#32 – Birthday abroad / Von meinem 30. Geburtstag in der Ferne und einem Wink des Schicksals

„Zu meinem 30er möchte ich auf keinen Fall daheim in Wien sein. Und ich will auch nicht feiern, wenn ich zurück bin.“, war ich der festen Überzeugung. Und – guess what – tatsächlich habe ich die Entscheidung schon kurz nach meiner Abreise aus Wien ein wenig bereut. Ein wenig ist vielleicht sogar ein wenig untertrieben. Ich hab mich echt geärgert. Und war traurig. Geburtstag alleine. Nicht irgendein Geburtstag. Ein Runder. Mein Dreißigster.

Lösungsorientiert wie ich bin, beginne ich daher (ups…) zu planen. Vereinbare mit meiner Familie ein Grillen in kleiner Runde, schicke eine Einladung für ein Anstoßen mit meinen Freunden raus, plane in meinem Kopf noch ein paar andere Dinge. Außerdem erfahre ich, dass sich einige Pakete und Geburtstagsgrüße aus Wien auf den Weg zu mir machen und ich tatsächlich etwas zum Auspacken haben und ein bisschen Heimat fühlen werde. Und siehe da: Dass das Alleinefeiern anrückt, ist plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Ich werde nicht alleine sein. Zumindest nicht in Gedanken.

Und am 10.04.2019 kommen schon die ersten Pakete an – von Stefan und seinen Eltern. Stefans Paket muss ich schweren Herzens auf meinen Nachtkasterl legen und mich täglich zusammenreißen es nicht zu öffnen. Geduld ist eine Tugend sag ich euch… Erikas & Karls Paket muss ich (laut ihrer Angabe)öffnen, da etwas Verderbliches drinnen ist. Ich bin total aus den Socken, als ich unter einem Haufen österreichischer leckerer Nascherein einen Kuchen mit Kerzen finde! Sie hat einen Schokokuchen für mich gebacken! Und ihn nach Indien geschickt! Ist das zu fassen??? Was für eine liebe Schwiegermutter! 🙂 Nach dem Abendessen lassen wir ihn uns schmecken und freuen uns riesig, dass er durch den Zoll gegangen ist. Mmmhhh… Zwei Kuverts und zwei eingepackte Sachen lege ich zu Stefans Paket und gedulde mich.

Die Zeit verfliegt. Und plötzlich ist der 14. April da. Aus den verschiedensten Gründen bin ich wieder einmal schlaflos. Um 23 Uhr blicke ich nochmal auf mein Handy und sehe, dass da einige Fotos und Videos von meinen Eltern eintrudeln. Als ich sie aufmache, kann ich meinen Augen nicht trauen. Meine Eltern, Stefans Eltern und Stefan haben meinen Geburtstag gefeiert!!! Total perplex rufe ich meine Mama an, die vollkommen entsetzt ist, weil es erst 23 Uhr bei mir ist und sie sich um eine Stunde geirrt hat… (hihi – da war noch das Ding mit der Zeitumstellung vor ein paar Wochen…) Das mitgeschickte Video darf ich erst nach Mitternacht ansehen. Ich warte also fußwippend auf meinem Balkon und vertreibe mir die Zeit mit einem Telefonat mit meinem Freund.

Als ich das Video sehe bin ich noch überraschter als zuvor! Sie haben so RICHTIG meinen Geburtstag zusammen zelebriert!!! Mit allem drum und dran. Bei Mama und Papa im Wohnzimmer. Torte, Sekt, Plakat. Sogar beim Kerzenausblasen halten alle inne und ich darf mir etwas wünschen! Klarerweise kullern ein paar Tränen… So viel Aufwand. So viel Liebe… Ich bin sprachlos!

In der Nacht mache ich noch mein erstes Geschenk auf. (Ich möchte es mir einteilen, damit ich öfter etwas habe auf das ich mich freuen kann. Gefinkelt, was?) Es sind die beiden von Erika und Karl. Ich freue mich riesig über das Buch „Ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay (was ich nach den erste zwei Kurzgeschichten bereits LIEBE und unbedingt weiterempfehle!) und ein Aromaöl! Auch von Elfi und Franz-Michael ist eine Karte in Form eines Fotos von Stefans und meinem Shooting mit Elfi dabei.

Nach 4 Stunden Schlaf sollte ich aufstehen und Yoga machen. Unmöglich. Ich gönne mir noch zwei Stunden Schlaf (heute „sollte“ ich tatsächlich gar nichts…!), schwinge mich in meinen Bikini und eile um 8:30 Uhr zu meinem Termin: Jeder Volunteer bekommt eine Massage und ich habe mir dafür natürlich einen besonderen Tag ausgesucht.

Danach gibt’s ein leckeres Frühstück mit Joghurt und An(j)anas und danach geht’s an den Strand. Das Peeling während der Massage für die Duchblutung hat auch meine Haut empfindlich gemacht. Nach zwei Stunden in der prallen Sonne brennen mich meine Beine und aus Handy blickt mir per Selfiemode eine große Tomate entgegen. Zeit für eine Pause bei einem Eiskaffee mit Blick aufs Meer.

