#27 – Der verzweifelte Versuch Kitesurfen zu lernen oder auch: Wo ich bin scheint kein Wind zu sein / Kitesurfen in Goa

Wer meine Familie kennt weiß, dass sowohl meine Eltern als auch mein Bruder leidenschaftliche Windsurfer sind. So richtig wollte das Feuer zu mir nie überspringen. Vergeblich hat mein Papa mir am Strand in Italien auf das weite Meer zugerufen ich solle das Segel näher zu mir ziehen. Mehr als wackelig ein wenig in eine Richtung und dann wieder zurück zu fahren wurde es nie… (Sorry an dieser Stelle, Paps!)

Was mich hingegen immer gereizt hat war das Kitesurfen. Sowohl in unseren Urlauben in Italien, als auch im Burgenland habe ich mit Begeisterung und Neid beobachtet wie sie mit den Schirmen und dem Board übers Wasser flitzen und kule Tricks machen. … Und habe mir vorgenommen es irgendwann auch mal zu probieren.

Gedacht. Getan. Meine erste Alleine-Reise führt mich 2016 mit Kiteworldwide nach Kenia (eine meiner tollsten Reisen bisher). Der Wind(gott) meint es leider nicht besonders gut mit mir. Ich lerne daher die wichtigsten Grundbegriffe, mache ein wenig Bodydrag (ohne Board vom Kite durchs Wasser ziehen lassen – ein großer Spaß!) und fahre immerhin ein paar Meter mit dem Board. Das Vorhaben anschließend einen weiteren Kurs in Podesdorf/Burgenland/Österreich zu machen setze ich nie um…

2019 sollte es aber endlich wieder soweit sein! Ursprünglicher Plan – wie ihr vielleicht noch wisst – war das Jahr in Afrika zu starten. Und da war die Idee wieder mit Kiteworldwide nach Sansibar zu fliegen. Das Angebot schon ewig früh eingeholt, lief dann ja alles anders. Umso besser gefällt mir die Idee die Zeit nach der Yogalehrerausbildung dafür zu nutzen. (Ihr könnt euch nicht vorstellen wie erleichtert ich bin, als mir diese Idee einschießt, ist in einem Moment in dem ich mich gefragt habe was ich denn als nächstes machen sollte und mit meiner Zeit anfangen könnte…)

Während der Befragung von Dr. Google stoße ich auf einen Artikel von RedBull. Hier wird Morjim Beach und Philipp Dartnell mit seiner Kiteschule als einer der „Top 4 Kiteboarding-Plätze in Indien“ angeführt. Wenn RedBull das sagt, muss es ja wohl stimmen..! 🙂 Da Morjim Beach nur ein paar Strände weiter von meiner Yogaschule Richtung Süden entfernt liegt, begleiten mich Karin und Alona an einem freien Tag dorthin und nehmen einen 14 km Strandspaziergang auf sich. Nach einem kurzen Gespräch mit Philippe vereinbaren wir später per Mail relativ rasch den 14. März als Starttermin für meinen IKO Kurs Level 1+2. Dazwischen besuche ich Hampi, Bangalore und Mysore.

Nachdem ich am 7. März schon wieder zurück in Goa und auf Morjim Beach bin, wächst die Vorfreude mit jedem Tag und eine neue unplanbare Geschichte nimmt ihren Lauf…

In der Woche vor meinem Kitekurs ist der Wind wirklich gut – fast schon zu gut. Laufen am Strand bei 18 Knoten gegen den Wind kann nämlich gar nichts sag ich euch… Relativ guten Wind gibt es auch noch am 14. März, an dem ich zuerst mal ein bisschen Theorieinput bekomme, dann lerne einen Kite aufzubauen und mich an einem Trainerkite am Strand probieren darf. Den ersten Tag bin ich die einzige Schülerin, was besonders toll ist um möglichst schnell möglichst viel zu lernen.

An Tag zwei sind wir zu dritt (normalerweise nimmt Philippe maximal zwei Schüler zugleich, wie ich es verstehe) und auch da kann ich einiges Neues Lernen. Am Strand übe ich den Kite zu kontrollieren und fliege den Schirm auf Philippes Kommando nach rechts und links, bleibe stehen, bringe ihn zu Boden und wieder in die Luft. Ich bin total elektrisiert – es macht soooo großen Spaß!!!

Was ich auch in diesen ersten beiden Tagen merken kann ist, dass meine Angst von Minute zu Minute schwindet. Vor allem in Kenia konnte ich nicht fassen was der Wind und das Wasser für enorme Kräfte haben. Ich kann den Kite kontrollieren (wenn ich es könnte), aber diese Kräfte nicht. Und wenn der Schirm aus 20 Metern Höhe jemandem mit vollem Karacho auf den Kopf knallt habe ich ein Problem. Genau deshalb ist Philippe wichtig, dass seine Schüler zu allererst den Kite kontrollieren können und sich damit wohlfühlen bevor es zu nächsten Schritten kommt. … Die uns fast verwehrt geblieben wären.

