#07 – Dance like nobody is watching! … Von meiner ersten Meditation in Goa

Zugegebenermaßen – meine erste Meditation im Zuge der Yogalehrer-Ausbildung hier in Goa habe ich mir anders vorgestellt. Und ich kann mich nur wiederholen, wenn ich sage: Das Leben ist unplanbar.

Es passiert einfach viel zu viel auf meiner Reise und ich habe viel zu wenig Zeit zu schreiben, als dass ich hier immer aktuell bleiben kann. Aber für einen ersten Bericht aus Goa haue ich jetzt mal schnell in die Tasten.

Am 30.01. lande ich also aus Varanasi (Nordindien) um 22:35 Uhr in Goa (Südindien) und beziehe gegen Mitternacht meine „Ecohut“. Die Strohhütte ist ausgestattet mit einem Bett, einem kleinen offenen Regal und einem einfachst ausgestattetem Badezimmer. That’s it. Simpel und bodenständig. Exakt was ich mir vorgestellt habe. Ich bin erleichtert und überglücklich. Wenn ich morgens aufwache höre ich die Vögel zwitschern und die Wellen rauschen. Was will man meer – ähm… mehr?

Da der Kurs erst am 01.02. beginnt kann ich an meinem ersten Tag in Goa mit den anderen Mädls am Strand frühstücken und Abendessen und dazwischen am Markt bummeln, da und dort einen gemütlichen Drink nehmen, plaudern und genießen. Ein herrlicher Einstieg! … Und eine willkommene Abwechslung zum Norden offengestanden. Das mit dem Entspannen hab ich ja bisher noch nicht so gut geschafft zwischen den vielen Tempeln und anderen Besichtigungen. So ein Tag kommt mir sehr gelegen.

Am 01.02. gibt’s dann einen „soften“ Einstieg mit gemeinsamem Frühstück, den wichtigsten Infos und Regeln und einer Opening Ceremony abends.

Umso intensiver würde ich den heutigen Tag bezeichnen. Dieser ist nämlich gut verplant (das geht diesmal nicht auf meine Kappe…!) und daran wird sich in den kommenden drei Wochen von Montag bis Samstag auch nicht viel ändern. Beim Blick auf die Tafel komme ich schon ins Schwitzen. Nicht nur aufgrund der 30 Grad, die es hier hat.

Wie man dem Bild entnehmen kann, stehen da für einen Nicht-Yogi unverständliche Dinge drauf. Aber auch ein Yogi kennt nicht alles und so lasse ich einfach alles auf mich zukommen und auf das eine oder andere werde ich auch in meinem Blog noch zurückkommen. Ich kann euch sagen: ihr werdet Augen machen.

Heute sind sowohl zwei verschiedene Yoga-Klassen (Hatha und Ashtanga) als auch Theorie dabei. Die Zeit für Self Study (Wie geht es dir? Deinem Körper? Deinem Geist? Wie ging es dir bei den Asanas (Yogaklassen/Positionen) etc.) und Self Care nutze ich um eineinhalb Stunden zu schlafen. Ich finde das hab‘ ich gut gemacht. Denn zu meiner Verteidigung: Der Vormittag hatte es auch schon ziemlich in sich muss ich sagen. Neben eineinhalb Stunden Hatha-Yoga wurde auch meditiert. Allerdings nicht wie ihr euch das jetzt vielleicht vorstellt. Und wir uns das ursprünglich auch gedacht haben.

Wir sitzen also um 11:30 Uhr alle in unserem traumhaften offenen Yoga Shala auf der Dachterrasse auf einem Meditationspolster und ich stelle da schon fest, dass meine Augenlider hemmungslos gegen die Schwerkraft kämpfen. Vielleicht schaffe ich es ja unbemerkt während der Meditation zu schlafen… Da kommt Krishna, unser Lehrer, mit Laptop und Boxen und bittet uns alles wegzuräumen. Aha… Wir machen große Augen. Statt auf dem Boden sitzend mit überkreuzten Beinen und geschlossenen Augen stillschweigend zu meditieren werden wir heute tanzen und shaken. Dabei schalfe ich garantiert nicht ein. „Habt ihr schon einmal ohne Alkohol so richtig abgetanzt und geshaked? Falls nicht – heute es ist es soweit!“ Nachdem uns Krishna erklärt wie man richtig shaked (Füße fest auf dem Boden, Knie im Takt der Musik beugen und strecken, nie die Fersen heben und alles locker lassen – ich finde in etwa so wie kleine Kinder tanzen… 🙂 Probiert gleich mal selbst aus!) geht es mit der ersten Runde tanzen los. Die Musik hallt über die Terrasse, der Blick reicht über die Palmen bis zum Meer und der Wind weht uns die Haare ins Gesicht. Und alle beginnen sich zu bewegen. Erst noch etwas zaghafter, dann immer losgelöster und irgendwann springen und tanzen und drehen sich alle durch den Yogashala.

