#25 – Das ist wohl nicht deine Woche?! / Von einer der bescheidenen Zeiten dieser Reise

So viele Beiträge hintereinander stelle ich ja normalerweise nicht so schnell online. Möchte euch weder bombardieren noch nerven. Und dass der schlussendlich so lang wurde tut mir auch leid.

Aber hey… Ihr glaubt mir ja sonst nicht was in ein paar Tagen alles schief rennen kann. Und nachdem ich vor allem auf Instagram möglicherweise den Eindruck erweckt habe, es gäbe nur Sand zwischen den Zehen, ein strahlendes Gesicht und feine Zeiten, ist es Zeit für einen ganz neuen Blickwinkel auf meine Reise. Zeit für einen Beitrag über einen richtig bescheidenen Tag dieser Reise. So ein Tag an dem du denkst: „Das darf jetzt aber echt nicht mehr wahr sein…!“ Denn die gibt es auch… Und so ein Tag war heute.

Ich möchte gar nicht zu weit ausholen, aber irgendwie ist in der Woche schon ein bisschen der Hund drinnen… Vor allem die anrollende Hitze macht mir zu schaffen. Abgesehen davon, dass ich kaum schlafe (keine Klimaanlage) und kaum dass ich geduscht bin mir wieder der Schweiß auf der Stirn… nein sorry… dem gesamten Körper steht. Mein Kreislauf findet das ganze nicht so prickelnd und ich bin total geschlaucht vom Nichtstun. Zu allem Überfluss habe ich am Montag auch kein Bargeld mehr und versuche bei mehreren Bankomaten (die ich in dieser Affenhitze alle zu Fuß abklappere) abzuheben. Erfolglos. Ich renne von einem ATM zum nächsten und habe schlussendlich, außer viele Schritte in meiner „Health App“, nichts erreicht. Richtiger Code. Konto gedeckt. Was ist denn da bitte los? … Laut meinem verlässlichen und schnellen Bankberater alles in Ordnung. Also gut – ich probier’s morgen nochmal.

Total erschöpft finde ich mich dann also in Panjim im old Quarter Hostel (für alle, die neugierig sind HIER der Link) in meinem Einzelzimmer wieder. Insgesamt eine total entzückende Unterkunft mit gemütlichem, modernem Coffeeshop und den Einzelzimmern in einem extra Gebäude mit süßem Innenhof. So eines hab ich gebucht, nachdem ich mich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden kann mir einen Schlafsaal mit sieben anderen Menschen zu teilen… Bis zum richtigen Backpacker brauch ich wohl noch etwas…

In der ersten Nacht schlafe ich jedenfalls – trotz allen Verzückens über den netten Innenhof – nicht. Weil es mit geschlossenem Fenster zu heiß und mit geöffnetem zu laut ist. Mit meinem Glück im Unglück kann ich in ein anderes Zimmer wechseln. Ohne Fenster, viel kleiner aber wenigstens ruhig. Ich renne also nächsten Morgen zum Bankomaten um diese Sache mal zu klären (es klappt – YES!). Anschließend kümmere ich mich um den Umzug und renne mit meinem viel zu vielen Zeug zwischen den Zimmern wie ein Scheibenwischer hin und her. Dass ich dazwischen noch zwei Mal an der Rezeption war (50m auf indisch, 280m lt. Google Maps), weil sich die Schlüsselkarte entladen hat, habe ich noch vergessen zu erwähnen.

Nach dem Umzug mache ich mich auf den Weg zur Busstation. Hier werde ich um 11:30 Uhr meinen Kitelehrer treffen und hoffentlich meinen Kurs abschließen können. Bisher war ja nicht genug Wind… Als ich um 11:10 Uhr eintreffe und einen Blick auf mein indisches Handy werfe, sehe ich, dass er bereits um 10 Uhr geschrieben hat, dass das Treffen auf 13 Uhr verlegt wird. Da soll es Wind geben. Ich rolle meine Augen. Bei einem anschließenden Iced Cappuccino und einem Brownie ist jeglicher Ärger aber rasch verflogen und um 13 Uhr sitze ich in seinem Auto. Da sich der Wind, am Strand angekommen, nicht blicken lässt, beschließen wir den Kurs ohne den letzten Teil abzuschließen und ich erhalte meine Membercard bis Level 2h (statt 2i – also nicht am Board gewesen…) und akzeptiere was man nicht erzwingen kann.

