#39 – unplanbar.com Deluxe / Jetzt mache ich dem Blognamen alle Ehre

Die ersten zwei Monate meiner Reise lief soweit alles „nach Plan“. Auch wenn ich dachte ich bin ungeplant unterwegs – da wusste ich noch nicht was ungeplant wirklich bedeutet. Dieses Wort hat seit letzter Nacht eine völlig neue Bedeutung für mich… Zeit euch zum Schmunzeln zu bringen.

Im letzten Beitrag konntet ihr ja lesen, dass es seit einiger Zeit nicht ganz so smooth läuft bei mir. Beim Volunteering nicht so richtig glücklich (dieser Beitrag folgt asap…), meine verspäteten Geburtstagspakete, die Troubles mit DHL, die gesperrte SIM-Karte, zwei Mal vergeblich versucht meinen Weg zum Sivananda Ashram zu machen und es dann als Zeichen gewertet es vorerst von der Liste zu nehmen. Gestern sollte es dann aber endlich soweit sein Varkala zu verlassen: Ich sitze um 17 Uhr mit meinem Gepäck am Bahnhof und warte auf meinen Zug um 18:05 Uhr nach Alleppey um eine kleine Rundreise durch Kerala zu starten.

Meine Indian Railways-App zeigt an, dass der Zug bereits um 17:43 Uhr aus Varkala losgefahren sein soll. Die Anzeigetafel am Bahnhof meint, dass der Zug „on time“ ist. Als es bereits nach 18 Uhr ist bleibe ich ruhig – in Indien sind Züge noch unpünktlicher als bei der deutschen Bahn (was man so hört…). Hinter mir beginnt ein junger Engländer sich über seinen Zug zu erkundigen. Da ihn sein Gesprächspartner nicht richtig versteht versuche ich zu helfen. Er möchte auch nach Alleppey. Perfekt – dann sind wir schon zwei. Auch wenn ich keine Angst alleine habe, freue ich mich über Gesellschaft im indischen Zugverkehr in der Generalclass bei Dunkelheit. Wir warten also.

Als der nächste Zug einfährt nehmen wir an es ist unserer, springen hinein und suchen uns ein Plätzchen. Der Zug fährt. Und fährt. Der Standort von Google Maps und jener der Zugapp stimmen nie überein. Ich vermute es liegt an der App und denke mir nichts dabei. Amüsiere mich via Insta-Story noch darüber, dass wir so langsam unterwegs sind. Außerdem sind wir verhältnismäßig weit von der Küste entfernt. Na wird schon passen – wahrscheinlich biegt der Zug irgendwann ab (haha…).

Als wir schon mehr als eine Stunde Verspätung haben, spricht mich der Engländer an und fragt was ich über unsere aktuelle Position – auf dem Weg rechts vorbei an Alleppey – denke. Tja. Sieht nicht so gut aus….?! Wir befragen einen indischen Mitreisenden. „Nein, der Zug geht nicht nach Alleppey. Der bleibt erst in Kochi stehen und fährt danach nach Chennai.“ Chennai liegt an der Ost- Alleppey (= Alappuzha) an der Süd-Westküste von Indien.

Hm. Da scheint etwas verkehrt zu sein. Nach einem Abgleich der Zugnummern ist es fix: Wir sitzen seit Stunden im falschen Zug. Zum ärgern reicht es nicht – ändert ja außerdem nichts an der aktuellen Situation. Also schüttle ich den Kopf und lache. Jetzt mache ich meinem Blognamen alle Ehre.

Wenigstens sind wir vor dem Halt in Kochi drauf gekommen (man muss ja die positiven Dinge sehen in solchen Momenten!). Inzwischen ist es draußen stockdunkel. Der nächste Zug nach Alleppey fährt von Kochi um 00:55 Uhr und wir kämen so um 02:30 Uhr an. Alternativ-Plan: Wir bleiben in Kochi und der Engländer bucht für uns beide ein Hostel. Da ich mitten in der Nacht nicht alleine durch Indien cruisen will bin ich dabei.

