#40 – Von bereichernden Begegnungen auf Reisen / Good Vibes auf unplanbar.com

Nachdem die letzten Beiträge – bis auf den letzten – ja eher von Negativität geprägt waren und es sogar offenbar so geklungen hat, als ginge es mir gar nicht gut war mir klar: es ist mal wieder Zeit für positive Energie und ein paar Good Vibes bei unplanbar.com.

Dazu habe ich mein Standby-Hirn nach schönen Dingen dieser Reise durchforstet und bin gleich beim ersten – oder chronologisch letzten – hängengeblieben: Bereichernde Begegnungenauf meiner Reise.

Viele Begegnungen ganz allgemein zähle ich zu den Vorteilen des Alleinreisens. Es passiert oft, dass man – vor allem mit anderen Alleinreisenden – ins Gespräch kommt. Und vor allem in Indien scheint es mir, dass auch viele aus mehr oder weniger denselben Gründen hier sind. Selten sind es Begegnungen, die ich mir sich vielleicht lieber erspart hätte.

Erspart hätte ich mir manchmal gerne die beinahe minütliche Frage nach einem gemeinsamen Foto oder Selfie – vor allem im Norden. Sie meinen es ja gar nicht böse und freuen sich riesig, wenn sie eines machen dürfen. Würde ich aber auf jedes Selfie eingehen, wäre ich vermutlich immer noch im Norden unterwegs… 😉 Wenn es jedoch gerade nicht zu oft war und das Bauchgefühl gepasst hat, haben wir dann tatsächlich eines gemacht. Und bei der Gelegenheit habe ich ab und zu mein Handy auch gleich gezückt. Das strahlende Gesicht und der stolze Blick aufs Foto von den Personen lässt mich für einen Moment fast wie einen Star fühlen. 😉

Andere Begegnungen sind oberflächliche Unterhaltungen über bisher Gesehenes und Erlebtes. Manchmal fragt man sich gegenseitig nicht einmal nach dem Namen und vielleicht bleiben einem von dem Gespräch ausschließlich Dinge hängen, die man gedanklich in seine „Das-könnte-ich-mir-auch-noch-ansehen-Liste“ aufnimmt. So gut wie immer konnte ich aber zumindest irgendwas aus den Gesprächen mitnehmen oder mitgeben und empfinde beides als total bereichernd.

Manchmal sind es dann Begegnungen, bei denen gar nicht viel Austausch passiert, die aber so nett, überraschend, lustig, unerwartet oder Ähnliches sind, dass sie sich ins Gedächtnis brennen. Bei mir waren das beispielsweise zwei kleine Kinder auf dem Weg von Mysore nach Bangalore mit dem Zug in der Generalclass. Die beiden saßen hinter mir, wir haben außer „What’s your name?“ und „Where do you come from?“ nichts miteinander geredet, aber ausreichend Faxen gemacht, uns durch Grimassen, Gestiken und Mimiken verständigt, wodurch die Zugfahrt deutlich kurzweiliger wurde. Ich wurde sogar mit einem Stück Schokolade beschenkt.

Überrascht von solchen Momenten in Verbindung mit Hilfsbereitschaft war ich tatsächlich relativ oft: Da wäre das junge indische Mädchen, die mir beim Zug behilflich war, als wir beide das erste Mal mit der Generalclass unterwegs waren und mit vielen Anderen um einen Sitzplatz kämpfen mussten. Aber auch von einem jungen Mann am Bahnhof, der merkte, dass ich einer Familie Fragen stellte, die mich aber nicht verstehen konnte und er schlussendlich kurz auf mein Gepäck aufpasste während ich mir einen Snack holte. Oder der nette Fahrer, der mir seine ID-Karte geliehen hat, um eine neue SIM-Karte zu bekommen. … Und das ist wirklich nur eine kleine Auswahl.

Von der ganz besonderen Begegnung mit Sonali und Sudhanshu habe ich euch ja schon berichtet: #35 – Reisebericht Panjim (Panaji) – Mein Highlight: Von einem ungeplanten Wiedersehen und unglaublich herzlicher Gastfreundschaft

Und auch von der besonderen Begegnung mit Isabella, aus der zwei Tattoos gefolgt sind: #15 – Es gibt keine Zufälle oder auch: Tätowieren in Indien?

Weiters gibt es auch so richtig gute, lange, intensive Gespräche. Eines davon hatte ich letzte Woche mit Cristina aus Portugal. Kennengelernt haben wir uns, da sie bei uns im Ayurvedic Retreat zwei Nächte zu Gast war. Bei einem längeren Gespräch an der Rezeption bei ihrem Check-Out haben wir schon festgestellt, dass es einige Parallelen unserer Reisen und Persönlichkeiten gibt. Zufällig sind wir uns dann in einem Café am Kliff nochmal begegnet. Eigentlich war ich gerade am Gehen und sie wollte sich nur kurz zu mir setzen. Mehr als fünf Stunden, einen Mojito und etlichen geteilten Gedanken später haben wir uns nach 22 Uhr dann auf den Heimweg begeben. Das Gespräch war so intensiv (im Positiven natürlich und noch dazu auf Englisch), dass ich danach ganz groggy war (oder war es der Mojito?! =P).