Denn am Ende unseres zweiten Tages (von sieben) fordert uns die Strandpolizei auf unsere Sachen zu packen. Derzeit ist jeglicher Wassersport in Morjim Beach verboten. Zwar handelt es sich lt. Gesetz nur um Elektro-Wassersport (z.B. Jetski), da es aber für das Kitesurfen kein eigenes Gesetz gibt, wird das dort eingeschlossen. Zumindest habe ich das so verstanden… (soll einer die indische Politik in seiner Muttersprache verstehen – mir hat Philippe die Sache auf Englisch versucht beizubringen). Grund ist anscheinend der Nistplatz für Schildkröten, der sich ganz am Ende des Strandes befindet. Noch dazu sind gerade Wahlen in Indien im Gange. Mehr sage ich dazu nicht… 😉

Nach zwei Tagen Pause und Recherche durch Philippe können wir unseren Kitekurs in Panjim fortsetzen. Täglich fahre ich also mit meinem Scooter 25 Minuten nach Anjuna um von dort mit ihm gemeinsam im Auto weiterzufahren. Zwei Mal nehmen wir auch den Scooter und packen sowohl das Kitematerial als auch uns beide drauf. „Yes, sure! Welcome to India!“, sagt Philippe als ich die Augen aufreiße und frage, ob wir tatsächlich so fahren wollen.

Ganz so recht sein soll es dort allerdings auch nicht. Am 21. März nehmen wir die Reise umsonst auf uns. Der Strand ist voll mit feiernden und betrunkenen Menschen – es ist Holi. Unmöglich hier zu kiten, wenn wir niemanden verletzen wollen. Danach: Die Tage vergehen. Der Wind bleibt meistens aus.

Die täglichen Reisen von mehr als einer Stunde in eine Richtung und die verzweifelten Versuche des Lernens zahlen sich aber trotzdem aus. Nicht nur, weil wir beim Zurückfahren bei einer Bäckerei halten und uns einen Cappuccino und einen der besten Schokokuchen, die ich bisher gegessen habe, gönnen. Ich kann am 26. März 2019 Level 2 abschließen, bis auf den letzten Punkt: Aufs Board zu gelangen und ein paar Meter zu fahren. Denn dazu reicht der Wind nicht aus. Den kann man leider weder planen noch steuern. Wo ich bin und kitesurfen lernen will, scheint nie ausreichend Wind zu sein.

Damit habe ich dann wohl mein Grund sein im zweiten Halbjahr auf Sansibar ein paar Tage kiten zu gehen (kein Plan, eine Option!). 🙂

Insgesamt kann ich Philippe und Kitesurfinggoa absolut empfehlen. Er ist ein sehr erfahrener Kiter und Lehrer, legt viel Wert auf Sicherheit und baut den Kurs anhand eines roten Fadens und sehr verständlich auf. Ich habe mich immer wohl und gut aufgehoben gefühlt (auch zu zweit auf dem Scooter mit Kitematerial), konnte alles noch so oft nachfragen, weil ich es nicht verstanden habe,… Philippe hat immer geduldig geantwortet. Nebenbei habe ich auch viel über Goa und Philippes Anstrengungen gelernt seine Schule aufzubauen und jede Menge gelacht. Wir hatten eine tolle lehrreiche Zeit zusammen und ich wünsche ihm an dieser Stelle ganz viel Glück, dass das Kitesurfen an Morjim Beach oder nahe gelegene Strände zurückkommen darf!

8 Kommentare zu „#27 – Der verzweifelte Versuch Kitesurfen zu lernen oder auch: Wo ich bin scheint kein Wind zu sein / Kitesurfen in Goa

  1. Also das Kitesurfen ist mir nicht ganz geheuer. Wahrscheinlich bin ich schon zu alt dafür, aber du bist ja generell recht unerschrocken!
    Sansibar klingt dagegen so, als ob man sich das auf jeden Fall mal ansehen könnte: mit und ohne Kite oder Plan …
    😉

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  2. Kiten sollte also jetzt mal nicht sein. Du hast aber im Trockenkurs etwas dazu gelernt und bist beim nächsten Mal schon ein paar Schritte weiter. Hurra!!!!
    Die Bilder sehen auf alle Fälle schon toll aus.

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  3. Du hast Dich beim Surfen gut geschlagen und bist gut gewesen. Ich erinnere mich an Rhodos auf dem Meer und bei Wellen. Wirst auch beim Kiten gute Fortschritte machen. Das Warten auf den Wind ist typisch und ein Teil für beide Sportarten. Ähnlich wie Skilaufen und Snowboarden, ohne Schnee geht nichts und Du kannst auch beides gut.

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