (ebenfalls in Varkala kennengelernt) vor lauter Schreck nach zwei Tagen bei Amma gleich wieder abgereist ist. Menschen, Meinungen und Gefühle sind verschieden wie wir inzwischen wissen. Also bin ich extrem gespannt wie es wohl für mich wird.

Nachdem mich am Abreisetag nach langer Zeit wieder starker Durchfall ereilt, mache ich mich erst zu Mittag mit viel imodium akut im Blut auf den Weg. Weil ich’s ja jetzt schon gewohnt bin frage ich mich durch und nehme den öffentlichen Bus. Von Minute zu Minute fühle ich mich müder und schwacher, schiebe es aber auf den leeren Magen und die Hitze…

Im Ashram angekommen entscheide ich mich für ein Dreibett-Zimmer und bin froh mich endlich hinlegen zu können und beginne an einem Vollkornbrot, aus meinem Geburtstagspaket der lieben Familie Brauneis, Nachbarn meiner Eltern, zu knabbern. Als dann die Mitbewohnerin das Zimmer verlässt und ich alleine bin, beginnen die Tränen zu kullern. Ich bin komplett fertig. Ich habe das Gefühl in meinem Leben noch nie so schwach und müde gewesen zu sein und nicke irgendwann ein paar Minuten ein. Als ich aufwache glüht mein Gesicht. Oder mein ganzer Körper? Ich fühle mich nichtmal fähig die Toilette aufzusuchen. Ich werde doch nicht krank sein?!

Krankenhaus statt Orientierungstour

Kurz vor 17 Uhr quäle ich mich doch aus dem Bett und stapfe zum Tempel, bei dem die Orientierungstour (es ist hier wie in einer eigenen Stadt!!!) stattfindet. Der schweizer Tourguide klage ich mein Leid und da ich alleine wäre und ihrem Blick nach zu urteilen tatsächlich nicht gut aussehe, bringt sie mich ins ashram-eigene Krankenhaus. Leider ist die Ärztin gerade gegangen – ich muss um 21 Uhr wiederkommen. Die Zeit nutze ich um mich in ein Einzelzimmer legen zu lassen. In meinem Zustand wohl die angenehmere Variante…

Kurz vor 21 Uhr sitze ich wieder vorm Arztzimmer. Keine Ahnung wie lange ich von meinem Zimmer dorthin gebraucht habe, aber es fühlte sich ewig an. Nur kleine langsame Schritte waren möglich. Und wer mich kennt: Ich gehe nie langsam.

Hier läuft das mit dem Vorsprechen beim Arzt etwas anders ab… Ganz egal, dass ich schon 15 Minuten warte und die zweite war. Ein Haufen Inderinnen und Inder gehen einfach vor mir rein – bis ich mich dazwischen quetsche. Und auch nicht, dass ihr denkt das ist vertraulich hier… Manchmal sind zwei bis drei Patienten im kleinen Untersuchungsraum und klagen ihr Leid. Der Rest sieht durch die offene Türe draußen zu. In meinem Zustand ist mir aber tatsächlich alles egal – abgesehen davon, dass mich in Indien schon nichts mehr überraschen kann, glaube ich… 😉

Diagnose… und ab ins Krankenbett

Die Ärztin ist total entsetzt: 39 Grad Fieber. Als ihr erzähle, dass ich morgens Durchfall hatte, schickt sie mich hinüber die Erstaufnahme und ich darf in einem Krankenbett Platz nehmen. Offenbar habe ich einen Virus. Verhältnismäßig ist es sauber. Ich glaube aber in meinem Bett ist schon jemand zuvor gelegen. Aber auch das ist mir in dem Moment egal. Ich denke erst sowieso, dass ich hier nur auf meine Medikamente warte. Dann liege ich da insgesamt sicher zwei Stunden. Eine deutsche Krankenschwester kümmert sich sehr lieb um mich und verabreicht mir eine Unmenge an Medikamenten – gegen Durchfall, gegen Fieber,… Die Schweizerin ist auch inzwischen gekommen, um nach mir zu sehen und bringt mir Kekse und Joghurt, da ich auf leeren Magen keine Tabletten nehmen darf. Ich fühle mich wirklich gut aufgehoben und bin unendlich froh, als ich rasch merke wie die Medikamente wirken.

Kurz bleibt mir das Herz stehen, als ich Krankenschwester sagt, dass ich über Nacht hier bleiben soll. Es geht mir zwar besser, aber das Fieber ist noch hoch. „Äääähmmm… Ich fühle mich wirklich gut genug um in meinem Zimmer zu schlafen.“, probiere ich sie zu überzeugen. Zum Glück stimmt die Ärztin später zu und gegen Mitternacht liege ich in meinem eigenen Bett.

Da bleibe ich auch die nächsten drei Tage. Pendle nur zwischen Krankenhaus, Apotheke, Supermarkt und meinem Zimmer. Ernähre mich von Kräckern, Joghurt und Wasser. Fühle mich erledigt wie noch nie und freue mich über jeden Morgen, an dem ich merke, dass es schon besser geht.

Aktueller Stand der Dinge

Die gute Nachricht: Durch die Unplanbarkeit habe ich wieder etwas Neues in Indien gelernt und gesehen. Ich lege also auch diese Erfahrung unter „bereichernd“ in meinem Gedächtnis ab. 😉 Inzwischen mache ich wieder täglich Yoga und kann mich normalen Schrittes bewegen, nehme am Ashram-Leben teil und sauge auf, was es aufzusaugen gibt. Wie mein Tag im Ashram so aussieht? … Das ist einen eigenen Blogbeitrag wert. Stay tuned… 🙂

P.S.: Da hier fotografieren strengstens verboten ist, gibt’s leider keine Bilder…

12 Kommentare zu „#46 – Amma’s Ashram (Teil 1) / Vom Check-In ins Krankenhaus

  1. Ooohhh mein Gott – liebe Anja – das klingt „gelesen“ schon ziemlich hart – gut, dass du am Weg der Besserung bist – alles Gute – und hoffenltich bleibt diese unplanbare, ungeplante Erfahrung die allerletzte ihrer Art –
    noch a schöne Zeit…lg Niki

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  2. Erhole dich weiter von dieser unnötigen Erfahrung.
    Freu mich schon, wenn du wieder da bist!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Vielen lieben Dank für deine Blumengrüße zum Muttertag. Hab dich lieb.

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