Die Pause nutze ich vor allem auch um die vielen lieben Nachrichten zu lesen und zu beantworten. Ich bin baff. Sprachnachrichten vom Nachwuchs (ich glaub ich habs mir 10x angehört, weil es SO Zucker ist!), Videos von meinen Neffen und meiner Nichte und Freundinnen mit klatschenden Babies, Sprachnachrichten mit Gesang und Glückwünschen, Nachrichten über WhatsApp, Instagram und Facebook von den unterschiedlichsten Leuten. Exakt das und jede einzelne Meldung das hat mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht alleine bin. Tausend Dank, dass ihr mir meinen Geburtstag versüßt und an mich gedacht habt!

Heute ist aber nicht nur ein besonderer Tag für mich, sondern auch für die Hindus – zumindest im Süden: Es ist quasi Neujahr und die neue Saison für die Landwirtschaft wird eingeläutet. „Happy Vishu!“, wünscht man sich. Stolz zeigt mir Sandhya die Aufbereitung: Eine Krishna-Statue wurde mit einer Blumenkette geschmückt und diverse Dinge geopfert. Es riecht herrlich nach Räucherstäbchen.

Aus diesem Grund war die ursprüngliche Idee am Nachmittag zu einem Tempel zu fahren, was sich aus verschiedensten Gründen dann doch nicht ergibt. Irgendwie schade… Aber irgendwie bin ich auch erleichtert – ungeplanter(!)weise habe ich den ganzen Nachmittag zur freien Verfügung. Also beginne ich diesen Blogbeitrag zu tippen und danach schwinge ich mich auf die Dachterrasse und gönne mir eine Geburtstags-Yogaeinheit mit einem kleinen Selfie-Shooting. … Und siehe da: Ich bin ein kleines bisschen stolz über die Fortschritte, die ich seit Ende Jänner meine Asanas betreffend gemacht habe.

Nach einer herrlichen Dusche packe ich mein zweites Geschenk aus. Diesmal eines, das ich mir selbst gemacht habe (man gönnt sich ja sonst nichts…): eine Mala aus Vulkanstein. Lustig… Ich habe sie gesehen und nach dem Erfahren des Preises wieder zurückgehängt (wenn alles so billig ist, wird man richtig geizig sage ich euch…). Nachdem sie mir zwei Tage lang nicht aus dem Kopf gegangen ist, habe ich sie mir doch gekauft und bis zu meinem Geburtstag verpackt gelassen.

An dieser Stelle für alle, die nicht wissen was das eigentlich ist, hier in aller Kürze: Ähnlich wie ein Rosenkranz ist die Mala eine Gebetskette im Hinduismus. Auch beim Yoga verwendet man sie für die Mantren, die man – im Idealfall – mindestens 108 Mal wiederholt. Daher hat jede Mala auch 108 Perlen, die man beim Chanten abzählt.

Mit meiner neuen Kette und meinem Tomatengesicht geschmückt, mache ich mich mit Abhi (Juniorchef des Resorts und inzwischen ein wichtiger Gesprächspartner für mich geworden – da seine hochschwangere Freundin derzeit in Deutschland ist, können wir uns zum Thema Fernbeziehung herrlich austauschen) auf zum Pizzaessen. Danach gehen wir noch ein paar Schritte am Kliff entlang, um unsere vollen Pizzabäuche verdauen zu lassen.

Dann habe ich es aber wirklich schon eilig! Ein Geschenk wartet noch auf mich – und das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss: Immer noch liegt Stefans Geschenk geduldig auf meinem Bett. Zum Glück ist er gleich erreichbar – er möchte per Videotelefonie beim Auspacken live dabei sein. 🙂 Vollkommen überrascht dass er so ins Schwarze und sogar farbtechnisch genau meinen Geschmack getroffen hat, freue ich mich RIESIG über meine personalisierte, selbst zusammengestellte Yogatasche! Sogar an ein Handy/Schlüsselfach hat er gedacht! Was für ein wunderschöner Abschluss meines Geburtstages!

Das was leider immer noch fehlt, ist das Paket meiner Eltern. Seit 10. April liegt es beim Zoll (die sind wohl neidisch auf alle Dinge, die mich darin erwarten und hoffen es behalten zu können…). Bis heute habe ich mich auch wirklich sehr darüber geärgert (und trotzdem nur halb so viel wie meine Eltern…) – bis ich realisiert habe: Vielleicht soll das einfach so sein und ist ein Wink des Schicksals.

