#14 – Call me Yogateacher / Von meiner Abschlussprüfung und einer ersten Idee

Wow – mein letzter Beitrag ist bereits sechs Tage her! Ich entschuldige mein kurzfristiges Untertauchen mit der durchaus intensiven dritten und letzten Woche der Yogalehrerausbildung.

Stundenplan der Woche 3 des YTTC

Nach dem ersten Unterrichten von 20 und anschließend gleich 30 Minuten folgen – wie man dem Stundenplan entnehmen kann – 60 und anschließend die „Abschlussprüfung“ mit 90 Minuten. Unsere Schüler sind wir jeweils gegenseitig. Also neben den intensiven Vorbereitungen unserer Einheiten stehen 2-3 Stunden Yoga pro Tag am Plan – den Philosophie-Unterricht nicht zu vergessen. Mit jedem Tag werden die Köpfe voller, die Körper schwerer und die Beine und Arme müder. Nicht nur bei mir – auch bei allen anderen kommen diverse Leiden zutage. Von Magen-Darm-Geschichten über schmerzende Knie hin bis zu nicht(mehr) belastbaren unteren Rücken ist alles dabei. Liebevoll nennen wir unsere Yogaschule „Lazarett“.

Aber nun zum Eigentlichen des heutigen Beitrags: Bei den 60 Minuten werden wir von unseren Lehrern beobachtet und per Feedback-Bogen erhalten wir Verbesserungsvorschläge. Quasi die Generalprobe für unsere Abschlussprüfung.

Da ich in einem eigenen kleinen Shala unterrichte, werde ich die gesamte Zeit von einer Lehrerin beobachtet. Das erzeugt natürlich Druck, aber dafür habe ich auch ihre gesamte Aufmerksamkeit. Leider bin ich viel zu schnell (Surprise, surprise…!) und nach 45 Minuten mit meinem Programm durch. Das ist auch der größte Kritikpunkt. Damit kann ich leben und das nehme ich für die nächste Einheit mit. Außerdem habe ich noch nicht so den Draht zu meinen Schülern wird mir gesagt und „Relax and Smile more :)“ steht auf meinem Bogen. Auch damit kann ich leben. Ich denke das kommt dann mit der Zeit und Routine. Momentan bin ich noch zu sehr damit beschäftigt nichts zu vergessen… Reihenfolge, Atmen, Ausbessern, wo ist links, wo rechts, Sanskrit, Englisch. Wie Autofahren eben. Ich bin nicht superstolz auf mein Ergebnis, aber vielleicht ein klitzekleines bisschen. Jeder Fortschritt zählt.

Dankbar für das Feedback bereite ich meine 90-Minuten vor. Wir dürfen einen Flyer vorbereiten und unsere Einheit bewerben. Alle Flyer hängen an der Rezeption und maximal fünf Schüler dürfen sich eintragen. Bis zum Beginn meiner Einheit ist nur eine Person eingetragen und diese ist eine von den lieben deutschen Mädls, mit denen sich Karin und ich angefreundet haben. Ich versuchs mal nicht persönlich zu nehmen (ähm… Ja…) und freue mich trotzdem schon.

Mein Flyer

Wie es das Schicksal so will pendle ich am Donnerstag bis zu meinem Unterricht zwischen den Yogamatten und der Toilette. Na bravo…! „Imodium akut“ richtets aber glücklicherweise und mein Bauch verhält sich ruhig. Die 90 Minuten vergehen wie im Flug und alles läuft nach Plan. Nach einem Abschluss-Mantra ist es geschafft! Die Schülerinnen haben nichts auszusetzen und auch vom Lehrer kommen nur kleine Verbesserungsvorschläge. JUHU! Call me Yogateacher!

Jetzt wo ich im Nachtbus nach Hampi sitze und die letzten drei Wochen etwas Revue passieren lasse, stelle ich fest wie UNGLAUBLICH es ist was man alles in so kurzer Zeit lernen kann. Konnte ich mir in der ersten Woche noch nicht vorstellen mir einen einzigen Sanskrit-Begriff auswendig zu merken und war mir nicht sicher wie ich es bewerkstelligen sollte drei Asanas anzuleiten… Habe ich zum Schluss 90 Minuten mit 15 Asanas (inklusive aller Sanskrit-Namen…) angeleitet – ganz ohne Notizen.

Gerne hätte ich nach der ersten Woche einfach meinen Rucksack genommen und mich in der Nacht auf Montag humpeln vor Ganzkörper-Schmerzen aus dem Staub gemacht. Und siehe da – nach 3 Wochen bin ich zwar noch angeschlagen, aber weitgehend fit.

Unser Geist und unser Körper können viel mehr leisten, als wir uns das jemals vorstellen. Diese Erfahrung habe ich im letzten Jahr schon bei jedem einzelnen Lauf und auch im Studium machen können. Und nun nochmal auf eine ganz andere Art und Weise. Das Unmögliche wird plötzlich möglich. Unsere eigenen Grenzen werden verschoben. Und es ist alles ganz normal und natürlich. In der einen Woche kann man nichtmal einen Sonnengruß und zwei Wochen später unterrichtet man ihn auf Englisch und Sanskrit. Alles ganz normal.