Inzwischen meldet sich meine Unterkunft in Alleppey per Whatsapp wieder. Warum wieder? Schon am Nachmittag hat sich ein Mitarbeiter des Hotels (?!) zu verschiedenen Details erkundigt, die eigentlich über booking.com kennen sollte. Kam mir irre eigenartig vor, aber versuchte mir nichts dabei zu denken… Diesmal will er wissen wann ich ankomme. Er schreibt, dass er mich mit seinem Bike vom Bahnhof abholen kann. Schreibt etliche Nachrichten. Hört gar nicht mehr auf. Will nicht verstehen, dass ich heute nicht mehr kommen werde. Ändert sein Profilbild alle paar Minuten (von Bierflaschen zu blondem Mädchen mit Osterei usw.). Ruft an. Gibt in recht klarem Englisch an kein Englisch zu sprechen. Der Engländer und ich stellen fest: GUT, dass ich im falschen Zug bin und nicht auf dem Weg in diese Unterkunft und ich blockiere die Nummer. Schließlich hat alles seinen Sinn…

Es wird also meine erste Nacht in einem Hostel sein. Ich bin ein wenig aufgeregt, aber auch irgendwie erleichtert, dass ich nicht alleine bin und der Engländer erfahrener Hostel-Gast ist. Wie wird das wohl in einem 8-Bett-Zimmer?! Und wenn sich 8 Menschen ein Badezimmer teilen?

Wir kommen an und läuten, da es ja mitten in der Nacht ist. Ein junger Mann nimmt uns freundlich in Empfang und wir dürfen aufgrund allgemeiner Müdigkeit den Check-In auf den nächsten Tag verschieben. Er bringt uns direkt ins 8-Bett-Zimmer wo die Klimaanlage auf Hochtouren läuft und alle schon schlafen. Zu meiner Überraschung ist das Hostel supermodern und nett eingerichtet und alles sehr sauber. Mit der Taschenlampe mache ich mich bettfertig und freue mich unglaublich, dass auch das Bett total ordentlich und sauber ist. Da merke ich erst wie ich mich innerlich KOMPLETT entspanne und wie angespannt ich eigentlich die letzten drei Wochen in Varkala war. Trotz vieler Anstrengung wurde ich mit dem Ort bauchgefühlstechnisch einfach nicht warm… Aber das Kapitel ist ja jetzt abgeschlossen und ein neues eröffnet!

Denn auch heute – am nächsten Tag – bin ich immer noch froh, dass mich die Unplanbarkeit nach Kochi gebracht hat. Das Hostel ist auch bei Tageslicht toll. Ich fühle mich hier irgendwie wohl, frühstücke ewig in einem netten Lokal, schlendere durch die Stadt… und sitze jetzt bei Parov Stelar in meinem Ohr und einem herrlichen Schokokuchen als Abendessen (Erwachsensein fetzt!) in einem total netten Café.

Ich habe KEINEN Plan wie lange ich hier bleibe und wohin ich als nächstes fahre, aber ich bin mir sicher die Unplanbarkeit hält etwas Feines für mich bereit… 🙂

14 Kommentare zu „#39 – unplanbar.com Deluxe / Jetzt mache ich dem Blognamen alle Ehre

  1. Wow – liebe Anja – diesmal machst du deinen Blog Namen wirklich alle ehre – und Hut ab – wie du es immer schaffst dich auf geänderte Situationen einzustellen!!! WOW

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    1. Max Mustermann? hahaha… Danke, dass du mich wiedermal zum Lachen bringst.

      Danke für dein Vertrauen und deine Unterstützung! ❤

      … Und die Scheibe kannst du dann gerne von meinem Chapati-Reis-Butter Chicken-Kuchen-Bauch nehmen. =P

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  2. Wie es aussieht, hast Du doch tatsächlich Glück gehabt zu haben. Wärest Du nicht in den falschen Zug gestiegen… 😯
    Du kennst doch sicher die Geschichte „Das Wirtshaus im Spessart“? Siehste… 🙂

    Liebe Grüße, Werner

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  3. Liebe Anja,

    sch**** mich an. Boah! Du bist echt ein Wahnsinn!

    Und ich bin mir heute schon verwegen vorgekommen weil ich mit beiden Mädchen auf einer Glitzerparty war. Hab mich schon seit vorgestern davor gefürchtet …
    Aber was du da treibst, ist ja der Supergau.

    Bin so froh, dass es dir gut geht und plane, mir auch so eine Spontaneität und Flexibilität anzueignen. Super!

    Großes Bussi. Schlaf gut!

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    1. Glitzerparty? Davor gefürchtet? Kann das eine mit dem anderen nicht verbinden, aber es wird seine Gründe haben. 😉 Ich hoffe ihr habt es trotzdem genossen schlussendlich und ein bisschen Glitzer mit Heim genommen – zumindest im übertragenen Sinne.
      Bussi

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  4. Da ich in den letzten Wochen meine Sorgen um dich ablegen konnte, habe ich herzlich gelacht über dein Missgeschick, dass sich als gute Fügung herausgestellt hat. Du machst das super mein Mädchen.
    japadapaduuuuuuuuuuuuu !!!!!!!!!!

    Max Mustermann ist auch cool 🙂 ,……. bei euch gibt es immer was zu lachen und das ist so wichtig.

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