Fast ein wenig unheimlich war auch die Ähnlichkeit mit Karin, die ich gleich zu Beginn meiner Yogalehrerausbildung Ende Jänner kennengelernt habe und mit der alles sofort total vertraut war. Nicht nur, dass wir beide aus Österreich kommen, dasselbe Armband tragen und Italien lieben – bei vielen Themen können wir nur ergänzen: „Das seh’ ich ganz genauso…“ / „Nein – echt? Das habe ich auch gemacht.“ / „Wirklich? Das wollte ich auch schon immer mal probieren.“ Das kam so oft vor, dass wir manchmal nur noch den Kopf schütteln und lächeln konnten…

Fragen, die mich wirklich zum Nachdenken gebracht haben hat mir Abhi gestellt. Er leitet das Ayurvedic Retreat, in dem ich zuletzt ein bisschen ausgeholfen habe. Niemals hätte ich ihn fast zehn Jahre jünger geschätzt als ich bin – weder vom Äußeren noch von seinen Denkansätzen. Unsere Themen waren vor allem welche, die uns gerade beschäftigen oder über die man richtig gut philosophieren und nachdenken kann – zum Beispiel über das Führen einer Fernbeziehung (seine Freundin ist Deutsche und erwartet gerade ein Baby von ihm), die Unplanbarkeit des Lebens und wie unsere Partner ungeplant in unsere Leben gestolpert sind, das eigene Alter, der Angst etwas zu verpassen, dem Sinn des Lebens, Meditation, die indische Kultur,… Über die Aussage: „You have to happen to the things, situations, places and people. And not let them happen to you.“, werde ich noch einige Zeit nachdenken (müssen). Ganz gesickert ist er noch nicht… 😉 Abhi war mir auch behilflich bzgl. des Dilemmas mit meiner SIM-Karte und hat mir gelernt selbst indisches Curry und Chapati zu machen. Außerdem hat er dafür gesorgt – wie so viele andere Inder auch – dass ich merke wie ungeduldig ich bin. Ein Treffpunkt um 19 Uhr bedeutet nicht, dass man sich tatsächlich um 19 Uhr trifft. Und eine Abfahrt um 9 Uhr bedeutet nicht, dass man tatsächlich um 9 Uhr losfährt. (Ob das jetzt ein Kompliment ist oder nicht lasse ich dahingestellt. =P)

Eine ganz unerwartet unglaubliche herzliche Begegnung hatte ich zuletzt auch mit einem deutschen Paar, die einen Monat zu Gast im Ayurvedic Retreat waren. Wir haben einige lange Gespräche geführt, in denen wir vor allem unsere Erfahrungen mit und in Indien geteilt haben. Sie waren es, die mir ein Ashram in der Nähe von Kochi „schmackhaft“ gemacht haben und das ich gerne noch besuchen möchte… Ich bin gespannt, ob es diesmal sein soll. 😉

Die letzte bereichernde Begegnung war der Engländer, der mit mir im falschen Zug gesessen ist – siehe #39 – unplanbar.com Deluxe / Jetzt mache ich dem Blognamen alle Ehre. Dank ihm musste ich nicht alleine mitten in der Nacht in Indien spontan eine Unterkunft finden und meinen Weg dorthin machen. Das war echt ein Glück! Und noch dazu konnte ich meine Scheu und Vorurteile gegenüber Hostels abbauen.

Manche dieser Begegnungen werden mir in Erinnerung bleiben, andere weniger. Von manchen Menschen dieser Begegnungen konnte ich etwas mitnehmen, anderen konnte ich etwas mitgeben. Mit manchen Menschen dieser Menschen werde ich vielleicht regelmäßig Kontakt halten, mit anderen spärlich, mit wieder anderen gar nicht. Manche dieser Menschen werde ich vielleicht zufällig wieder treffen, andere geplant, wieder andere gar nicht. Was aber alle gemeinsam haben ist, dass sie auf irgendeine Weise Teil meiner Reise sind und sie bereichert haben.

… In diesem Sinne bin ich gespannt welche Begegnungen in den kommenden Wochen noch auf mich warten! 🙂

8 Kommentare zu „#40 – Von bereichernden Begegnungen auf Reisen / Good Vibes auf unplanbar.com

  1. Soooo schön!!! Das ist auch meine Erfahrung vom Allein- Reisen (glaube mich an so Worte von mir an dich in deinem Vorzimmer zu erinnern: ganz allein wirst nie sein, irgendwen trifft man immer ;))
    Wünsch dir noch viele berührende und bewegende Begegnung!

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  2. Liebe Anja,

    ich habe deine letzten Einträge eigentlich nicht als so negativ empfunden. Es war vielleicht ärgerlich. Und hat viel Zeit gekostet. Und Geduld. Aber so wie du schreibst, merke ich, dass es dir gut geht. Da müsste ich mich schon sehr täuschen, glaube ich?!

    Wenn man lange auf Reisen ist, gibt es nun mal auch Erlebnisse (manchmal ein paar hintereinander), die nicht so toll sind.
    Das ist auch im Alltag daheim so. Und eben auch im Nicht-Alltag. Denk ich mal. So irgendwie. So ungefähr.

    Momentan befüllst du den Blog ja sehr, sehr fleißig. Das freut mich natürlich weil ich so gerne von dir lese. Aber schau halt, dass du auch wieder bei dir und für dich bist.
    Denk nicht zu viel an uns.

    Großes Bussi aus dem kalten, regnerischen, grauen Wien.

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