#09 – Yoga Teacher Training beyond the scenes (Gastbeitrag Karin)

Mir wurde die große Ehre zuteil einen Gastbeitrag in diesem Blog verfassen zu dürfen. Ich habe mich dazu entschlossen euch einen kleinen Einblick in die Welt eines „Yoga-Lehrlings“ zu geben – abseits der graziösen Posen und fancy Outfits.

Entscheidet man sich dafür eine Yoga Trainer Ausbildung in Indien zu absolvieren, so ist man sich durchaus der Tatsache bewusst, dass man hier weitaus tiefer in diese Welt eintauchen wird, als dies in unserer Heimat (ja, ich bin auch aus Österreich) je möglich wäre.

Bereits am ersten Tag unserer Ausbildung werden wir mit einer Einheit namens „Kriya“ konfrontiert, den meisten von uns (Anja und mich eingeschlossen) ist dieser Begriff gänzlich unbekannt. Was wird uns erwarten? Ein gemeinsames Morgen-Gebet vielleicht? Ein paar sanfte Bewegungen um Körper und Geist zu wecken?

Mit diesen Fragen finden sich 40 zukünftige Yoga-Lehrer aus der ganzen Welt um 6.30 Uhr morgens zusammen um ihre erste Unterrichtseinheit in Indien zu erhalten.
Eine Kiste mit kleinen weißen Kännchen wird vor uns auf einem Tisch abgestellt.  Als jemand noch einen Topf mit Wasser bringt, haben wir eine gewisse erste Ahnung, welche Art von Morgen-Ritual uns bevorstehen könnte.

Dieses Wasser, so erklärt man uns, wurde auf Körpertemperatur erwärmt und leicht gesalzen (Dosier-Empfehlung: „like salt in your tears“).
Hmm… also Augen zu und durch… oder besser … auf die Nasen, fertig, los!!

Und so funktioniert´s (für alle, die sofort auch loslegen wollen):
– Kännchen mit Salz-Wasser-Lösung befüllen
– Kopf seitlich neigen
– Wasser in ein Nasenloch fließen lassen
– Wasser aus dem anderen Nasenloch heraus rinnen lassen
– Wichtig: durch den Mund weiter atmen, ansonsten landet die Brühe im Rachen (und glaubt mir: dies ist tunlichst zu vermeiden…)

Man stelle sich nun dieses idyllische Sznario bildlich vor. 40 angehende Yogis stehen im Morgengrauen in einem palmenumsäumten Garten und reinigen ihre Riechorgane auf diese doch eher… nennen wir es spezielle Art und Weise. Die dazugehörige Geräuschkulisse, die zwangsläufig beim Austreten der Flüssigkeit entsteht, werde ich an dieser Stelle nicht weiter beschreiben.

Was ist nun aber die Moral von der Geschichte?
Dieses für uns eher ungewöhnliche Ritual hat in der Tat seine Wirkung. Die Nase ist völlig frei und laut unserer Lehrer hilft dieses Ritual (in unserem Buch als „Jala Neti“ zu finden) auch dagegen Erkältungen vorzubeugen.
Man muss immer (und immer und immer wieder) seine Komfortzone verlassen, Neues ausprobieren, auch wenn es auf den ersten Blick merkwürdig (und in unserem Fall auch ein wenig grauslich) erscheint um wiederholt zu erkennen, dass die ein oder andere Sache weniger schlimm ist als zuvor erwartet.
Und wer weiß, manchmal kann sogar etwas richtig Tolles dabei heraus kommen, wenn man seine Grenzen ein wenig überschreitet.

9 Kommentare zu „#09 – Yoga Teacher Training beyond the scenes (Gastbeitrag Karin)

  1. Dieser Beitrag ist super geschrieben. Danke Karin , daß du uns das Nasenreinigen so gut erklärt hast. Irgendwie glaube ich, daß ich mir einen sehr großen Ruck geben müßte , um dafür meine Komfortzone zu verlassen. 😅

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