Abends, neu eingerichtet und positiv gestimmt (ab jetzt wird’s super und entspannt!), schlüpfe ich dann gestern in meinen Pyjama und liege in meinem neuen Zimmer da. Drehe mich von einer auf die andere Seite. Ventilator auf Stufe drei von drei in der Hoffnung der Hitze Abhilfe zu schaffen. Ständig kitzelt mich was. Nach einiger Zeit verstehe ich auch was es ist: Moskitos. Weil mich dann nämlich der ganze Körper juckt und ich merke, dass ich von Gelsenstichen übersät bin. Ich habe sogar einen im Gesicht! Fenistiltropfen helfen schnell, das Jucken lässt nach. Mit Anti-Mückenspray eingesprüht ich liege wieder im Bett. Drehe mich weiter von einer Seite auf die andere. Die Zeit vergeht. Ich schlafe nicht. Auch ein Hörbuch bringt mich nur zum Einnicken bis ich ein paar Minuten später wieder aufwache. Laufend gibt’s Lärm vom oberen Zimmer. Irgendjemand latscht mitten in der Nacht auf und ab und lässt Dinge über den Boden rollen. Langsam werde ich echt stinkig… Diese Müdigkeit verbunden mit dem Nichteinschlafen können ist echt zum Kotzen!

Irgendwann scheine ich doch einzuschlafen. Denn das nächste Mal als ich aufwache ist es drei oder vier Uhr morgens und ich habe ich extreme Bauchkrämpfe. Gepaart mit unendlicher Übelkeit ringe ich nach Luft und weiß nicht wie ich liegen soll. Das kann jetzt echt nicht wahr sein… Für die nächsten Stunden pendle ich zwischen Toilette und meinem Zimmer und bin froh, dass im Paket meiner Eltern ein Nachschub imodioum akut dabei war. Die sind ein Segen und helfen relativ rasch. Als ich allerdings das Licht aufdrehe um danach zu suchen, springt mir mein Herz fast aus der Brust. Eine riiiiiesen Kakerlake liegt da auf dem Rücken. Igitt! Und weil eine Kakerlake selten alleine kommt, finde ich auch eine zweite. Wie gut ich jegliches (eingebildetes) Gekitzel danach aushalte könnt ihr euch vorstellen… Trotz aller Aufregung (oder gerade deshalb…?) schlafe ich dann noch ein paar Stunden.

Kurz vor 11 Uhr quäle ich mich aus dem Bett um noch Frühstück zu ergattern. Zur Feier des Tages gönne ich mir ein paar Scheiben trockenes Toastbrot und Tee. Kurzerhand entscheide ich mich dann auch einfach bis Samstag hier zu bleiben und von hier direkt nach Kerala zu fahren. Ein Zwischenstopp in Südgoa wäre zwar schön, aber gerade habe ich keine Energie dafür. Ich möchte also nach dem Frühstück an der Rezeption (= Theke des Coffeeshops) die Verlängerung des Zimmers mit meiner Kreditkarte bezahlen. Abgelehnt. Ähm. Habe ich den falschen Code eingegeben? Noch ein Versuch. Abgelehnt. Plötzlich schießt mir die gestrige SMS ein! Ich habe einen mobile TAN für eine Zahlung von EUR 300,00 bei Zalando bekommen. Dabei habe ich gar nichts bestellt (als würde noch eine einzige Socke in meinen Rucksack passen…). Habe mir aber bisher keine weiteren Gedanken gemacht. Ich zahle das Zimmer also in Bar und rausche aufgeregt zurück in mein Zimmer.

Mein verlässlicher Bankberater (ein Hoch auf Ivan!) antwortet sofort auf meine verzweifelte Nachricht und stellt erstmal fest: „Nicht deine Woche, was?“ Wo er Recht hat, hat er Recht. Dabei kennt er aus der gesamten Story nur den Teil mit der Bankomatkarte vom Vortag… Nach einem Nachfragen bei VISA muss ich persönlich anrufen um herauszufinden was da vor sich geht. Da ich Telefonkosten sparen will, ist mein Papa so lieb einen Rückruf für mich zu organisieren. Der nette Mann am Telefon fragt, ob ich gestern bei Möbelix um rund EUR 700 und bei Zalando um rund EUR 300 eingekauft habe. Ähm. Nein? Ja – das dachten sie sich schon. Die Karte wurde daher gesperrt. Fazit: Sie entsperren meine Karte teilweise und ich kann sie ab jetzt wieder vor Ort benutzen, aber nicht mehr online. Während ich mich frage wer denn bitte so dreist ist und meine Kreditkartendaten nutzt, schicke ich meine zukünftige Adresse in Indien an VISA – ich bekomme innerhalb einer Woche eine neue Karte zugeschickt. (BTW: Wer das war weiß ich nicht und werde ich wohl auch nie erfahren. Ist vielleicht für denjenigen auch besser so… =P)

