#04 – Reisebericht Delhi

Am 01.02. startet meine Yogalehrerausbildung in Goa. Der Flug nach Goa hat einen Zwischenstopp in Delhi – ich habe also beschlossen hier ein paar Tage zu bleiben und mir die indische Hauptstadt anzusehen.

Komplett ohne Plan und jegliche Vorbereitung mache ich mich also am 20.01. auf den Weg und nehme den Nachtflug, mit dem ich um 10:20 Uhr Ortszeit (+4,5 Stunden Zeitverschiebung zu Österreich) lande. Auf dem Flughafen schlage ich mich durch die Visumskontrolle, wechsle Geld und befreie meinen Rucksack von der Schutzfolie. Das alles nimmt locker eine Stunde in Anspruch. Der Fahrer, den das Hotel für den Transfer organisiert hat, wartet geduldig bei Ausgang 5 auf mich, wie vereinbart.

Während der Autofahrt in die Stadt fällt mir auf, dass an den Erzählungen über den Verkehr viel Wahres dran ist. Jeder fährt wie er möchte, vier Fahrzeuge nebeneinander, obwohl nur drei Spuren, statt Blinker wird die Hupe eingesetzt. Ich bin amüsiert und beobachte das wilde Treiben.

Im Hotel bin ich mit meiner Wahl ganz zufrieden. Das Zimmer ist superklein und es gibt weder einen Kasten noch eine Ablagefläche, da ich aber alleine bin und mich ausbreiten kann, stört mich das überhaupt nicht. Den restlichen ersten Tag verbringe ich im Zimmer, komme an und lese mich ein. Ich bestelle mir „Chicken Tikka“ aufs Zimmer und stelle fest – es sind sechs kleine Stücke kaltes, scharfes (obwohl nicht spicy) Hühnerfleisch. Es schmeckt aber echt lecker und da ich seit Ewigkeiten nichts mehr gegessen habe, gleich noch mehr.

Die Nacht würde ich zu den Top 10 meiner schlaflostesten zählen. Ich bin froh, dass mir das Christkind einen ganz dünnen Schlafsack geschenkt hat. Da das Bett nicht ganz so sauber aussieht schlüpfe ich hinein … und liege wach. Und zwar so gut wie die ganze Nacht. Man hört jeden Schritt am Gang, das Telefon und die Menschen an der Rezeption, das Hupen auf den Straßen. Aus den Rezensionen auf booking.com habe ich aber den Eindruck, das ein Zimmerwechsel nichts bringen würde.

Für den nächsten Tag organisiert mir der Hoteldirektor einen Fahrer, der mich zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten bringt. Zum Glück bin ich so neugierig was es zu sehen gibt, dass sich die Müdigkeit im Hintergrund hält. Leider spricht der Fahrer kein Wort Englisch und auch die Namen der Sehenswürdigkeiten verstehe ich nicht, wenn ich ihn frage wo es als Nächstes hingeht. Ich lasse mich also – ganz im Sinne meines Blogs – unplanbar überraschen.

Schlussendlich sehe ich dann folgende Dinge:
– Raj Gat (Mahatma Gandhi-Denkmal)
– Akshardham-Tempel (leider keine Fotos, da Kameras und Handys streng verboten)
– Lotus Tempel
– Humanyuns Grab (habe mir beim Entdecken des Areals so viel Zeit gelassen, dass ich zum Grab laufen musste und nur ein ganz schnelles Foto erhaschen konnte bevor die Securities uns zum Eingang zurück getrieben haben)
– India Gate (nur im Vorbeifahren)
– Hindu Tempel (leider im Regen…)
– Sikh Tempel (leider auch Regen…)

Die nächste Nacht ist wieder schlaflos aufgrund des Lärms und der Aufregung über die Gesamtsituation.

Am nächsten Tag habe ich einen anderen Fahrer, Chandan. Er spricht hervorragend Englisch, erzählt mir dies und das, fährt unglaublich ruhig, benutzt seine Hupe kaum und schleppt mich auch in keine Shops bei denen er möglicherweise Provision bekommen könnte. Da ich am Vortag schon fast alles gesehen habe, bringt er mich zu drei Sehenswürdigkeiten, bei denen ich mir dafür umso mehr Zeit nehme es zu erkunden und zu fotografieren. Ich genieße die Entschleunigung sehr.
– Qutb Minar (mit 72m höhe steht hier Indiens höchstes Minarett)
– Lodi Gardens (ein riesiger Park mit Denkmälern und viel Ruhe)
– Gandi Smirti Museum (hier hat Gandhi die letzten 144 Tage vor seinem Tod verbracht)