Mein Plan war es nämlich am 17.04. weiterzuziehen. Ich habe viel Zeit damit verbracht mir dermaßen den Kopf zu zerbrechen wie ich all meine „Das-muss-ich-unbedingt-noch-sehen-oder-tun-Dinge“ in den verbleibenden sechs Wochen unterbringen soll und habe (schon wieder ups…) auf den Tag genau geplant. So genau wie ich geplant habe, so unglücklich war ich, dass es einfach nicht auf die Reihe bekomme von einem Tag auf den anderen zu leben und mein Herz entscheiden zu lassen wann es wohin weitergeht. Jedenfalls: Glücklicherweise habe ich nichts gebucht. Denn das Paket möchte ich UNBEDINGT abwarten. Weshalb ich es nun tatsächlich so machen werde, dass ich imaginär den gemachten Plan zerknülle und in der Mülltonne versinken lasse. Stattdessen für die kommenden Tage (und Wochen?) von einem auf den anderen Tag plane und entscheide. Ich bringe mich also zwangläufig dazu das zu tun was ich eigentlich die ganze Zeit schon machen will: Spontan und frei sein. Mal sehen wie (lange) das gelingt… 😉

13 Kommentare zu „#32 – Birthday abroad / Von meinem 30. Geburtstag in der Ferne und einem Wink des Schicksals

  1. Liebe Anja,
    Ich hoffe, du bist dir bewusst, wie glücklich du dich schätzen kannst, so eine Familie und solche Freunde zu haben … Das ist wirklich nicht selbstverständlich.
    Alles Gute und herzliche Grüße
    Inge

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Anja,

      da bin ich so genau und kontrolliere jeden Tag deinen Blog, dass ich jaaa nichts verpasse und plumps – da hab ich glatt den Geburtstagsbeitrag übersehen.
      Gott sei Dank hab ich ihn jetzt doch entdeckt.

      Sprachnachricht vom aufgeregten, zappelnden, quitschenden Nachwuchs. Hahahahaha. Manchmal packt sie meinen Rucksack auf ihren Rücken (hängt dann 1cm überm Boden), steht fix und fertig angezogen im Vorzimmer und sagt „Ich fahr jetzt nach Indien. Zur Anja.“

      Ja. Das hamma jetzt davon. Große Pläne von meinem kleinen Mädchen.
      Da kann ich mir dann was von deinen Eltern abschauen. 🙂

      Liebe Anja, tolle Menschen verdienen tolle Gesten. Und du bist toll. Wahnsinnig liebenswert. Wirklich einzigartig. Unglaublich lustig. Ur fesch. Extrem fürsorglich. Ziemlich g‘schaftig. Voll taff. Irrsinnig mutig. Einfach unschlagbar. Meine Anja. Ganz einfach.

      Großes Bussi!

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      1. Na da hab ich jetzt wieder gelacht… Deine Tochter ist sooo eine zuckersüße!!! 🙂 Sag ihr sie soll die Augen fest zumachen und eine Gedankenreise zu mir machen. Ich freu mich, wenn sie mich besucht. 😉

        Vielen Dank für deine lieben Zeilen, meine Liebe!!!

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  2. Was für ein toller Tag !!! So eine tolle Familie und Freunde!! Mir läuft die Gänsehaut rauf und runter und ein paar Glückstränen über die Wangen. Und solche Personen und Momente sind einfach unbezahlbar!!!
    Egal wie weit weg Du bist – Du bist NIE alleine!!!!

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  3. Liebe Anja,
    ich freue mich das du dir die Mala Gebetskette gekauft hast. Sie ist wirklich wunderschön und wird dich immer an deine besondere Zeit in Indien erinnern:) Es ist ein schönes Gefühl zu wissen das es dir an deinem runden Geburtstag gut gegangen ist. Das sind doch besondere Tage im Leben. Ich möchte dir von Herzen eine gute/schöne Zeit wünschen und gfrei mi ganz narrisch das unsere Geschenke so gut angekommen sind:):)

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  4. Liebe anja, die geburtstagsgeschichte deiner familie find ich weltklasse…berührt mich sehr….einen tag zu spät..aber trotzdem von ganzen herzen…happy birthday…liebe anja…lg niki

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  5. Meine liebe Socke!
    Es ist ein gutes Gefühl für mich, dass du deinen Geburtstag schön verbracht hast und viele Leute an dich gedacht haben.
    Papa und ich ärgern uns hier laufend über die Post, ihre Kommentare am Telefon und per Mail, wo wir versuchen, wegen des Pakets, das im Zoll verblieben ist, Auskunft zu bekommen und die Auslieferung beschleunigen wollen.
    Manchmal denke ich , sie haben es geöffnet und die österreichischen Schmankerln gegessen und alles andere verwertet oder verkauft.
    Reise weiter, wenn du Lust darauf hast, bleibe , wenn dir danach ist. (lass dich nicht von dem Paket aufhalten).
    Alles Liebe aus Wien!

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    1. Liebe Mama,
      ich kann es verstehen. Aber versuch dich nicht zu ärgern… Schade um deine Nerven und ändern tuts ja doch nichts. Vielleicht kann ich heute etwas über die indische Post/Zoll herausfinden und sonst reise ich weiter und komme wieder zurück um es später zu holen. 🙂
      Viele Bussis aus Varkala

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