Und weil es einfach noch nicht genug ist, ist diese Geschichte noch nicht zu Ende, ihr Lieben. Mein Schatz, mein bester Freund und mein Papa bieten mir an mit ihrer Kreditkarte das Zugticket zu kaufen. Ich nehme das Angebot an und wähle über cleartrip (Vermittlung von diversen Tickets) alles aus, veranlasse die Zahlung und bestätige auch auf der indischen Bahnseite meine Identität. Zurück auf der cleartrip-Seite lese ich „Payment failed“ (Zahlung fehlgeschlagen). Aha. Eigenartig. Nachdem in fetten Lettern darum gebeten wird die Hotline zu kontaktieren mache ich das doch glatt. Ich kann zwischen verschiedenen Themen meines Anliegens wählen. Im Grunde ist es aber egal welche Zahl ich wähle. (Und ja – ich habe sie ALLE ausprobiert.) Ich werde auf meinen Online-Account verwiesen in dem ich stornieren, ändern und was auch immer machen kann und anschließend aus der Leitung geschmissen. Mittlerweile ist mein Geduldsfaden HAUCHdünn. Da entdecke ich eine Chatfunktion auf der cleartrip-Seite. Halleluja! Ich klicke drauf. Und lese, dass die Funktion derzeit nicht verfügbar ist. Netterweise stehen die Verfügbarkeitszeiten gleich darunter: Mo-Fr 08:00 – 21:00 Uhr. Es ist Mittwoch 17:00 Uhr. Muss ich noch etwas hinzufügen?

30 Minuten später erhalte ich eine Mail von cleartrip, dass meine Buchung nicht abgeschlossen werden konnte und sie den Betrag sofort zurückbuchen. Warum das so ist, wenn die Buchung nicht geklappt hat, weil die Zahlung nicht funktioniert hat, bleibt an dieser Stelle offen.

Letzte Chance: Ich versuche direkt bei der Bahn zu buchen und fülle jedes Feld aus bis ich endlich bei der Zahlung anlange. Zonk! Es werden keine ausländischen Kreditkarten akzeptiert.

Das ist der Zeitpunkt der Resignation. Oder Akzeptanz. Ich schließe alle Internetfenster auf meinem Laptop und öffne Word. Ihr sollt auch etwas von meinem Tag haben. Und vielleicht bringe ich ja den einen oder anderen von euch zum Schmunzeln. Mir jedenfalls ist das Lachen zum Glück noch nicht vergangen. Oder zumindest habe ich es nach einem kurzen Loswerden meiner Emotionen („Jetzt zuck ich aber wirklich aus!!!“) wieder meine Balance erreicht.

Zur Feier des Tages und ganz im Sinne der Balance ein paar Bilder einer meiner wenigen Stolz-Momente.

P.S.: Die nette Rezeptionistin eröffnet einen Hoffnungsschimmer für mich am Horizont indem sie mir sagen, dass ich das Ticket morgen an der Busstation kaufen kann. Der Schalter ist ab 09:30 Uhr geöffnet. Das werde ich morgen mal testen. Ich bin gespannt, ob diese verrückte Woche damit ein Ende hat oder ich noch bis Sonntag ausharren muss…

12 Kommentare zu „#25 – Das ist wohl nicht deine Woche?! / Von einer der bescheidenen Zeiten dieser Reise

  1. Liebe Anja,
    Dieser Tag war nur dafür da, deine frisch erworbene Yoga-Kompetenz zu prüfen. Wenn du es nach diesen Erlebnissen schaffst, mittels Yoga deine innere Ruhe zu finden, bist du ein echter Profi! Ich hoffe, es hat halbwegs geklappt …
    😉
    Die gute Nachricht zum Schluss: jetzt kann es nur noch besser werden.
    Also durchhalten und Kopf hoch. Aufgegeben wird nur ein Brief.
    👍
    Herzliche Grüße
    Inge

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    1. Liebe Inge,
      zugegebenermaßen sind die Fotos von einem anderen Tag. 😅 Nach der Horror-Nacht habe ich auf jegliche Bewegung verzichtet. Hoffentlich bin ich morgen wieder im Stande! 💪🏼
      Vielen Dank für deine Worte – du hast so Recht!
      Ganz liebe Grüße
      Anja

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  2. OmG!!!!
    Da bekommt das angestaubte Sprichwort ‚Wenn eines eine Reise tut, dann kann er was erleben‘ eine völlig neue Dimension! Anja, du hast diese Hürden überstanden – ab jetzt schaffst du A L L E S!!!

    Good luck, Uli

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  3. Blöder Spruch, aber er scheint richtig zu sein: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.
    Aber dadurch hatte ich Gelegenheit, mit Dir etwas mehr zu sprechen 🙂
    Weiterhin alles Gute und dass es morgen mit dem Bezahlen klappt.

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    1. Wie lustig, dass Uli und du dasselbe Sprichwort gewählt habt! 🙂 Sprichwörter sind gar nicht blöd und oftmals wahr.
      Danke für deine Hilfe in der Not!!! 🙏🏼😘

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