Jama Masjid und Red Fort/Lal Qila können wir nicht besichtigen, da am 26.01. National Republic Day und schon sehr viel für Vorbereitungen gesperrt ist. Die Frage, ob die Parade sehenswert ist und ich bis 26. bleiben sollte beantwortet Chandan mit einem Lachen: „Nein, lieber nicht! Hier eskaliert hier, es sind Massen von Menschen überall und der Verkehr steht. Also für mich ist das nichts. Ich schaue das lieber im Fernsehen an.“

Zum Abschluss des Tages hilf Chandan mir noch eine indische SIM-Karte und ein Handy zu besorgen, damit ich auch unter Tags oder im Notfall Internetzugriff habe. Dazu gehen wir in einen minikleinen Shop ein paar Stufen hinauf, in dem ich als Tourist niemals landen würde. Genauso verwundert sehen mich die Einheimischen auch an. Ich bin wieder amüsiert und grüße alle freundlich: „Namaste.“ Während der gute Mann alles für den Erwerb der SIM-Karte vorbereitet, zieht Chandan los und organisiert mir ein nigelnagel neues Handy zum Einheimischen-Preis.

Zufrieden zurück im Hotel bereite ich alles für die morgige Abreise vor und freue mich auf die nächste Stadt. Denn es geht für drei Tage nach Jaipur und Chandan wird mich fahren. Entsprechend meines guten Gefühls und mit ein bisschen weniger Lärm schlafe ich diese Nacht dann sogar ein paar Stunden mehr…

Fazit
Delhi ist eine spannende Stadt mit vielen beeindruckenden Sehenswürdigkeiten! Je nachdem was man alles sehen und wieviel Zeit man sich lassen möchte sind zwei bis drei Tage gut. Ein eigener Fahrer hat sich für mich absolut ausgezahlt, weil er genau weiß wo was ist und ich mir dadurch viel Zeit und Hektik erspart habe. Beim Qutb Minar hatte ich einen Guide – das hat sich wirklich ausgezahlt, weil es so viel Interessantes zu wissen gibt!

Highlight
Ich habe lange nachgedacht, aber mich hat alles auf seine eigene Art und Weise so begeistert, dass ich mich auf keines festlegen möchte.

Lowlight
Siehe Highlight… 😉

Learnings
– Vor dem Eintritt in die Sehenswürdigkeit nachsehen wie lange geöffnet ist.
– Der Sache mit dem Trinkgeld in Indien muss ich nochmal nachgehen. Der Tourguide hat mich etwas über’s Ohr gehauen. … Dafür hat er schöne Fotos gemacht. 😉
– Erster Eindruck: Mich schockiert bisher weder das Land noch die Leute. Vielleicht, weil viele im Voraus so schlimm Panik gemacht haben? Oder weil ich finde es unterscheidet sich nicht großartig von bspw. Kenia (außer ich habe ein schlechtes Gedächtnis…)? Oder weil ich mich – auf welche Art auch immer – einfach verbunden und wohl fühle? Ich werde der Sache auf den Grund gehen und es euch wissen lassen… Sind ja erst ein paar Tage um.

12 Kommentare zu „#04 – Reisebericht Delhi

  1. wow – du hast ja schon einiges gesehen und es ist faszinierend für mich zu lesen wie du an die Begegnung mit Land und Menschen herangehst .. einfach super!!! Wünsch dir weiter viele spannende Eindrücke!!! GLG Elfi

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  2. Liebe Anja,

    auch ich verfolge deine Berichte mit großer Spannung und finde es auch voll toll wie du das alles machst und was du erlebst! Hut ab!

    Mein Traum wäre es ja auch gewesen, eine echte Abenteurerin zu sein. So mit Rucksack in ferne Länder reisen. Und so wilde Dinge halt …
    Irgendwie glaub ich aber, dass das wohl nix mehr wird.
    Umso besser also, dich als Freundin zu haben, die das jetzt für mich erledigt. Danke! 😉

    Bussi und gute Weiterreise!

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  3. Liebe Anja!
    Dein Reiseblogg gelingt ausgezeichnet! Ich bin sehr stolz auf dich und ich bewundere dich auch, dass du die Konsequenz hattest , diese Reise nach Indien zu machen, obwohl es so viele erschrockene , ablehnende und negative Reaktionen im Vorhinein gab. Mich eingeschlossen. Sorry…. Muttersorgen.
    Ich wünsche dir einen tollen Tag und eine entspannte Zugsfahrt.

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  4. Und hier gleich die nächste Leserin deines Blogs, die ganz begeistert ist von dir, deinem Mut & dem Abenteur, das du grad erlebst. Tolle Fotos, toller Bericht, ich freu mich jedes Mal wenn ich eine Mail im Postfach hab „Unplanbar [neuer eintrag] Reisebericht“. Nur weiter so, den mutigen gehört die Welt 😉
    Viele Bussis aus Wien ❤

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