Auch wenn’s vermutlich noch länger dauert bis dahin – in meinen Gedanken sammle ich schon Ideen für meine erste Yogaeinheit zu Hause unter dem Titel „Welcome to Yoga“ (oder so ähnlich…). Ich könnte mir vorstellen ein bisschen etwas Allgemeines zu Yoga zu erzählen und die wichtigsten Dinge zu umreißen, da mir persönlich genau das immer gefehlt hat. Ich hab halt einfach mitgemacht ohne zu wissen was genau ich da tue. Anschließend würde ich noch eine kurze praktische Einheit dranhängen.

Nun seid ihr wieder gefragt: Was würdet ihr euch von so einer Einheit erwarten? Oder: Was interessiert euch brennend und welche Fragen hättet ihr gerne beantwortet oder Themen besprochen? Freue mich auf euren Input…

17 Kommentare zu „#14 – Call me Yogateacher / Von meiner Abschlussprüfung und einer ersten Idee

  1. Liebe Anja – hab mit Yoga so gut wie keine Erfahrung … nur mal ein Semester ein paar Unterrichtseinheiten – direkt nach dem Büro… mit dem Erfolg …. während der Yogastunde habe geistig die Büroarbeit für den nächsten Tag gemacht. Kurz gesagt – mich würde es interessieren zu lernen … die Konzentration zu halten bei einer Yoga Einheit! Freu mich drauf – von dir zu lernen!!

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  2. Anja nochmals allesalles Gute zu dieser besonderen Leistung:) Ja ich bin absoluter Neuling punkto Yoga, hab deine Beiträge ganz toll gefunden und mitverfolgt, hab auch nicht gegoogelt das ich jetzt gscheit reden könnte. Mich würde wirklich interessieren, kann man mit Yoga das Gesunde im Menschen stärken, mein Thema wäre Wirbelsäule und Ganzheitlichkeit 🙂 Vielleicht sagst du mir 1 Monat vorher wenn du kommst damit ich schon mal üben kann:):) Vielleicht eine Video Anleitung zum einüben bis du kommst:)
    Braucht man eigentlich Yogasocken?

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    1. Liebe Erika!
      Habe ich mir notiert. 👌🏼😊 Danke für den Input!
      Üben vorher ist keinesfalls notwendig. Ist ja für Yoga-Neulinge gedacht. 😊
      Yogasocken braucht man nicht unbedingt. In Wien hab ich ab und an welche an, in Indien nicht. Muss man ausprobieren, wie es einem besser gefällt.

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  3. Liebe Anja,

    ich hab einmal einen Yogakurs gemacht und in meiner ersten Schwangerschaft bis in der 35. SSW brav jede Woche eine Einheit besucht.
    Aber irgendwie hab ich nie dieses „Feuer“ verspürt.
    Es hat gut getan, es hat oft wo geknackst, es war angenehm, sich körperlich zu betätigen und das bei etwas, wo es nicht um Tempo und Kraft geht.
    Aber es waren mir wohl zu viele Menschen dort. Ich war leicht abgelenkt, hab manchmal auf die Uhr geschaut und mir gedacht „Bald geschafft!“.
    Das sollte so nicht sein, denke ich.
    Ich bräuchte wohl etwas mehr individuelle Betreuung und wie du richtig angesprochen hast – wohl auch mehr Verständnis für das GANZE YOGA. Nicht nur einfach den Sonnengruß abarbeiten und dann halt die Folgeübungen machen. Vielleicht am Anfang etwas länger „meditieren“ um weg zu kommen vom stressigen Alltag und einzutauchen in Yoga. Und genau so sanft aber wieder in den Alltag entlassen werden. Das wäre wahrscheinlich gut für mich.

    Ja. Meine Gedanken dazu.

    Und eine Frage: wie geht‘s jetzt weiter? Noch ein Kurs? Und was machst du in Hampi? Hab auf Google Maps geschaut – knapp neun Stunden von Goa entfernt. Da fährt man nicht nur zum Essen hin?!

    Schick dir ein großes Bussi.

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    1. Liebe Belli!
      Vielen Dank für deine Gedanken und den Input! 😊 Das nehme ich gerne mit!
      In Hampi sind unzählige Tempel(ruinen) zu sehen. Gestern haben wir bei 37 Grad im Staub schon vieles abgeklappert. Heute sehen wir uns die andere Seite des Flusses an. Morgen Nacht geht es weiter nach Bangalore für mich zwecks einer Palmblattbibliothek. Das kannst du bis zu meinem Blogbeitrag auch mal googeln. 😅

      Viele Bussis aus Indien

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  4. Liebe Anja,
    Was würde ich gerne wissen?
    1. Was erwartet mich? Entspannung, Beweglichkeit, Sport?
    2. Wer erwartet mich? Anfänger, Profis?
    Ablauf in Kurzbeschreibung
    3. Was brauche ich? Richtige Kleidung, eigene Matte
    4. Und was ist deine persönliche Note?

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  5. Hurrrrraaaaaaaa, Mama gratuliert ! bin so stolz auf dich.
    Deine Frage ist nicht einfach. Du weißt, dass ich nicht unbedingt der Yogabefürworter bin. Vor allem nicht bei meinen Patienten.
    Aber wenn ich es wieder mal versuchen würde, wünsche ich mir herauszufinden, welche Richtung im Yoga für mich die Passendste ist.

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