Zwischen all den Drehungen und dem Bewegen von einem auf den anderen Fuß, einfach wie es gerade passiert, stehen Tränen in meinen Augen und ich tue mir schwer mich zusammenzureißen. Was ich eigentlich nicht müsste. Ich wäre nicht die erste, die hier nach weniger als 24 Stunden weint. Emotionale Ausbrüche sind normal und werden uns voraussichtlich mehrmals während der Ausbildung begegnen wurde uns gestern schon prophezeit. Warum die Tränen? Gute Frage… Ich kann es zu dem Zeitpunkt einfach nicht fassen. So viel Ballast, der da abgebaut werden kann. So viel Leichtigkeit, die ich spüre. Einfach bewegen wie es sich gerade gut anfühlt. Ich liebe tanzen. Und das hier auf einer Dachterrasse in Indien. Das bin doch tatsächlich ich, die da steht. Mit 40 oder 50 anderen wundervollen Menschen, alle so lebensfroh und glücklich hier zu sein. Ich erfülle mir gerade einen Lebenstraum. Und es fühlt sich so normal und selbstverständlich an. Aber das ist es nicht. Wie lange habe ich mich danach gesehnt Zeit für mich zu haben und weit weg zu reisen. Ich habe die Tage gezählt (wirklich nämlich…). Und gerade erlebe ich es. Bin das wirklich ich?!

Nach der ersten Runde tanzen, folgt ein Lied shaken. Danach gibt es noch jeweils zwei Runden tanzen und shaken. Beim letzten Lied fragt uns Krishna, ob wir lieber „happy or in pain“ sterben wollen. – Eigenartige Frage. „Na glücklich natürlich.“ – „ Okay! So Krishna says die party hard. Dance like nobody is watching!

Wir geben also alle nochmal Vollgas und ich sehe so viele glückliche Gesichter und lachende Menschen. Wir feiern das Leben. Und sind einfach dankbar. Was für ein schöner Anlass! Zum Abschluss gibt es dann doch Umarmungen für alle und ein paar Minuten Ruhe im Sitzen und Liegen, bevor wir hungrig zum Mittagessen laufen.

Beim Austausch stelle ich fest – nicht nur ihr, auch wir hatten alle etwas ganz anderes unter dem Tagespunkt „Meditation“ erwartet und es war im ersten Moment vielleicht etwas komisch, aber wir haben es schlussendlich alle total genossen. Wurde also diesmal nicht nur ich vom Leben überrascht…

9 Kommentare zu „#07 – Dance like nobody is watching! … Von meiner ersten Meditation in Goa

  1. Ich sitze hier in nach dem Abendessen in der Oberforsthof-Alm St. Johann-Alpendorf in unserem Appartement mit Mama, Kilian und Elias und lese fasziniert deinen Bericht. Wieder super lesenswert. Liebe Grüße von mir und natürlich auch von Mama und Deinen Neffen. Morgen geht’s bei uns los.

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  2. Hello Socke !
    Ich spüre selbst körperlich wie deine Spannung und der Druck von dir abfällt.
    Es ist ein tolles Gefühl. Genieße es !!!!!
    Ich freu mich unglaublich , daß dein Traum in Erfüllung geht.
    Noch oft: “ dance like nobody is watching you“

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  3. Liebe Anja,

    ich freu mich sehr über deine so positiven Zeilen.

    Vielleicht probier ich das mit dem Tanzen auch mal aus. Klingt irgendwie vielversprechend …

    Großes Bussi!

    PS: hier hatte es heute 15 Grad! So warm war’s schon lange nimmer. Gegen deine 30 aber natürlich nix.

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  4. Liebe Anja,

    ich freu mich sehr über deine so positiven Zeilen.

    Vielleicht probier ich das mit dem Tanzen auch mal aus. Klingt irgendwie vielversprechend …

    Großes Bussi!

    PS: hier hatte es heute 15 Grad! So warm war’s schon lange nimmer. Gegen deine 30 is das aber natürlich nix.

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  5. Liebe Anja,
    Da hast du es genau richtig getroffen: Tanzen befreit und macht glücklich.
    … und in ein paar Jahren kannst du sogar in einer vollen wiener Location so tanzen, als ob keiner dich beobachtet!
    👍

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